Islamfeindlicher Film Ägypten sperrt YouTube für einen Monat

In Ägypten soll die Internetplattform YouTube wegen islamfeindlicher Inhalte einen Monat lang gesperrt werden. Das hat ein Gericht in Kairo entschieden. Grund ist unter anderem der Schmähfilm "Die Unschuld der Muslime".

Antiamerikanischer Protest in Kairo (September 2012): Richter bremsen YouTube aus
DPA

Antiamerikanischer Protest in Kairo (September 2012): Richter bremsen YouTube aus


Kairo - Ein Verwaltungsgericht in der Hauptstadt Kairo hat die Regierung aufgefordert, den Zugang zur Internetplattform YouTube einen Monat lang zu sperren, weil einige Inhalte den Islam beleidigten. Zur Begründung verwiesen die Richter unter anderem auf den islamfeindlichen Schmähfilm "Die Unschuld der Muslime", der den Propheten Mohammed als Frauenheld, Homosexuellen und Päderasten verunglimpft.

Der Film war im Sommer 2011 in der Nähe von Los Angeles gedreht worden. Im vergangenen Sommer wurden im Internet Ausschnitte veröffentlicht. Dies löste massive Proteste in der islamischen Welt aus - auch in Ägypten -, denen mehr als 30 Menschen zum Opfer fielen. Im November hatte ein Gericht in Kairo sieben Christen in Abwesenheit zum Tode verurteilt, die an der Herstellung und dem Vertrieb des Films beteiligt waren.

Ein ägyptischer Anwalt hatte nun gegen den damaligen Beschluss der Regierung geklagt, den Zugang zu YouTube dennoch nicht zu sperren. Das nun verhängte Verbot soll auch für andere Internetseiten gelten, die den Film veröffentlicht haben. Das Gericht folgte der Argumentation des Anwalts, der Zweck des Films sei, das Bild des Propheten zu verzerren und einen Krieg gegen den Islam zu provozieren.

Ein Toter bei Ausschreitungen am Freitag

Auf YouTube ist das Video mit dem Hinweis versehen, dass der Inhalt von der Community als potentiell beleidigend oder unangemessen eingestuft wurde. Die Internetplattform hat inzwischen in mehreren Staaten, darunter Saudi-Arabien, Indonesien, Libyen und auch Ägypten, den Zugang zu dem Film erschwert. Der Produzent des Films wurde in den USA im November zu zwölf Monaten Haft verurteilt, weil er gegen mehrere Bewährungsauflagen verstoßen hatte.

Am Freitag ist bei den jüngsten Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast in Kairo ein Mensch ums Leben gekommen. Wie staatliche Medien am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichteten, wurde der Tote in der Nähe des Amtssitzes von Staatsoberhaupt Mohammed Mursi entdeckt. Die Identität des Opfers war zunächst unklar. Bei den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Gegnern der regierenden Islamisten in Kairo, Alexandria und anderen Städten wurden demnach 216 Menschen verletzt. Am Wochenende blieb die Lage zunächst ruhig.

fdi/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 64 Beiträge
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Blaue Fee 09.02.2013
1. Vom Regen in die Traufe
Und wieder wird die Meinungsfreiheit und -vielfalt weiter eingeschränkt bis man in Ägypten ein zweites Iran oder Saudiarabien hat.
seneca55 09.02.2013
2. 1 Monat Youtube-Sperre für Ägypten?
Das wird viele Anhänger der Friedensreligion freuen und Präsident Mursi helfen, seinen wahren Islam in Ägypten zu verbreiten. Wenn die Wirtschaft aber weiter dem Abgrund zuläuft wird auch bei den Islamisten Heulen und Zähneknirschen sein. Ägypten kann sich bekanntlich nicht selbst ernähren und ist folglich der größte Weizenimporteur der Welt und das dürften wohl die Hühneraugen für die Regierung sein. Wer könnte außer dem Militär und den Moslembrüdern Ägypten regieren ohne dabei eine Situation wie in Syrien herbeizuführen?
simple_spectator 09.02.2013
3. vorsätzliche Uploads
falls es dazu kommt lässt sich durch entsprechende vorsätzliche Uploads der freie Youtube Zugang auf alle Ewigkeit verhindern.
lebenslang 09.02.2013
4. armselige islamisten
Zitat von sysopDPAIn Ägypten soll die Internetplattform Youtube wegen islamfeindlicher Inhalte einen Monat lang gesperrt werden. Das hat ein Gericht in Kairo entschieden. Grund ist unter anderem der Schmähfilm "Die Unschuld der Muslime". http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-sperrt-youtube-wegen-mohammed-film-a-882405.html
wie armeselig sich jedes autoritäre regime von russland über china bis hin zum iran und jetzt auch ägypten meint vor freiheit und kritik schützen zu müssen.
hxk 09.02.2013
5. Schmähfilm? Teil des Machkampfs!
Also ich hätte von einem Nachrichtenmagazin etwas mehr grundsätzliche Unterstützung für Meinungsfreiheit erwartet. Stattdessen wird hier die Sprachregelung der Gegenseite bedenkenlos übernommen. Auch die Aussage der Film sein ein "Grund" für die Sperre ist nicht überzeugend. Angesichts der gegenwärtigen Situation im Land und der Bedeutung von YT würde es mich nicht über raschen, wenn der klagende Anwalt ein Wasserträger der Islamisten ist. Spätestens dann sollte den wahre Grund für das YT-Verbot erkennen.
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