Ägypten Sieben Menschen sterben bei Straßenschlachten in Kairo

Nach den nächtlichen Ausschreitungen in Kairo zeigt sich jetzt das Ausmaß der Gewalt: Sieben Menschen starben, mehr als 250 wurden verletzt. Tausende Mursi-Anhänger hatten Steine geworfen und Barrikaden angezündet. Die Polizei schoss mit Tränengas.

AP

Kairo - Die ägyptische Hauptstadt Kairo hat erneut eine blutige Nacht erlebt. Tausende Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi protestierten bis in die Morgenstunden, sie lieferten sich Straßenschlachten mit Polizisten und Einheimischen. Nach offiziellen Angaben aus dem Gesundheitsministerium starben sieben Menschen, 261 wurden verletzt.

Die Mursi-Anhänger protestierten auf dem Ramses-Platz und blockierten am Montagabend eine wichtige Nilbrücke. Sie zündeten Barrikaden an und warfen Steine auf vorrückende Polizisten - die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Al-Dschasira meldete, viele Menschen seien festgenommen worden. Auf Fernsehbildern sind blutende Demonstranten zu sehen, die von anderen Männern weggetragen werden. Auch mit Einheimischen gab es laut al-Dschasira Zusammenstöße. Nach Angaben von ägyptischen Behörden wurden mehr als 400 Menschen nach den Krawallen festgenommen.

Die Demonstranten in Kairo erklärten, sie würden die Proteste bis zur Freilassung Mursis fortsetzen. Das ägyptische Militär hatte Mursi am 3. Juli, etwa ein Jahr nach dessen Amtsantritt, gestürzt. Auch aus anderen Städten Ägyptens wurden am Montag Pro-Mursi-Kundgebungen gemeldet.

Die neue ägyptische Führung arbeitet derzeit an einem Plan für die Übergangszeit bis hin zu Neuwahlen. Ministerpräsident Hasim al-Beblawi will am Dienstag oder Mittwoch seine vollständige Regierungsmannschaft vorstellen. Die Parlamentswahl hat Übergangspräsident Adli Mansur für Anfang 2014 angekündigt.

US-Diplomat ruft in Kairo zu Versöhnung auf

Bei seinem Besuch in Kairo rief der stellvertretende US-Außenminister William Burns die Akteure in dem tief gespaltenen Land zu Dialog und Gewaltverzicht auf. Der Spitzendiplomat ist der erste hochrangige westliche Regierungsvertreter, der das Land nach dem Umsturz vom 3. Juli besucht. Die USA würden nicht versuchen, Ägypten "irgendein Modell aufzuzwingen", erklärte Burns nach seinen ersten Gesprächen in der ägyptischen Hauptstadt. Washington lege aber Wert auf "gewisse demokratische Prinzipien".

Der US-Nahost-Diplomat will bis Dienstag in Kairo bleiben. Er traf am Montag Verteidigungsminister Abd al-Fattah al-Sisi, der als neuer starker Mann in Kairo gilt, sowie Übergangspräsident Mansur und Regierungschef al-Beblawi. Burns kam allerdings nicht mit Vertretern der Muslimbruderschaft und der Tamarod-Bewegung zusammen, die mit Massendemonstrationen Mursis Sturz in Gang gesetzt hatten.

Die USA verlangen - wie Deutschland - die Freilassung Mursis. Dieser wird seit seiner Entmachtung vom Militär an einem unbekannten Ort und ohne formelle Anklage festgehalten.

Die USA unterstützen Ägypten mit jährlichen Hilfen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar. Davon sind 1,3 Milliarden Dollar für das Militär bestimmt. Diese Zahlungen müssten nach US-Rechtslage eingestellt werden, falls Washington den Umsturz als Militärputsch einstuft. Zu diesem Schritt hat sich die US-Regierung bislang nicht durchgerungen.

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General al-Sisi: Neuer starker Mann am Nil

kgp/dpa/AFP/AP/Reuters

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M. Thomas 16.07.2013
1. Burns
kam nicht nur "nicht mit Muslimbrüdern oder der Tamarod zusammen", sondern hat in Form einer offenen Ablehnung eines solchen Termins in Vertretung für die USA eine schallende Ohrfeige kassiert. Tamarod, und damit die gesamte, "oppositionelle" Bewegung Ägyptens vertraut den USA nicht im geringsten. Viele von ihnen sind davon überzeugt, an die USA verraten und verkauft worden zu sein. "Freunde" haben die USA nur noch beim ägyptischen Militär und dessen Püppchen Mansour und El-Beblawy.
Pinsel 16.07.2013
2. Die Lage bessert sich?!
Zitat von sysopAPNach den nächtlichen Ausschreitungen in Kairo zeigt sich jetzt das Ausmaß der Gewalt: Sieben Menschen starben, mehr als 250 wurden verletzt. Tausende Mursi-Anhänger hatten Steine geworfen und Barrikaden angezündet. Die Polizei schoss mit Tränengas. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-tote-und-verletzte-nach-strassenschlachten-in-kairo-a-911368.html
Eher wenig oder? Die Lage bessert sich offensichtlich?!
Torkemada 16.07.2013
3. Verhasst
Zitat von sysopAPNach den nächtlichen Ausschreitungen in Kairo zeigt sich jetzt das Ausmaß der Gewalt: Sieben Menschen starben, mehr als 250 wurden verletzt. Tausende Mursi-Anhänger hatten Steine geworfen und Barrikaden angezündet. Die Polizei schoss mit Tränengas. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-tote-und-verletzte-nach-strassenschlachten-in-kairo-a-911368.html
Wohl kein Staat auf der Erde dürfte quer durch alle Parteien z.Zt. so verhasst sein wie die USA. Die Islamisten (das die Mehrheit der Ägypter) hassen sie wegen der jahrelangen Unterstützung des Militärs und Mubaraks. Die modernen von den westlichen Medien so geliebten "Twitterrevolutionäre" hassen die USA eben weil sie denen -nicht zu Unrecht- die Machtübernahme der Islamisten ankreiden. ganz besondere Wut erregen dabei die US-Botschafterin in Kairo und Obama. das ist auf vielen Demonstrationsplakaten (natürlich nicht hier) deutlich zu sehen. Man sollte sich immer wieder Obamas kairoer Rede vor Auge halten mit der er den islamistischen revolutionären "Grünes Licht" gab und außerdem an seine extrem tiefe Verbeugung vor dem Saudiherrscher erinnern. Einfach mit der Bildersuche gugeln: Obama bows Saudi. Daher weht der Wind.
huggi 16.07.2013
4. Titel
Zitat von TorkemadaWohl kein Staat auf der Erde dürfte quer durch alle Parteien z.Zt. so verhasst sein wie die USA. Die Islamisten (das die Mehrheit der Ägypter) hassen sie wegen der jahrelangen Unterstützung des Militärs und Mubaraks. Die modernen von den westlichen Medien so geliebten "Twitterrevolutionäre" hassen die USA eben weil sie denen -nicht zu Unrecht- die Machtübernahme der Islamisten ankreiden. ganz besondere Wut erregen dabei die US-Botschafterin in Kairo und Obama. das ist auf vielen Demonstrationsplakaten (natürlich nicht hier) deutlich zu sehen. Man sollte sich immer wieder Obamas kairoer Rede vor Auge halten mit der er den islamistischen revolutionären "Grünes Licht" gab und außerdem an seine extrem tiefe Verbeugung vor dem Saudiherrscher erinnern. Einfach mit der Bildersuche gugeln: Obama bows Saudi. Daher weht der Wind.
... vielleicht sollte den Ägyptern einmal jemand sagn, dass ohne die Weizenlieferungen aus den USA ein Grossteil dieser USA Hasser schon verhungert wäre.
vooka 16.07.2013
5. @huggi
vielleicht sollte man ihnen lieber sagen, , dass es die Ägypter schon seit fast 7000 jahren gibt, also sehr lange bevor es die Amerikaner gab. Im Klartext, sie brauchen die Amis nicht, aber die Amis brauchen die Ägypter. warum dies so ist, , würde den Rahmen sprengen. die Amerikaner machen nichts aber auch wirklich gar nichts ohne Gegenleistung. und wer das nicht weiss, der ist schlicht und einfach naiv.
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