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02. Mai 2016, 09:40 Uhr

Ägypten

Polizei nimmt zwei Journalisten fest

Ägypten setzt seinen harten Kurs gegen Regimekritiker fort. Zwei weitere Journalisten sitzen in Haft. Ihnen wird laut Medienberichten Anstachelung zu illegalen Protesten vorgeworfen.

Die ägyptische Polizei ist am Sonntagabend in den Sitz des Journalistenverbands in Kairo eingedrungen und hat zwei Reporter festgenommen. Es sei das erste Mal, dass die Polizei die Zentrale gestürmt habe, sagte der Chef des Verbandes, Jahija Kallasch. Bei den Festgenommenen handele es sich um Amr Badr und Mahmud Sakka. Nach Angaben aus Justizkreisen wird ihnen Anstachelung zu gesetzeswidrigen Protesten vorgeworfen.

Ein anderer Vertreter des Verbandes sprach von über 40 Sicherheitskräften, die das Gebäude gestürmt hätten. Dabei sei ein Wachmann verletzt worden. Das Innenministerium bestätigte die Festnahmen. Allerdings habe es keine Razzia gegeben. Nur vier Beamte hätten das Haus betreten. Die Journalisten seien bereitwillig mitgekommen.

Badr ist Chef der Website yanair.net, die Staatschef Abdel Fattah el-Sisi kritisch gegenübersteht. Sakka ist einer von Badrs Mitarbeitern. Am Freitag hatte Badr auf seiner Facebook-Seite mitgeteilt, dass die Polizei seine und Sakkas Wohnung durchsucht habe.

Sakka hatte im April auf Facebook angekündigt, sich den Protesten gegen die Abtretung von zwei strategisch wichtigen Inseln an Saudi-Arabien anzuschließen. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International waren wegen der Demonstrationen im vergangenen Monat Hunderte Menschen festgenommen worden.

Die Proteste hatten sich an der Frage der beiden Inseln Tiran und Sanafir im Roten Meer entzündet. Sie wendeten sich dann aber gegen el-Sisi und seine Politik der harten Hand. Es waren die größten Proteste gegen die ägyptische Regierung seit rund zwei Jahren.

kev/AFP/Reuters

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