Ausnahmezustand in Ägypten Muslimbrüder stürmen Regierungsgebäude

Die Gewalt zwischen Anhängern von Ex-Präsident Mursi und dem Militär geht weiter: In Kairo haben Muslimbrüder ein Regierungsgebäude gestürmt und angezündet. Zuvor war die Haft für Mursi um 30 Tage verlängert worden.

DPA

Kairo - Anhänger des gestürzten Ex-Präsidenten Mohammed Mursi haben in der Hauptstadt Kairo ein Regierungsgebäude gestürmt und in Brand gesetzt. Es handele sich um den Dienstsitz des Gouverneurs der zum Großraum Kairo gehörenden Provinz Gizeh. Auf Fotos war zu sehen, wie Feuerwehrleute versuchten, den Brand zu löschen.

Die Muslimbrüder protestieren gegen die gewaltsame Räumung zweier Protestcamps in Kairo und fordern, dass Mursi wieder in sein Amt eingesetzt wird. Er befindet sich seit Anfang Juli dieses Jahres an einem unbekannten Ort unter Arrest. Ihm werden Mord und Spionage vorgeworfen.

Nach dem jüngsten Gewaltausbruch im Land haben die ägyptischen Justizbehörden die Haft für Mursi um 30 Tage verlängert. Das berichtete Reuters unter Berufung auf die staatliche Nachrichtenagentur Mena.

Auch in Alexandria marschierten Hunderte Muslimbrüder auf, viele von ihnen mit Mursi-Bildern in den Händen. "Wir werden im Namen unserer Märtyrer wiederkommen", skandierten sie. Verfolgen Sie hier die Ereignisse im Liveticker.

Wochenlang hatten Mursis islamistische Anhänger in Kairo in zwei Protestlagern ausgeharrt, die die Regierung am Mittwoch gewaltsam räumen ließ. Bei den Zusammenstößen kamen nach Regierungsangaben mehr als 520 Menschen ums Leben, mindestens 3000 weitere wurden demnach verletzt. Übergangspräsident Adli Mansur rief für einen Monat den Notstand im ganzen Land aus: Er ermöglicht Razzien und Festnahmen ohne gerichtliche Anordnung. Zudem wurde die nächtliche Ausgangssperre verhängt.

Aus Sorge vor einer weiteren Eskalation griffen internationale Politiker auf diplomatischem Wege in die Krise ein: Bundesaußenminister Guido Westerwelle bestellte den ägyptischen Botschafter ins Auswärtige Amt in Berlin ein. Damit wolle er der ägyptischen Regierung noch einmal sehr deutlich machen, dass das Blutvergießen ein Ende haben müsse, sagte Westerwelle bei seinem Besuch in Tunesien: "Es darf jetzt keine Spirale der Gewalt beginnen."

US-Außenminister John Kerry mahnte in Washington: "Dies ist ein entscheidender Moment für alle Ägypter." In den "kommenden Stunden, in den kommenden Tagen" werde sich das Schicksal des Landes entscheiden. Eine demokratische Lösung sei immer noch möglich.

aar/Reuters/dpa/Afp

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linus65 15.08.2013
1. erschreckend ...
Zitat von sysopREUTERSDie angespannte Lage zwischen den Anhängern von Ex-Präsident Mursi und dem Militär verschärft sich: In Kairo haben Muslimbrüder offenbar ein Regierungsgebäude gestürmt, in Alexandria gingen sie zu Hunderten auf die Straße. Zuvor war die Haft für Mursi um 30 Tage verlängert worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-arrest-fuer-ex-praesident-mursi-offenbar-verlaengert-a-916777.html
was hier in den Foren alles so verbreitet wird ... Nochmals: Mursi wurde demokratisch gewählt, ob es vielen Foristen passt oder nicht. Er hatte gerade ein Jahr Zeit, die Opposition hat sich nachweislich praktisch jedem Dialog entzogen. Die Wirtschaft, grossteils in Händen der von den USA geschmierten Militärs, wurde wohl nach Chile-Methode kurzgehalten. Interessanterweise, tauchten nach dem Putsch plötzlich etliche offentsichtlich zurückgehaltene Güter mir nichts, dir nichts aus der Versenkung auf .... Mursis Politik, -wie jede- mag kontrovers diskutiert werden, dies rechtfertigt in keiner Weise einen Militärputsch (während ich dieses schreibe, glaube ich im falschen Film zu sein, wenn ich sehe, wieviele hier solch ein Gemetzel schulterzuckend für gut heissen ... ) Wie war das damals mit den Demonstrationen in Syrien ?: Sisi ist wohl der "Gute", eben "unser Sch**ßkerl". .. - was wäre nur die Hölle los, wären diese unglaublichen Opfer in dem Westen unbotsamen Ländern zu verzeichnen gewesen. Hier wird relativiert, gutgeheissen, vom Westen etwas scheinheilig gejammert (BEIDE Seiten sollten Zurückhaltung üben ..) Die Wahrheit ist: der Westen hat hier eindeutig seine Finger im Spiel, unter Federführung der USA. Kein ägytischer General würde es wagen, nicht dem Drehbuch der amerikanischen Planung zu folgen. Das es anders leider wohl nicht funktionierte, wird jetzt die brutalere "Variante" gefahren .. - Da man sich die Begeisterung der Ägypter für diesen Putsch wohl doch nicht so sichern konnte, wird jetzt eben die "Angst- und Schrecken"-Version aus der Schublade geholt, eben Einschüchterung. Ist natürlich für die Amerikaner nicht ganz so elegant, aber sollte es klappen, kann man diesen Imageverlust auch noch wegstecken ... Ägypten als strategisches Bindeglied zwischen Afrika und Nahost, als bevölkerungsreichstes arabisches Land ist für die USA viel zu wichtig. Meine Einschätzung ist, dass es zu einem blutigen Bürgerkrieg kommen wird, die führenden Militärs nach und nach massakriert werden, der Westen aus Ägypten rausfliegen wird (schon gehabt im Iran 1979). Dann haben wir wohl ein neues Problem. Unvorstellbar, dass die westliche Politik so dumm ist. Nein: es geht darum, wohl neues Potential für neue Kriege zu schaffen. Wer radikalisiert denn ständig diese Länder? Überall wo der Westen seine Finger reinsteckt, radikalisiert sich ein Grossteil der Menschen, sie leisten schlicht und einfach Widerstand: als Bindeglied, wie/was auch sonst, dient dabei die Religion ... Wenn wir Bomben werfen, nennen wir das "Demokratisierung", wenn diese Menschen sich deshalb verteidigen, nennen wir sie "Terroristen, radikale Islamisten" Für Leute, welche sich einen Eindruck über Sisi machen wollen: Ägyptens Armeechef Sisi: Der Mann, der Mursi absetzte | tagesschau.de (http://www.tagesschau.de/ausland/portraet-sisi100.html) wohl bekomm's ...
iradei 15.08.2013
2. optional
Wir Deutschen kennen so etwas halt nicht, denn uns Deutschen ist es egal, ob wir von einem Kaiser, Führer/Nazis, Kommunisten oder Aliens regiert werden. Die Gesinnung kann man schneller wechseln als die Unterhose.
torsten1 15.08.2013
3. Angst vor dem Bürgerkrieg...
lautet die einhellige Schlagzeile. Wer hat diese Angst - offenbahr grosse Teile der Weltöffentlichkeit, der Grossteil der Ägyptischen Bevölkerung und das Ägyptische Militär (ich weiss es nicht). Das könnte man eventuell über den Vorschlag einees UN -Mandates/ Friedenstruppe `abprüfen`. Aber es ist offenkundig wer momentan keine Angst hat.....
ejbeork 15.08.2013
4. Mein tieferes Unbehagen ...
Mein offensichtliches Unbehagen wird ausgelöst durch die offensichtlichen Ereignisse, wie sie gefiltert oder ungefiltert zu sehen sind. Mein tieferes Unbehagen wurzelt in meiner Überzeugung, dass Muslimbrüder Salafisten sind, die wir auch in Europa und Deutschland haben. Selbst als Minderheit heben sie den Staat aus den Angeln, wie wir sehen. Die ägyptische Staatsmacht erhebt den Knüppel. Die deutsche .... vielleicht den Zeigefinger. Und irgendwann gar nix mehr. Ich hab keine Ahnung, wie man sich jemandem entgegenstellt, der Bedrohung mit dem Tod beantwortet und der selbst den Tod als Ehrendienst an Allah sieht. Ägypten ist ein Symbol. Es steht für den Orient, und eben auch den Okzident.
Michael200669 15.08.2013
5. ./.
Zitat von iradeiWir Deutschen kennen so etwas halt nicht, denn uns Deutschen ist es egal, ob wir von einem Kaiser, Führer/Nazis, Kommunisten oder Aliens regiert werden. Die Gesinnung kann man schneller wechseln als die Unterhose.
Bevor man so einen Unsinn schreibt, sollte sich mit der Geschichte Deutschlands informieren. Es gab genügend "Bürger-/Religions- wie Brüderkriege".
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