Ägypten Mursi ernennt Islamisten als Gouverneure

Umstrittene Vereidigung in Ägypten: Fast die Hälfte der 17 neuen Gouverneure von Präsident Mursi sind Islamisten, darunter ein Mitglied einer ehemaligen Terrorgruppe. Kritiker fürchten eine vollständige Machtübernahme der Muslimbrüder - und negative Folgen für den Tourismus.
Präsident Mohammed Mursi: Personalentscheidung sorgt für Kritik

Präsident Mohammed Mursi: Personalentscheidung sorgt für Kritik

Foto: REUTERS/ Egyptian Presidency

Luxor/Kairo - Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat am Montag sieben Muslimbrüder und ein Mitglied der ehemaligen Terrorgruppe Gamaa Islamija zu Provinzgouverneuren gemacht. Liberale Ägypter reagierten entsetzt auf diesen "weiteren Schritt hin zu einer vollständigen Machtübernahme durch die Islamisten". Lokale Fernsehstationen übertrugen die Vereidigungszeremonie von insgesamt 17 Gouverneuren aus dem Präsidentenpalast in Kairo.

Vor allem die Entscheidung in der südlichen Tempelstadt Luxor sorgte für Kritik. Dort ernannte Mursi den 52-jährigen Adel Asaad al-Chajat, der ein führendes Mitglied der ehemals verbotenen Gamaa Islamija ist. Zwar hat die Gruppe inzwischen offiziell der Gewalt abgeschworen. Doch in den neunziger Jahren war sie verantwortlich für zahlreiche Angriffe auf Touristen und gilt als Drahtzieherin des Massakers im Hatschepsut-Tempel, bei dem 62 Menschen getötet wurden.

Liberale Parteien und Unternehmer kündigten deshalb an, sie wollten Chajat am Dienstag den Zugang zum Gouverneursgebäude verwehren. Gleichzeitig forderten sie, den bisherigen Gouverneur Essat Saad wieder in sein Amt einzusetzen. Bereits am Montag demonstrierten Dutzende vor dem Gouverneursbüro mit Schildern wie: "Nein zum Terroristen-Gouverneur!"

Es sei skandalös, ausgerechnet einen radikalen Islamisten für eine wichtige Tourismusstadt wie Luxor zu bestimmen, sagte Mohammed Othman, Vizepräsident der Kammer der lokalen Tourismusunternehmer. "Es ist, als ob die Mursi-Regierung ihre Hand nach Extremisten ausstreckt", sagte der Historiker Khaled Fahmy von der American University in Kairo. Er befürchtet, dass die Stimmung vor Mursis einjährigem Amtsjubiläum als Präsident am 30. Juni sich weiter aufheizen könnte.

Der bekannte ägyptische TV-Satiriker Bassem Jussif kommentierte die Personalentscheidung süffisant: "Oh, der neue Gouverneur von Luxor gehört zur Gamaa Islamija, dann sollten wir die Götzenbilder schnell von dort wegbringen." Denn für einige Angehörige radikalislamistischer Gruppen sind die Darstellungen von Göttern des Alten Ägyptens "heidnische Kunstwerke", die es zu zerstören gilt. Chajat selbst wurde von einer ägyptischen Zeitung mit den Worten zitiert, er heiße "alle Arten von Tourismus" willkommen.

Seit dem Sturz von Präsident Husni Mubarak 2011 hat es an einigen archäologischen Stätten zwar Fälle von Plünderung gegeben, bisher jedoch keine mutwillige Zerstörung. In der Oasenstadt Fajum demonstrierten laut lokalen Medien am Montag Gegner der Muslimbruderschaft gegen die Ernennung. Am Vortag waren bei Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern der regierenden Islamisten in Fajum 110 Menschen verletzt worden.

tob/dpa/Reuters