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Ägypten Gericht verurteilt mehr als 500 Muslimbrüder zum Tode

Es ist ein Rundumschlag der ägyptischen Justiz: Ein Gericht in al-Minya hat mehr als 500 Anhänger der Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt. Ihnen wird unter anderem Mord vorgeworfen.

Al-Minya - Ein ägyptisches Gericht hat 529 Muslimbrüder verurteilt: Ihnen wird unter anderem Mord vorgeworfen, deswegen sollen sie nun die Todesstrafe erhalten. Das sagte ein Anwalt der Verteidigung. "Das Gericht hat beschlossen, 529 Angeklagte zum Tode zu verurteilen. 16 wurden freigesprochen", sagte der Anwalt Ahmed al-Sharif. Das Urteil kann noch angefochten werden.

Über tausend Muslimbrüder waren beschuldigt worden, im vergangenen August zwei Polizeistationen in Adwa und Matay im Norden Ägyptens gestürmt zu haben. Bei dem Vorfall war der Polizist Mostafa Ragab El-Atar ums Leben gekommen. Vier weitere Beamte wurden verletzt. So zitierte das Nachrichtenportal "Ahram Online"  den Staatsanwalt.

Die Angreifer sollen bei dem Übergriff auch die Waffen der Polizeistation geplündert und Gefangene freigelassen haben. Der Vorfall fand am 14. August statt, dem gleichen Tag, an dem zwei große proislamistische Demonstrationen in Kairo zerschlagen wurden. Bei den Kundgebungen starben Hunderte, Tausende wurden verletzt.

Am vergangenen Dienstag verurteilte ein Gericht einen Polizisten wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft. Gemeinsam mit drei weiteren Beamten soll der Verurteilte Tränengas in ein überhitztes Fahrzeug mit gefangenen Demonstranten gesprüht haben. Dabei starben 37 Menschen. Es war das erste Urteil im Zusammenhang mit den Aufständen in Kairo im vergangenen Sommer.

Der Vorfall war Teil der Polizeiaktionen zur blutigen Niederschlagung der größtenteils friedlichen Dauerproteste der Islamisten in Ägypten. Diese hatten gegen die Absetzung des gewählten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juli 2013 demonstriert. Bei den oft brutalen Einsätzen der Sicherheitskräfte wurden mindestens 1400 Menschen teilweise durch systematische Erschießungen getötet.

vek/Reuters/AFP
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