Ägypten Uno prangert Todesurteile gegen 529 Muslimbrüder an

Die Vereinten Nationen sprechen von einem Bruch der Menschenrechte: Im ägyptischen Massenprozess gegen 529 Muslimbrüder hätten die Angeklagten kein faires Verfahren bekommen. Doch in Kairo steht schon das nächste Hundertfach-Urteil an.

Polizeikräfte vor dem Gerichtsgebäude: Nächstes umstrittenes Verfahren läuft
AP

Polizeikräfte vor dem Gerichtsgebäude: Nächstes umstrittenes Verfahren läuft


Genf/Kairo - Nicht nur auf den Straßen Ägyptens sorgt das Urteil für Aufregung. Auch die Vereinten Nationen haben sich zu den Todesurteilen gegen 529 Muslimbrüder positioniert. Das Uno-Kommissariat für Menschenrechte kritisiert den Richterspruch scharf.

Die Entscheidungen seien ein Bruch der Menschenrechte, teilte der Sprecher des Uno-Menschenrechtsbüros am Dienstag in Genf mit. Todesurteile müssten den höchsten Standards eines fairen Prozesses genügen. Die Rechte der Angeklagten seien dagegen grob missachtet worden.

Außerdem sei die Todesstrafe für Delikte ausgesprochen worden, die nicht zu den besonders ernsten Verbrechen zählten. Die massenhaften Todesurteile seien beispiellos in der jüngeren Geschichte, so der Sprecher.

Die Urteile waren auch aus Deutschland mit deutlichen Worten kommentiert worden. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nannte sie am Dienstag "äußerst beunruhigend". Die Urteile und Gerichtsverfahren widersprächen "internationalen rechtsstaatlichen Standards und menschenrechtlichen Grundsätzen". Die zuständigen ägyptischen Instanzen müssten das Urteil aufheben und den Angeklagten ein faires Verfahren ermöglichen.

Nächster Massenprozess angelaufen

Wirklich beeindrucken lässt sich Ägyptens Justiz von der internationalen Missbilligung jedoch nicht. Im Gegenteil: Seit Dienstag stehen etwa 700 weitere Anhänger des im Juli gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi vor Gericht. Unter den Angeklagten vor einem Gericht in Minia südlich von Kairo befanden sich ranghohe Vertreter der mittlerweile verbotenen islamistischen Muslimbruderschaft, darunter auch ihr Anführer Mohammed Badie.

Die Angeklagten sollen sich für ihre Teilnahme an gewaltsamen Protesten im Sommer verantworten, bei denen zwei Polizisten getötet worden waren. Die Armee hatte Mursi im Juli entmachtet und später bei der Räumung von zwei Protestcamps der Muslimbrüder Hunderte Anhänger des gestürzten Präsidenten getötet. Mursi steht derzeit selbst vor Gericht.

jok/heb/dpa



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
privat23 25.03.2014
1. Wie praktisch
Zitat von sysopAPDie Vereinten Nationen sprechen von einem Bruch der Menschenrechte: Im ägyptischen Massenprozess gegen 529 Muslimbrüder hätten die Angeklagten kein faires Verfahren bekommen. Doch in Kairo steht schon das nächste Hundertfach-Urteil an. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-uno-prangert-todesurteile-gegen-529-muslimbrueder-an-a-960654.html
Die Menschenrecht, sonst nur lästiges Palaver ohne Wert für Islamisten, könnten jetzt für ihr weiterleben verantwortlich sein. So kanns gehen, wenn man nur mal selber betroffen ist.
attis 25.03.2014
2. Tja, das kommt davon,...
....wenn Islamisten jede Demokratisierung ihren falschen Glaubensvorstellungen unterwerfen. Am besten ist, die Demokratien mischen sich da nicht ein. Mein Mitgefühl haben die Menschen, die ob nun Christen, Moslems oder Atheisten sind, die Demokratie nicht mit ihrem religiösen, nationalem, wirtschaftlichem oder persönlichem Ego verwechseln. Ihnen soll das Mitgefühl und die Erinnerung gelten.
neu_ab 25.03.2014
3.
Wo ist das Problem? Ein Großteil dieser Mörderbande ist doch eh untergetaucht, vermutlich als Asylanten in Deutschland. Kann die UNO sich nicht um wichtigere Dinge kümmern?
EIN WEITERER ANDERER 25.03.2014
4. Alles was wir gelernt haben ist
REVOLUTION-GEGENREVOLUTION-REVOLUTION-GEGENREVOLUTION... DANN VERKAUFT SICH AUCH DER SPIEGEL UND BEHÄLT SEINE DASEINSBERECHTIGUNG.
EIN WEITERER ANDERER 25.03.2014
5. Alles was wir gelernt haben ist
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