Blutiger Machtkampf am Nil Deutschland und Frankreich bestellen Ägyptens Botschafter ein

Die internationale Gemeinschaft versucht, den blutigen Machtkampf in Ägypten zu stoppen: Deutschland und Frankreich haben die Botschafter des Landes einbestellt. Am Nachmittag droht eine neue Eskalation der Gewalt, die Muslimbrüder haben einen Marsch durch Kairo angekündigt.

DPA

Kairo/Paris/Istanbul - Die Muslimbrüder haben zu neuen Protesten gegen die neuen Machthaber in Ägypten aufgerufen. Sie kündigten für den Nachmittag einen Marsch durch Kairo an. Damit droht eine neue Welle der Gewalt. Ihr Sprecher Gehab al-Haddad hatte vorher zwar gesagt, das Militär müsse friedlich gestoppt werden. Die Islamisten würden "stets gewaltfrei und friedlich" vorgehen, sagte er via Twitter. Er stellte aber auch klar: "Wir bleiben stark, aufsässig und entschlossen." Sie würden nicht ruhen, bis "der Militärputsch" der Vergangenheit angehöre.

Der Machtkampf zwischen der Regierung und den Anhängern des gestürzten Staatschefs Mohammed Mursi war am Mittwoch in zahlreichen Städten Ägyptens außer Kontrolle geraten: Die Sicherheitskräfte räumten gewaltsam zwei Protestlager der Islamisten in Kairo.

Offiziellen Angaben zufolge wurden rund 300 Menschen getötet. Die Muslimbruderschaft sprach jedoch von 2000 Getöteten. Mursi war Anfang Juli nach Massenprotesten vom Militär entmachtet worden.

Erdogan fordert Sondersitzung der Uno

Aus Sorge vor einer weiteren Eskalation griffen internationale Politiker auf diplomatischem Wege in die Krise ein: Bundesaußenminister Guido Westerwelle bestellte den ägyptischen Botschafter ins Auswärtige Amt in Berlin ein. Damit wolle er der ägyptischen Regierung noch einmal sehr deutlich machen, dass das Blutvergießen ein Ende haben müsse, sagte Westerwelle bei seinem Besuch in Tunesien: "Es darf jetzt keine Spirale der Gewalt beginnen."

Auch Frankreichs Präsident François Hollande rief am Donnerstag den ägyptischen Botschafter zu sich. Das Treffen habe am Morgen begonnen, teilte das Büro des Staatschefs mit. In Frankreich ist es ungewöhnlich, dass der Präsident und nicht der Außenminister einen Botschafter zu sich bestellt. Aus dem Präsidentenbüro hieß es, das Ausmaß des Blutvergießens in Ägypten habe dies notwendig gemacht.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan forderte wegen der Zuspitzung der Lage in Ägypten eine Sitzung des Weltsicherheitsrates. Er warf den ägyptischen Sicherheitskräften erneut vor, beim gewaltsamen Vorgehen gegen Protestlager der Muslimbrüder in Kairo Massaker begangen zu haben.

Reisebuchungen für Ägypten gehen massiv zurück

Wegen der Lage in Ägypten gehen die Anfragen von Touristen für das Nilland bereits deutlich zurück. Das teilte der Branchenführer Tui mit. Die Buchungen für die laufende Sommersaison lägen einstellig unter dem Vorjahresniveau. Der Deutsche Reiseverband (DRV) berichtete von vermehrten Anfragen der Kunden bei den Veranstaltern. "Es gibt jedoch keine Storno- oder Umbuchungswelle", sagte Sprecherin Sibylle Zeuch.

als/dpa/Reuters

insgesamt 116 Beiträge
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Seite 1
karlsiegfried 15.08.2013
1. Was gibt es dazu noch zu sagen?
Europa hat diese blutigen Machtkämpfe zwischen glauben und Staat hinter sich gebracht. Die Menschheit zerstört sich selbst und das mit Programm.
guentherprien, 15.08.2013
2. Solange der Suezkanal offen bleibt, ist das eine interne Sache Ägyptens,
und den wird hoffentlich keine ägyptische Regierung jemals wieder schliessen. Und in den Urlaub kann man auch woanders hinfahren, nach Baden-Würtemberg oder Mecklenburg...
disi123 15.08.2013
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Zitat von sysopAPDie internationale Gemeinschaft versucht, den blutigen Machtkampf in Ägypten zu stoppen: Deutschland und Frankreich haben die Botschafter des Landes einbestellt. Am Nachmittag droht eine neue Eskalation der Gewalt, die Muslimbrüder haben einen Marsch durch Kairo angekündigt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-muslimbrueder-kuendigen-marsch-durch-kairo-an-a-916733.html
wie die Lage in ca. 30 Jahren aussieht da unten...
arda 15.08.2013
4. Spiegel schreibt über Aegypten
Interessante Berichterstattung wenn ein Militaerputsch nur in Anführungsstrichen als 'Militaerputsch' erscheint, wenn von einem Machtkampf gesprochen wird und sich auf der einen Seite dieses 'Machtkampfes' - hier scheinen mir die Anführungsstriche sinnvoller - scharf in die Menge schiessendes Militaer befindet und danach mitgeteilt wird, dass da etwas 'ausser Kontrolle' geraten sei, nachdem Scharfschützen auf Daechern, die das Schussfeld kontrollieren, platziert worden sind. Spiegel, weiter so!
nuschebajew 15.08.2013
5. Im Namen der Religion...
versinkt ein weiterer Staat ins Chaos, wird Leid über unschuldige Menschen gebracht. Ob Vorwand oder Überzeugung - hier wird der Glaube - an welchen Gott auch immer - erneut missbraucht. Und es wird nie enden...
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