Prozess in Kairo Al-Jazeera-Reporter in Ägypten zu langer Haft verurteilt

Das Regime in Ägypten behandelt Journalisten wie Verbrecher. Ein Gericht in Kairo hat drei Reporter des Nachrichtensenders Al Jazeera zu jeweils sieben Jahren Gefängnis verurteilt.
Verurteilte Fahmi, Greste, Mohammed: Sieben Jahre Gefängnis für kritische Journalisten

Verurteilte Fahmi, Greste, Mohammed: Sieben Jahre Gefängnis für kritische Journalisten

Foto: AP/dpa

Kairo - Ägyptens Regime geht hart gegen unliebsame Journalisten vor. Ein Gericht in Kairo hat drei Reporter des Nachrichtensenders Al Jazeera zu jeweils sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Die Richter befanden sie am Montag schuldig, die inzwischen verbotene Muslimbruderschaft unterstützt zu haben.

Bei den Verurteilten handelt es sich um den Australier Peter Greste, seinen ägyptisch-kanadischen Kollegen Mohammed Fadel Fahmi sowie den Ägypter Baher Mohammed. Sie sollen falsche Nachrichten verbreitet und dem Ansehen Ägyptens geschadet haben. Sieben weitere Journalisten, gegen die in dem Prozess in Abwesenheit verhandelt worden war, wurden zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Greste und seine Kollegen wurden im vergangenen Dezember in einem Hotel in Kairo festgenommen. Ägyptens Justiz bezeichnete sie daher als "Mariott"-Zelle. Die Journalisten hatten über die Proteste gegen den Militärputsch in Kairo berichtet. Im Juli 2013 hatte die Armee den frei gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt.

Der Prozess glich einer Farce: Zu den Beweisen, die von der Staatsanwaltschaft vorgelegt wurden, gehörten TV-Beiträge, die entstanden, als keiner der Angeklagten in Ägypten war, ein Bericht über eine Tierklinik in Kairo, eine BBC-Dokumentation über Somalia und ein Musikvideo des belgisch-australischen Sängers Gotye.

Al Jazeera darf seit Monaten nicht mehr aus Ägypten berichten. Der Sender hat seinen Sitz in Katar, dessen Herrscherhaus die Muslimbrüder finanziert und unterstützt hatte.

Angeklagte reagieren entsetzt

Das Urteil kommt nur einen Tag nach einem Besuch von US-Außenminister John Kerry in Kairo. Er hatte zugesagt, dass er sich bei Gesprächen mit Präsident Abd al-Fattah al-Sisi für die Journalisten einsetzen werde. Auch Australiens Premier Tony Abbott hatte die Freilassung seines Landsmannes Peter Greste gefordert - vergebens.

Die Angeklagten reagierten bestürzt auf die Verurteilung: "Sie werden dafür bezahlen", rief Fahmi, der wie alle Angeklagten in einem Käfig im Gerichtssaal gesperrt war. Sein Bruder Adel sagte: "Der Richter hat gerade eine Familie zerstört. Das ganze System ist korrupt." Al Jazeera erklärte, das Urteil widerspreche "Logik, Verstand und jedem Anschein von Gerechtigkeit ".

Mehrere westliche Diplomaten waren bei der Urteilsverkündung anwesend. Der britische Botschafter James Watt äußerte sich "sehr enttäuscht" über die Entscheidung der Richter. "Die Pressefreiheit ist für eine Demokratie unerlässlich." Sein kanadischer Kollege sagte: "Wir verstehen dieses Urteil nicht."

Australiens Außenministerin Julie Bishop sagte, sie seit "tief schockiert und angewidert" von dem Kairoer Urteil. "Peter Greste war einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort."

syd/AP/Reuters
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