Ägypten Mursi fordert Obama zu neuer Arabien-Politik auf

Der ägyptische Präsident Mursi hat den USA schwere Fehler in der Politik gegenüber den arabischen Staaten vorgeworfen. Er geißelte dabei vor allem die jahrzehntelange Unterstützung von Diktatoren in der Region - damit habe sich Washington den Hass der Menschen zugezogen.

Mohammed Mursi: Kritik an Washington
DPA / Egyptian Presidency

Mohammed Mursi: Kritik an Washington


Kairo - Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat von den USA einen Politikwechsel in den arabischen Staaten gefordert. "Vergangene US-Regierungen haben sich mit dem Geld ihrer Steuerzahler in erster Linie die Abneigung, wenn nicht den Hass, der Völker der Region gekauft", sagte Mursi der "New York Times". Damit meinte er Washingtons jahrzehntelange Unterstützung für autoritäre Herrscher in der arabischen Welt und die bedingungslose Unterstützung Israels.

Mursi lobte allerdings US-Präsident Barack Obama für seine "entschiedene und schnelle" Unterstützung der Proteste im Arabischen Frühling. Die USA seien für das Recht der Araber eingetreten, die "selbe Freiheit zu genießen wie die Amerikaner". Die USA hätten allerdings auch eine "besondere Verantwortung" für die Palästinenser, mahnte Mursi in dem Interview. "Solange Frieden und Gerechtigkeit für die Palästinenser nicht verwirklicht sind, bleibt das Abkommen unerfüllt", sagte er mit Blick auf das Camp-David-Abkommen von 1978.

Auf die Frage, ob die USA ein Verbündeter Ägyptens seien, sagte Mursi, dies hänge von der "Definition eines Verbündeten" ab. Die beiden Länder seien aber "echte Freunde". Obama hatte kürzlich mit der Aussage, Ägypten sei weder Verbündeter noch Feind, für Aufregung gesorgt. Das US-Außenministerium stellte daraufhin klar, Ägypten bleibe weiter ein wichtiger Partner. Seit 1989 hat Ägypten ebenso wie Australien, Japan, Jordanien, Israel und Thailand einen herausgehobenen Status als wichtiger Nicht-Nato-Verbündeter, der eine besondere militärische Zusammenarbeit beinhaltet.

In seinem ersten Interview mit dem ägyptischen Staatsfernsehen hatte Mursi zuvor eine größere außenpolitische Rolle gefordert. Um Ägypten zu helfen, müsse er sich insbesondere um gute Beziehungen in Afrika und um Investitionen des Westens und Chinas bemühen. Einige Kritiker werfen ihm bereits vor, er betone zu sehr die Außenpolitik, anstatt sich der internen Probleme des Landes am Nil zu widmen.

ler/AFP/dapd

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Whitejack 23.09.2012
1. optional
---Zitat--- Einige Kritiker werfen ihm bereits vor, er betone zu sehr die Außenpolitik, anstatt sich der internen Probleme des Landes am Nil zu widmen. ---Zitatende--- Beides hängt zusammen. Eine der wesentlichen Fragen in der Region ist die aktuelle Stellung Ägyptens zu Israel, den westlichen Ländern und den arabischen Staaten. Es muss eine gewisse Sicherheit und Verlässlichkeit diesbezüglich geben. Dies ist auch innenpolitisch von Bedeutung, da zum einen Rechtssicherheit für ausländische Investoren, zum anderen ein stabiler Frieden für den touristischen Sektor unerlässlich sind.
spon-facebook-10000324734 23.09.2012
2. Es ist ja wohl dringender..
dass die arabischen Staaten ihre Politik gegenüber den USA und der westlichen Welt ändern
robert.haube 23.09.2012
3. Mursi auf dem Schleudersitz
Mursi droht die ägyptische Volkswirtschaft "um die Ohren" zu fliegen. Die Devisenreserven schmelzen wie Schnee in der Sonne, die Benzin- und Stromversorgung wird immer schlechter. Jetzt hat er sowohl Katar um Geld angebettelt als auch seine Fühler zum IWF ausgestreckt. In spätestens einem halben Jahr wird es Unruhen gegen Mursi geben.
hxk 23.09.2012
4. Schnee von Gestern
Zitat von sysopDPA / Egyptian PresidencyDer ägyptische Präsident Mursi hat den USA schwere Fehler in der Politik gegenüber den arabischen Staaten vorgeworfen. Er geißelte dabei vor allem die jahrzehntelange Unterstützung von Diktatoren in der Region - damit habe sich Washington den Hass der Menschen zugezogen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857428,00.html
Mursi sollte selbst am Allerbesten wissen, dass die USA diese Politik längst aufgegeben haben, denn sonst wäre er nicht Präsident Ägyptens. Aha, daher weht der Wind. Dem Islamisten Mursi dessen Partei den Friedensvertrag mit Israel kündigen will, passt es nicht, dass die USA Israel bei der Sicherung seiner Existenz helfen. Tja, daran wird sich nix ändern und das ist auch gut so! Erstens kann ich von Freiheit nicht viel im Nahen Osten sehen, radikalen Islam schon eher und zweitens sind die Palästinenser die Schmiede ihres eigenen Unglücks: Fragebogen für Palästina-Solidaritäter (http://spiritofentebbe.wordpress.com/2012/09/20/fragebogen-fur-palastina-solidaritater/)
spon-facebook-10000206200 23.09.2012
5. Verbündeter?
Die Aussage von Obama Ägypten sei weder Verbündeter noch Feind dürfte die richtige sein.Denn auch in den USA wird die bisherige Nahostostpolitik auf dem Prüfstand stehen.Ich persönlich kann mir nicht vorstellen das die jüngsten Ausschreitungen gegen westliche Botschaften die Obama Regierung ignoriert.Es ist eher denkbar das die offizielen Verlautbarungen ein anderes Bild wiedergeben als die interne Diskussion um dieses Thema.Denn eins dürfte der US Regierung mittlerweile auch klar geworden sein .Einen velässlichen Verbündeten außer Israel haben sie in dieser Region nicht mehr, was auch die Aussage Obamas wiederspiegelt.Welche Kosequenzen sich daraus ergeben und in die weitere Nahostpolitik einfliesen wird sich zeigen.
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