Ägyptische Satire-Show TV-Star Youssef gibt aus Angst um seine Sicherheit auf

Er legte sich mit Mubarak, den Muslimbrüdern und Präsident Sisi an: Bassem Youssef wurde in Ägypten zum TV-Star. Doch jetzt stellt er seine Satiresendung ein - denn: Er fühle sich bedroht.

Bassem Youssef: "Ich bin müde und fühle mich in meiner persönlichen Sicherheit bedroht"
AP/dpa

Bassem Youssef: "Ich bin müde und fühle mich in meiner persönlichen Sicherheit bedroht"


Kairo - Ob Ex-Präsident Mubarak, Muslimbruder Mursi oder General Sisi: Der ägyptische Satiriker Bassem Youssef hat sich stets mit den Mächtigen in Ägypten angelegt, doch nun hält er dem Druck nicht mehr stand: Der TV-Star zieht sich aus Angst um seine Sicherheit aus dem Showgeschäft zurück. Das gab der beliebte Entertainer am Montag bei einer Pressekonferenz in Kairo bekannt. "Ich bin müde und fühle mich in meiner persönlichen Sicherheit bedroht", zitierte ihn die Zeitung "Al-Shorouk".

Die wöchentliche Sendung Youssefs mit dem Titel "El Barnameg" ("Das Programm") war Mitte April von dem saudischen Sender MBC abgesetzt worden. Zunächst war von einer vorübergehenden Pause die Rede. Laut Youssef steht der Sender unter größerem Druck.

Der Satiriker hatte sich zuvor über die "ach so spannende" Präsidentenwahl lustig gemacht. Aus der Abstimmung Ende Mai war wie erwartet Ex-Militärchef Abd al-Fattah al-Sisi als Sieger hervorgegangen.

Der Herzchirurg Youssef hat seine Showkarriere während der Proteste gegen Präsident Husni Mubarak 2011 auf YouTube begonnen und war dann schnell zum Fernsehstar aufgestiegen. In Anlehnung an den für die "Daily Show" berühmten US-Komiker wird Youssef auch als "ägyptischer Jon Stewart" bezeichnet.

Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursidurch das Militär im Sommer 2013 musste er immer wieder pausieren, im vergangenen November stoppte der Sender CBC seine Show wenige Minuten vor der geplanten Ausstrahlung.

Im Februar startete er dann sein Comeback bei MBC. Die Rechte für die Zweitausstrahlung der Show hatte sich das arabische Programm der Deutschen Welle gesichert.

Die Zeitung "Al-Shorouk" berichtete, Youssef habe nun Angebote aus dem Ausland abgelehnt, seine Show fortzusetzen.

sun/dpa/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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WhereIsMyMoney 02.06.2014
1.
Was zeigt dass die Sisi-Herrschaft schlimmer als Morsi ist. Nur wird weniger darüber berichtet. Es ist auf jeden Fall sehr schade, denn diese direkte Art des politischen Humors zeigt Wirkung. Ich bin immer noch überzeugt dass die HeuteShow einer der Hauptgründe für den Untergang der FDP ist. Und die HeuteShow und was Youssef da macht, ist ja von Jon Stewarts DailyShow übernommen. Eines der meistgeschauten Videos ist Jon Stewarts Auftritt bei Youssef: http://www.youtube.com/watch?v=kEO2Rd3sJbA
Tron2002 02.06.2014
2.
Tja, unter Mursi konnte er noch senden, man konnte im Grunde alle demokratischen Freiheiten geniessen. Im Fascho-Ägypten unter Militärherrschaft nach der Konterevolution ist das nichtmehr möglich, genausowenig wie das vorher möglich war. Aber Hauptsache ein konservativer Moslem ist nichtmehr an der Macht, dann heiligt der Zweck alle Mittel wie grade erst wieder der Persilschein-Bericht der EU-Beobachter zur Wahl zeigt. Erbärmlich und nur von kurzfristiger Dauer. Ägypten ist pleite und wird momentan nur von Saudi-Arabien am Leben erhalten. Das kann sich auch nicht ändern wenn die Elite korrupt ist, das Volk aussaugt und man das nicht durch Rohstoff-Reichtum ausgleichen kann wie in Katar etc. Wenn die Saudis irgendwann keinen Lust mehr haben den ägyptischen Haushalt zu stemmen bricht dort alles zusammen.
rotertraktor 02.06.2014
3. Hier auch, nur eleganter
In Ägypten mag es weit brachialer zugehen, aber auch hierzulande wird - meist unbemerkt von der Öffentlichkeit (zumindest der SpOn-Leserschaft) - versucht allzu kritischen Kabarettisten den Mund zu stopfen: ---Zitat--- http://www.heise.de/tp/artikel/41/41841/1.html Herausgeber der ZEIT beschwert sich beim ZDF - Satire-Sendung "Die Anstalt" erhält Unterlassungserklärungen Josef Joffe, Herausgeber der ZEIT, beschwerte sich beim Chefredakteur des ZDF, Peter Frey über angeblich falsche Darstellungen in der Satire-Sendung. Die "Anstalts"-Redaktion durfte sich mit Unterlassungserklärungen auseinandersetzen, die ihr der Herausgeber und ein Redakteur der liberalen Zeitung haben zukommen lassen... Dass die Vertreter einer liberalen Zeitung gleich mit schweren Geschützen gegen zwei politische Kabarettisten auffahren, die bei ihrer satirischen und beispielhaften Darstellung nicht den Maßstab verwendet haben, der an einen "Monitor"-Beitrag angelegt wird, lässt tief blicken. ---Zitatende---
Demokrator2007 03.06.2014
4. Den Teufel mit dem Beezlebub ausgekehrt
Zitat von WhereIsMyMoneyWas zeigt dass die Sisi-Herrschaft schlimmer als Morsi ist. Nur wird weniger darüber berichtet. Es ist auf jeden Fall sehr schade, denn diese direkte Art des politischen Humors zeigt Wirkung. Ich bin immer noch überzeugt dass die HeuteShow einer der Hauptgründe für den Untergang der FDP ist. Und die HeuteShow und was Youssef da macht, ist ja von Jon Stewarts DailyShow übernommen. Eines der meistgeschauten Videos ist Jon Stewarts Auftritt bei Youssef: http://www.youtube.com/watch?v=kEO2Rd3sJbA
Ich bin überzeugt davon, das es immer mehr Leute gibt, die irgendwelchen konstruierten Schwachsinn mit Realität vermischen um daraus ihre eigene Lebensrealität zu konstruieren, wahlweise sind Illuminaten, Außerirdische oder Bilderberg Konferenzen an irgendwas schuld. Darüber wurde auch schon bei SpON geschrieben, leider finde ich den Artikel nicht mehr. Der Unterschied zw. Mubarak, Mursi und Sisi scheint nur darin zu liegen, welchen Wertmaßstäben sie jeweils folgen, Vetternwirtschaft,Islamismus oder militärischer Gewalt, Sch... ist das alles, aber offensichtlich brauchen Menschen Götter und Götzen die sie anbeten oder folgen. Ciao DerDemokrator
vwl_marlene 03.06.2014
5.
Zitat von Tron2002Tja, unter Mursi konnte er noch senden, man konnte im Grunde alle demokratischen Freiheiten geniessen. Im Fascho-Ägypten unter Militärherrschaft nach der Konterevolution ist das nichtmehr möglich, genausowenig wie das vorher möglich war. Aber Hauptsache ein konservativer Moslem ist nichtmehr an der Macht, dann heiligt der Zweck alle Mittel wie grade erst wieder der Persilschein-Bericht der EU-Beobachter zur Wahl zeigt. Erbärmlich und nur von kurzfristiger Dauer. Ägypten ist pleite und wird momentan nur von Saudi-Arabien am Leben erhalten. Das kann sich auch nicht ändern wenn die Elite korrupt ist, das Volk aussaugt und man das nicht durch Rohstoff-Reichtum ausgleichen kann wie in Katar etc. Wenn die Saudis irgendwann keinen Lust mehr haben den ägyptischen Haushalt zu stemmen bricht dort alles zusammen.
Unter Praesident Mursi wurde er verhaftet, wegen Praesidentenbeleidigung und Beleidigung des Islam. Beides schwere Anschuldigungen. Der SPON Artikel sagt nicht, von welcher Seite Youssef angegriffen wird.
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