Ägypten Muslimbrüder protestieren vor Auftakt von Mursi-Prozess 

Der bevorstehende Prozess gegen Ägyptens gestürzten Präsidenten Mursi treibt wieder Hunderte Muslimbrüder auf die Straße. Bei Zusammenstößen von Mursi-Anhängern und Gegendemonstranten wurden sieben Menschen verletzt. Ein Ende der Proteste ist nicht in Sicht.

Pro-Mursi-Demonstration: 22 Anhängerinnen der Muslimbruderschaft in Haft
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Pro-Mursi-Demonstration: 22 Anhängerinnen der Muslimbruderschaft in Haft


Kairo - Vor dem Prozess gegen Ägyptens Ex-Präsidenten Mohammed Mursi wachsen die Spannungen zwischen Islamisten und der Militärführung. In der Hauptstadt Kairo demonstrierten in den Rand- und Außenbezirken Giza, Maadi, Nasr City und Helwan jeweils mehrere hundert Anhänger der Muslimbruderschaft.

Bei Krawallen in Alexandria zwischen Anhängern und Gegnern Mursis wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen sieben Menschen verletzt. Ein Dutzend Islamisten sei festgenommen worden. Unter dem Motto "Prozess des Volkswillens" protestierten sie gegen das am Montag beginnende Strafverfahren gegen Mursi und 14 Spitzenfunktionäre der islamistischen Organisation.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Anstiftung zur Tötung von Demonstranten vor. An den Kundgebungen am Freitag nahmen viele Frauen und Kinder teil. Für den kommenden Montag rief die Muslimbruderschaft ihre Anhänger zu Massenprotesten unter dem Motto "Standhaftigkeit des Präsidenten" auf. Die Islamisten weigern sich, den Sturz des gewählten Mursi durch das Militär im Juli dieses Jahres anzuerkennen.

Einen Tag vor Beginn des Prozesses am Montag will US-Außenminister John Kerry Ägypten besuchen - zum ersten Mal seit dem Sturz des gewählten Präsidenten Anfang Juli. Hunderte Demonstranten folgten dem Aufruf von Islamisten, jeden Tag gegen den Prozess gegen Mursi zu demonstrieren.

22 junge Mursi-Unterstützerinnen festgenommen

Auch für Montag haben die Muslimbrüder zu Kundgebungen vor einem Polizeigebäude in der Nähe des berüchtigten Tora-Gefängnisses aufgerufen, wo der Prozess vermutlich stattfinden wird. Mursi wird seit seinem Sturz an einem nicht bekannten Ort gefangengehalten.

Bereits am Donnerstag nahmen Sicherheitskräfte 22 Anhängerinnen der Muslimbruderschaft fest. Den Frauen werde vorgeworfen, während Protesten mit Gewalt den Straßenverkehr gestört zu haben, sagte Nasser al-Abd, ein führendes Mitglied der Sicherheitskräfte in Alexandria. Sie hätten Flugblätter verteilt und gehörten einer verbotenen Gruppe an. Ein Anwalt der Frauen sagte, diese seien zwischen 15 und 25 Jahre alt.

Abd wies Vorwürfe von Angehörigen zurück, die Frauen seien misshandelt worden. "Wir behandeln sie mit dem größten Respekt, wie unsere eigenen Kinder", sagte er. "Wir haben auch erlaubt, dass ihre Eltern sie besuchen." Seit Mursis Sturz durch das Militär am 3. Juli haben Sicherheitskräfte Tausende Islamisten verhaftet. Frauen waren allerdings selten darunter.

Hunderte Muslimbrüder wurden seither getötet, ihre Anführer sitzen hinter Gittern. Das nährt die Sorge, dass sich Islamisten mit Waffengewalt gegen die Führung erheben könnten. Auch die USA haben sich besorgt geäußert und die ägyptische Führung mehrfach gedrängt, die Demokratie wiederherzustellen und sich nachgiebiger gegenüber den Muslimbrüdern zu zeigen.

ade/Reuters/dpa

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