Ägypten Regierung will subventioniertes Brot rationieren

Brot ist in Ägypten billiger als Viehfutter - dank staatlicher Subventionen. Doch die sollen nun gekürzt werden. Künftig soll jeder Bürger nur eine begrenzte Menge so günstig kaufen dürfen. Das hat sich bisher noch kein Machthaber getraut.

Brottransport in Kairo: weniger als ein Cent pro Stück
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Brottransport in Kairo: weniger als ein Cent pro Stück


Kairo - Brot ist in Ägypten ein Grundnahrungsmittel der Armen. Es ist billig und massenhaft auf dem Markt ist. Doch das soll sich ändern. Die ägyptische Regierung hat eine Rationierung des staatlich subventionierten Lebensmittels angekündigt. Jedem Bürger soll nur noch eine festgelegte Menge billiges Brot zustehen.

Mit der Kürzung werde in zwei Monaten begonnen, sagte Versorgungsminister Bassem Uda am Dienstag der staatlichen Nachrichtenagentur Mena. In Port Fuad und Port Said sei eine Probephase mit elektronischen Lebensmittelkarten geplant. Bei welcher Menge Brot die Grenze liegen soll, wurde nicht bekannt. Gegenwärtig stehen jedem Ägypter drei Laibe pro Tag für einen Preis von je weniger als einem Euro-Cent zu. In der Praxis gibt es keine Grenze. Einige Bauern verfüttern Brot, weil es billiger ist als das nicht subventionierte Tierfutter.

Ägypten ist nach zwei Jahren politischer Unruhen finanziell stark unter Druck. Eine Kürzung der Subventionen - die ein Viertel des Staatshaushaltes ausmachen - gilt als wichtig, um einen Kredit des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 4,8 Milliarden Dollar zu erhalten. Den Ankündigungen zufolge soll es künftig auch Beschränkungen für subventioniertes Gas für Kochgeräte und für Motoröl geben.

Brotpreise sind in Ägypten ein politisch sensibles Thema. Eine Rationierung führte 1977 zu Unruhen und auch 2008 kam es unter dem damaligen Präsidenten Husni Mubarak zu Protesten.

Unzufriedenheit über die wirtschaftliche Lage gehörte zu den wichtigsten Triebfedern des Arabischen Frühlings, der viele Staatschefs wie Mubarak aus dem Amt fegte. "Bislang hat jeder ägyptische Machthaber aus Angst vor sozialen Unruhen auf eine Kürzung der Subventionen verzichtet", sagte der Analyst Elijah Sarwan. "Es ist klar, dass das Subventionssystem krank ist, dass die Wirtschaft krank ist. Aber in diesem Fall könnte das Heilmittel so schmerzhaft sein wie die Krankheit."

ler/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
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Afrojüdischer_Sozi-Sinti 19.03.2013
1. nun,
Was soll man auch mehr Brot kaufen als man essen kann, nur weil es billig ist?
abraxas63 19.03.2013
2.
Zitat von Afrojüdischer_Sozi-SintiWas soll man auch mehr Brot kaufen als man essen kann, nur weil es billig ist?
...und dann gibt es ja auch noch den Kuchen...
edmond_d._berggraf-christ 19.03.2013
3. Ob sich die Eiferer wohl an der Herrschaft über Ägypten verheben werden?
Es ist immer eine gefährliche Sache, wenn man eine Regierung stürzt indem man sich dabei der Unzufriedenheit des Volkes mit dieser bedient, denn wenn man sich hierbei nicht auf eine eigene bewaffnete Macht stützen kann, so wendet sich die Volkswut leicht gegen die neuen Herrscher; und dies umso mehr, wenn es diesen nicht gelingt die Ursachen des Grolls gegen die alte Regierung zu beseitigen. In Ägypten waren dies aber nicht so sehr die Willkür und Bestechlichkeit der Regierung wie die wirtschaftliche Not und daher schwebt das Dichterwort Lucans nun als Damoklesschwert über den neuen Herrschern: "Furcht kauft ab der Gewaltige, nährend träges Volk. Denn alles ja wagt ein hungriges Volk." Außer freilich die Glaubeneiferer errichten nun eine religiöse Schreckensherrschaft und zerstören jedwede grundsätzliche Opposition gegen sich; und anders als in Persien haben die Eiferer in Ägypten keinen Heilbringer dem sie auf Erden folgen und daher auch nicht so leicht enttäuscht werden können.
petrasha 19.03.2013
4. arabische revolution....
das wurde einst gefeiert. - von mir nie! - man sieht nun, was diese länder nun haben. zwar keinen diktator mehr, aber ansonsten nur chaos, wohin man schaut.
seneca55 19.03.2013
5. Ägypten ist der größte Weizenimporteur der Welt
- über 7 Millionen Tonnen Weizen müssen p.a. z.Z importiert werden - Seitdem der Frieden von Camp-David in Kairo in 1978 ratifiziert wurde, bekommt Ägypten aus den USA 1 Mrd. USD für die Brotpreissubvention. Jetzt sind aber die Muslimbrüder mit Mursi oben dran und müssen erstmal diszipliniert werden. Kleine Moslems im Halben-Dutzend machen, alleine, genügt eben nicht. Die Revolution in Frankreich brach u.a. auch wegen der Preise für Brot in 1789 aus und der Kommentar der Herrschenden wäre analog: "Wenn das Brot zu teuer wird, dann sollen sie eben Baklawa essen!" Das hat die Herrschenden aber einen Kopf kürzer damals werden lassen. Als Ami würde ich jetzt nicht mehr nach Ägypten reisen, wenn mir der Kopf lieb ist.
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