Ägypten Opposition setzt Mursi Ultimatum für Rücktritt

"Verschwinde" - rufen die Gegner von Ägyptens Präsident Mursi. Nach den Massenprotesten am Wochenende setzt die Opposition dem Staatschef eine Frist: Er soll bis Dienstagabend weichen. Sonst beginne eine Kampagne umfassenden zivilen Widerstands.
Demonstranten in Kairo: "Kampagne des vollständigen zivilen Ungehorsams"

Demonstranten in Kairo: "Kampagne des vollständigen zivilen Ungehorsams"

Foto: Khalil Hamra/ AP/dpa

Kairo - Die ägyptische Opposition hat Präsident Mohammed Mursi ein Ultimatum für seinen Rücktritt gesetzt. Der Staatschef habe bis 17 Uhr Dienstag "Zeit, die Macht abzugeben und es den Behörden zu ermöglichen, eine vorgezogene Präsidentschaftswahl zu organisieren", teilte das Bündnis Tamarod (Rebellion) am Montag auf seiner Internetseite mit. Sollte der Staatschef der Aufforderung nicht nachkommen, werde es "eine Kampagne des vollständigen zivilen Ungehorsams" geben.

Ein Jahr nach Mursis Amtsantritt ist Ägypten tief gespalten: Die Unterstützer des Staatschefs verweisen darauf, dass Mursi der erste demokratisch gewählte Präsident Ägyptens ist. Seine Gegner werfen ihm vor, allein die Interessen der islamistischen Muslimbruderschaft zu vertreten, aus der er hervorging.

Das Bündnis Tamarod sammelte nach eigenen Angaben bereits rund 22 Millionen Unterschriften, die den Rücktritt von Mursi fordern. Bei der Präsidentschaftswahl hatten 13,2 Millionen Ägypter für ihn gestimmt.

"Verschwinde!"

Am Sonntag waren landesweit Hunderttausende Mursi-Gegner auf die Straße gegangen und hatten dessen Rücktritt verlangt. Allein auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich mehr als eine halbe Million Menschen. Sie riefen "Verschwinde!". Sie zeigten dem Präsidenten die Rote Karte. Viele harrten auch die Nacht über dort aus.

Zu Massendemonstrationen kam es auch in Alexandria, im Nildelta und in weiteren Städten des Landes. Bei den Protesten kam es zu Gewalt. Mindestens sieben Menschen seien getötet worden, mehr als 600 Menschen verletzt worden, berichtete "al-Ahram". Die Zeitung berief sich auf das Gesundheitsministerium.

In Kairo attackierten Regierungsgegner mit Molotow-Cocktails und Steinen die Zentrale der ägyptischen Muslimbruderschaft. Sie setzten das Gebäude in Teilen in Brand und lieferten sich Schießereien mit dem Wachpersonal.

Mursi war am Sonntag ein Jahr im Amt. Die Opposition rief ihre Anhänger auf, bis zum Rücktritt Mursis auf den Straßen zu bleiben. In einer am Sonntagabend veröffentlichten Erklärung mit dem Titel "Revolutionserklärung 1" hieß es, "alle revolutionären Kräfte und alle Bürger" sollten ihren friedlichen Protest fortsetzen, "bis der letzte dieses diktatorischen Regimes fällt".

heb/AFP
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