Exekution in Kairo Ägypten richtet sechs angebliche Dschihadisten hin

Ägypten hat sechs Männer hingerichtet - sie sollen Terroristen gewesen sein. Doch Menschenrechtler haben den Prozess vor einem Militärgericht kritisiert: Mehrere Verurteilte sollen zum Zeitpunkt der ihnen angelasteten Taten längst in Haft gewesen sein.

Die ägyptische Justiz hat sechs Männer hingerichtet, die für Anschläge auf Sicherheitskräfte in Kairo und Umgebung verantwortlich gewesen sein sollen. Die angeblichen Dschihadisten sind am Sonntag in einem Gefängnis in der ägyptischen Hauptstadt gehängt worden.

Ein geheimes Militärgericht hatte die Verdächtigen verurteilt, weil sie bei zwei Anschlägen insgesamt neun Soldaten getötet haben sollen. Sie sollen Mitglieder der mit dem "Islamischen Staat" (IS) verbündeten Terrorgruppe Ansar Beit al-Maqdis gewesen sein.

Doch Menschenrechtsorganisationen und die Familien der Männer erhoben schwere Vorwürfe gegen die ägyptische Justiz: So sollen mindestens zwei der Verurteilten zum Zeitpunkt der Anschläge bereits in Haft gesessen haben. Die Polizei habe den Zeitpunkt der Festnahmen nachträglich manipuliert. Die Geständnisse, die sie vor dem Prozess abgelegt hatten, seien ihnen unter Folter abgepresst worden. Einer der Männer schilderte seiner Familie, dass er unter anderem mit Elektroschocks gequält wurde. Amnesty International kritisierte, dass der einzige Zeuge vor dem Militärtribunal ein Offizier der Geheimpolizei gewesen sei.

Seit dem Militärputsch im Sommer 2013 haben ägyptische Gerichte Hunderte angebliche und tatsächliche Islamisten zum Tode verurteilt. Erst am Samstag ordnete ein Richter die Hinrichtung des gestürzten Präsidenten Mohamed Morsi an.

Im Video: Ex-Präsident Morsi zum Tode verurteilt

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Bislang sind jedoch erst sieben Todesurteile vollstreckt worden: Im März wurde ein Mann gehängt, der in Alexandria Gegner der Muslimbrüder von einem Hausdach gestoßen haben soll. Nun folgten am Sonntag die Hinrichtungen zwei bis sieben.

syd
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