Proteste in Ägypten Mursi-Anhänger fordern das Militär heraus

Tausende Unterstützer des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi versammeln sich trotz Verbots auf Kairos Plätzen. Sie feiern das Ende des Fastenmonats Ramadan und fordern die Wiedereinsetzung des Muslimbruders. Die neue Regierung droht, die Kundgebungen gewaltsam aufzulösen.
Muslimbrüder in Kairo (Archiv) widersetzen sich den Anordnungen der neuen Regierung

Muslimbrüder in Kairo (Archiv) widersetzen sich den Anordnungen der neuen Regierung

Foto: Mohammed Saber/ dpa

Kairo - Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben im Zentrum der Hauptstadt das Ende des Fastenmonats Ramadan gefeiert - und damit erneut dem Militär die Stirn geboten. Unter einem Meer von Luftballons sprachen sie auf den Plätzen Rabaa al-Adawija und al-Nahda in Kairo das Morgengebet. Sie setzten sich über eine Anordnung der Übergangsregierung hinweg, nach der die beiden Plätze vor einer Moschee und der Universität von Kairo "umgehend" geräumt werden sollten.

Die Regierung drohte erneut mit einer gewaltsamen Auflösung der Camps und erklärte, sich lediglich aus "Rücksichtnahme auf den heiligen Monat Ramadan" zurückgehalten zu haben. Interims-Ministerpräsident Hasem al-Beblawi erklärte im Staatsfernsehen, wer "kein Blut an seinen Händen" habe, werde auf Staatskosten abtransportiert und nicht verfolgt. Die Anführer der Muslimbrüder riefen indes dazu auf, die Camps "bis zum Sieg" aufrechtzuerhalten.

Die Muslimbrüder, denen auch Mursi entstammt, halten seit dessen Entmachtung durch das Militär am 3. Juli die Plätze besetzt. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Islamisten wurden seitdem mehr als 250 Menschen getötet. Die Muslimbrüder verlangen die Wiedereinsetzung Mursis, der an einem geheimen Ort festgehalten wird.

USA und EU mahnen zur Mäßigung

Nach dem Scheitern westlicher und arabischer Vermittlungsversuche mahnten die USA und die EU die rivalisierenden Blöcke am Mittwochabend zum Gewaltverzicht. "Jetzt ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen, sondern um Schritte zu unternehmen, die helfen können, einen Dialog zu beginnen und den Wandel voranzubringen", mahnten die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und US-Außenminister John Kerry in einer in Brüssel und Washington verbreiteten gemeinsamen Erklärung.

Die ägyptische Übergangsregierung hatte die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung der Krise im Land zuvor für gescheitert erklärt. "Die ägyptische Präsidentschaft macht die Muslimbruderschaft in vollem Umfang für die Blockierung dieser Bemühungen verantwortlich", erklärte das Amt des Übergangspräsidenten Adli Mansur am Mittwoch in Kairo.

Die Krise "birgt nicht nur das Risiko neuen Blutvergießens, sondern erschwere auch die wirtschaftliche Erholung, die so wesentlich ist für Ägyptens erfolgreichen Wandel", erklärten Kerry und Ashton. Jetzt, kurz vor dem Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) am Donnerstag, sei der "Augenblick für Führung, Weitblick und Großherzigkeit", appellierten sie.

Westerwelle (FDP) warnte die ägyptische Regierung davor, die Bemühungen um eine friedliche Beilegung der Krise aufzugeben. In einem Telefonat mit dem ägyptischen Außenminister Nabil Fahmy rief er nach Angaben aus dem Auswärtigen Amt zum Dialog auf. Alle Seiten müssten verantwortungsvoll handeln und deeskalieren.

mon/AFP/dpa/Reuters
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