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02. Juni 2014, 19:31 Uhr

Ägyptische Satire-Show

TV-Star Youssef gibt aus Angst um seine Sicherheit auf

Er legte sich mit Mubarak, den Muslimbrüdern und Präsident Sisi an: Bassem Youssef wurde in Ägypten zum TV-Star. Doch jetzt stellt er seine Satiresendung ein - denn: Er fühle sich bedroht.

Kairo - Ob Ex-Präsident Mubarak, Muslimbruder Mursi oder General Sisi: Der ägyptische Satiriker Bassem Youssef hat sich stets mit den Mächtigen in Ägypten angelegt, doch nun hält er dem Druck nicht mehr stand: Der TV-Star zieht sich aus Angst um seine Sicherheit aus dem Showgeschäft zurück. Das gab der beliebte Entertainer am Montag bei einer Pressekonferenz in Kairo bekannt. "Ich bin müde und fühle mich in meiner persönlichen Sicherheit bedroht", zitierte ihn die Zeitung "Al-Shorouk".

Die wöchentliche Sendung Youssefs mit dem Titel "El Barnameg" ("Das Programm") war Mitte April von dem saudischen Sender MBC abgesetzt worden. Zunächst war von einer vorübergehenden Pause die Rede. Laut Youssef steht der Sender unter größerem Druck.

Der Satiriker hatte sich zuvor über die "ach so spannende" Präsidentenwahl lustig gemacht. Aus der Abstimmung Ende Mai war wie erwartet Ex-Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi als Sieger hervorgegangen.

Der Herzchirurg Youssef hat seine Showkarriere während der Proteste gegen Präsident Husni Mubarak 2011 auf YouTube begonnen und war dann schnell zum Fernsehstar aufgestiegen. In Anlehnung an den für die "Daily Show" berühmten US-Komiker wird Youssef auch als "ägyptischer Jon Stewart" bezeichnet.

Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursidurch das Militär im Sommer 2013 musste er immer wieder pausieren, im vergangenen November stoppte der Sender CBC seine Show wenige Minuten vor der geplanten Ausstrahlung.

Im Februar startete er dann sein Comeback bei MBC. Die Rechte für die Zweitausstrahlung der Show hatte sich das arabische Programm der Deutschen Welle gesichert.

Die Zeitung "Al-Shorouk" berichtete, Youssef habe nun Angebote aus dem Ausland abgelehnt, seine Show fortzusetzen.

sun/dpa/Reuters

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