Ägypten Mursis Familie bezichtigt Armeechef der "Entführung"

Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Familie des früheren ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi will juristisch gegen die Militärführung vorgehen - und den Armeechef Sisi wegen "Entführung" verklagen.

Mursi-Sohn Osama Mohammed am Montag: "Bruch der Menschenrechte"
REUTERS

Mursi-Sohn Osama Mohammed am Montag: "Bruch der Menschenrechte"


Hamburg/Kairo - Im Fall des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi hat sich nun dessen Familie zu Wort gemeldet und schwere Vorwürfe gegen die Militärführung in Kairo erhoben. Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi solle wegen "Entführung" vor Gericht gestellt werden, erklärten zwei Kinder Mursis am Montag.

"Wir klagen Abd al-Fattah al-Sisi und die anderen Putschführer an, den Bürger und Präsidenten Mohammed Mursi entführt zu haben", sagte dessen Sohn Osama Mohammed Mursi am Montag bei einer Pressekonferenz in Kairo und fügte laut dem britischen Sender BBC hinzu: "Das, was geschieht, ist ein Bruch der Menschenrechte und ein Skandal in jedem Sinne des Wortes."

Es würden "rechtliche Maßnahmen auf lokaler und internationaler Ebene" gegen "den Führer des blutigen Militärputsches und seine Putschisten-Gruppe" unternommen, sagte Mursis Tochter Schaimaa Mursi am Montag in Kairo.

Gegen Sisi richtet sich zunehmend der Hass von Mursis Unterstützern. Mursi wird seit seiner Entmachtung durch das Militär am 3. Juli an einem geheimen Ort festgehalten. Am Montag forderte auch die EU seine Freilassung. Die Übergangsregierung in Kairo hat das bislang abgelehnt und erklärt, der entmachtete islamistische Präsident werde an einem "sicheren Ort" festgehalten.

Ein Toter bei Zusammenstößen am Tahrir-Platz

Die EU-Außenminister forderten am Montag die Freilassung Mursis und schnelle Neuwahlen in Ägypten. Zu den wichtigsten Aufgaben zähle nun neben einem Ende der politisch motivierten Festnahmen auch die Freilassung aller politischen Gefangenen, inklusive Mursis, hieß es in einer Stellungnahme. Die Minister zeigten sich "tief besorgt" über die Lage in dem nordafrikanischen Krisenland.

Im Zentrum von Kairo ist es am Montag zu neuen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis gekommen. Beide Seiten warfen demnach mit Steinen aufeinander und feuerten aus Schrotgewehren, die Polizei setzte Tränengas ein. Ein Demonstrant wurde bei den Ausschreitungen getötet, mehr als 20 Menschen erlitten Verletzungen.

Die Mursi-Gegner hatten zuvor in der Nähe der amerikanischen Botschaft gegen die angebliche Beteiligung der Regierung in Washington an der Entmachtung Mursis protestiert. An dem nahe gelegenen Zugang zum Tahrir-Platz gingen dann Anhänger und Gegner des früheren Präsidenten aufeinander los, wie Medien und Augenzeugen berichteten.

bos/AFP/dpa



insgesamt 31 Beiträge
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ambulans 22.07.2013
1. ihr habt völlig recht!
das war ein glasklarer putsch, widerrechtlich sowieso, das wegsperren eines rechtmäßigen präsidenten ist schlichtweg entführung - und sonst nichts - und dass sich die dafür verantwortlichen als "demokraten, die in so einer situation einfach nicht anders konnten", darstellen wollen, entspricht grundsätzlich der allgemeinen situation vor gericht: angeklagte leugnen und beschönigen gern (ihr recht - vor gericht!)
lionfish 22.07.2013
2. @ambulans
Also nach der Verfassung, die von Mursi und seinen MB gegen den Wiederstand der Bevölkerung gemacht wurde, hat das Militär das Recht und sogar die Pflicht Mursi abzusetzen und zu verhaften. Ist blöd, Kommentare abzugeben ohne die Fakten zu kennen;)
ambulans 22.07.2013
3. >lionfish,
wohl länger in urlaub gewesen? und - übrigens, was recht und gesetz ist, sollte man schon kennen (ansonsten schnellstens nachlesen/-arbeiten)
vooka 22.07.2013
4. @lionfisch
dann zeigen sie uns doch mal wo dies genau in der ägyptischen Verfassung steht. das kann ja jeder behaupten. ich glaube ihnen auch nicht, dass sie sich die Mühe gemacht haben die ägyptische Verfassung zu lesen. Es ist schlicht und ergreifend Entführung was man da mit mursi gemacht hat. wahrscheinlich lebt er gar nicht mehr. dann wäre nämlich die Hölle los in Ägypten. Ob dann immer noch einige realitätsferne hier behaupten würden es wäre im Sinne der Demokratie?
daisky 22.07.2013
5.
@lionfish Die Verfassung wurde mit großer Mehrheit von der Bevölkerung angenommen. 65% der Wähler. Und die Opposition, die "die Mehrheit des Volkes" vertritt hatte nur die übrigen 35% der Stimmen, und somit alle Wahlgänge und Abstimmungen verloren. Ist blöd, Kommentare abzugeben ohne die Fakten zu kennen
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