Präsidentenwahl in Ägypten Ex-Geheimdienstchef darf nicht antreten

Auf Mubarak wird nicht sein Vize folgen: Der umstrittene Ex-Geheimdienstchef Omar Suleiman darf bei der anstehenden Präsidentschaftswahl in Ägypten nicht antreten. Auch ein Muslimbruder ist laut Wahlkommission disqualifiziert.

Suleiman-Unterstützer vor einem Plakat des Mubarak-Vertrauten: Bedingungen nicht erfüllt
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Suleiman-Unterstützer vor einem Plakat des Mubarak-Vertrauten: Bedingungen nicht erfüllt


Kairo - Die ägyptische Wahlkommission hat zehn Kandidaten von der Präsidentschaftswahl im Mai ausgeschlossen. Unter den Disqualifizierten ist auch der Ex-Geheimdienstchef und Mubarak-Vertraute Omar Suleiman. Die Kandidaten erfüllten nicht die Bedingungen, um an der Wahl teilzunehmen, erklärte die Kommission am Samstag. Auch der Kandidat der Muslimbrüder, Chairat al-Schater, und der radikalislamischen Salafist Hasem Abu Ismail können sich demnach nicht mehr der Wahl stellen.

Suleiman galt als Lieblingskandidat der herrschenden Militärrats. Unmittelbar vor dem Rauswurf lag er im Rennen um das Präsidentenamt noch ganz vorne: In einer repräsentativen Umfrage für die unabhängige Kairoer Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" hatten 20,1 Prozent der Befragten für den 75-Jährigen gestimmt. Bei der Opposition ist er hingegen heftig umstritten: Erst am Freitag waren Zehntausende gegen ihn und andere Präsidentschaftsbewerber aus der ehemaligen Mubarak-Regierung auf die Straße gegangen.

Der Ex-Geheimdienstchef war während der Massenproteste im Januar und Februar 2011 kurzzeitig Vizepräsident und wurde als möglicher Nachfolger Mubaraks gehandelt. In der vergangenen Woche gab er dann seine Bewerbung für das Präsidentenamt bekannt. "Euer Aufruf war ein Befehl, und ich bin ein Soldat, der noch nie in seinem Leben einen Befehl verweigert hat", wird Suleiman zu seiner Kandidatur zitiert. Die für die Bewerbung erforderlichen 30.000 Unterschriften sammelte er in nur wenigen Tagen.

Die disqualifizierten Kandidaten können nach Angaben des Vorsitzenden der Wahl-Kommission, Farouk Sultan, innerhalb von 48 Stunden Einspruch gegen die Entscheidung einlegen.

Die erste Präsidentenwahl nach Mubaraks Sturz beginnt am 23. Mai. Nach der Entscheidung vom Samstag können sich noch 13 Kandidaten der Wahl stellen. Seit dem Ende des Mubarak-Regimes im Februar 2011 liegt die Macht beim Obersten Militärrat. Dieser hat angekündigt, die Macht nach der Präsidentschaftswahl an eine Zivilregierung abzugeben.

vks/dpa/Reuters/AFP

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Kemalist86 15.04.2012
1. War die Revolution umsonst ?
Wenn ich mir die aktuellen Berichte aus Ägypten anschaue und dabei sehen muss wie plötzlich dort islamisten anfangen die frauen und nicht-muslime unterdrücken, dann stellt man sich die frage ob all die menschen dort die ihr leben für die revolution opferten völlig umsonst war ? Wenn die Muslim-Brüder an die Macht kommen werden sie die Scharia bringen. Was da die 15% der Bevölkerung (nicht-muslime) bevorsteht kann sich ja jeder ahnen...
mart.n 15.04.2012
2. Wie überraschend
Als wenn irgendjemand was anderes erwartet. BILD Leser vielleicht mal ausgeschlossen. ;) Die tolle Revolution für das "freie" Ägypten wird genau so enden wie in Libyen, Syrien und Co. Die Diktatoren werden gestürzt, die Islamisten kommen an die Macht. Das war schon vorher sonnenklar und wurde nur mit unglaublicher Vehemenz durch die (doch sehr populistische Presse) verleugnet, die neue Schlagzeilen brauchte. Den Leuten in Afrika gehts mies. Bei solch einem Lebensstandard gedeiht keine Demokratie. Das war noch nie so und wird nie so werden. Daran ändern auch die Reden von Kofi nichts.
Ghanima22 15.04.2012
3. Titel
Zitat von Kemalist86Wenn ich mir die aktuellen Berichte aus Ägypten anschaue und dabei sehen muss wie plötzlich dort islamisten anfangen die frauen und nicht-muslime unterdrücken, dann stellt man sich die frage ob all die menschen dort die ihr leben für die revolution opferten völlig umsonst war ? Wenn die Muslim-Brüder an die Macht kommen werden sie die Scharia bringen. Was da die 15% der Bevölkerung (nicht-muslime) bevorsteht kann sich ja jeder ahnen...
Aegypten wird in Chaos und Armut versinken, wen interessiert ob dies mit oder ohne Scharia geschieht?
bluemax32 15.04.2012
4.
Zitat von Kemalist86Wenn ich mir die aktuellen Berichte aus Ägypten anschaue und dabei sehen muss wie plötzlich dort islamisten anfangen die frauen und nicht-muslime unterdrücken, dann stellt man sich die frage ob all die menschen dort die ihr leben für die revolution opferten völlig umsonst war ? Wenn die Muslim-Brüder an die Macht kommen werden sie die Scharia bringen. Was da die 15% der Bevölkerung (nicht-muslime) bevorsteht kann sich ja jeder ahnen...
Na ja, es handelt sich nicht um 15 Prozent, sondern um mehr als 50 Prozent, die betroffen sind, denn dann werden alle Freiheiten, die Frauen bisher im Rahmen einer zumindest "teilweisen" Gleichberechtigung einkassiert. Vielleicht wirds nicht die Burka wie in Afghanistan, aber der Tschador, oder ein anderer Sehschlitz wie im Iran ist dann sehr wahrscheinlich. Ob Mohammed das so gewollt hätte? Aber halt der lebte ja vor mehr als 1000 Jahren. Es ist also besonders wichtig, dass die Vorgaben 1:1 aus dem Koran übernommen werden. Und wie bei der katholischen Kirche auch übernimmt die Indoktrinierung der aktuellen Lehre dem Volk gegenüber ein Prediger. Wenn dass nun ein Hassprediger ist, der die Menschen aufpeitscht, oder wie die Salafisten möglichst eng an der Knute halten will, Pech gehabt. Mohammed würde vielleicht im Grab rotieren. Das ist jetzt aber eine dumme Aussage, da ich jetzt wahrscheinlich mit einer Fatwa belegt werde. Also sollte ich doch eher ruhig sein. Und auf Basis dessen versteht sich auch, dass Facebook und Twitter eine Sünde sind, da dort vielleicht seine Meinung gesagt wird und diese nicht unter der Knute des Muftis gehalten werden kann. Ägypten, mein herzliches Beileid auf dem Weg zurück ins Mittelalter.
LeToubib 15.04.2012
5.
Zitat von Kemalist86Wenn ich mir die aktuellen Berichte aus Ägypten anschaue und dabei sehen muss wie plötzlich dort islamisten anfangen die frauen und nicht-muslime unterdrücken, dann stellt man sich die frage ob all die menschen dort die ihr leben für die revolution opferten völlig umsonst war ? Wenn die Muslim-Brüder an die Macht kommen werden sie die Scharia bringen. Was da die 15% der Bevölkerung (nicht-muslime) bevorsteht kann sich ja jeder ahnen...
Das ist nun einmal die Kehrseite einer Demokratie: Die Mehrheit bestimmt die Politik. Eine Diktatur, die Minderheiten schützt und die Mehrheit unterdrückt, kann es ja wohl auch nicht sein, oder? Und es spricht für das ägyptische Volk, dass Husni Mubarak und sein Clan oder zwielichtige Gesellen wie dieser Omar Suleiman überhaupt noch leben! Sein westlicher Nachbar war da leider etwas "rustikaler". Auch finde ich es durchaus positiv, radikale Islamisten wie Hasem Abu Ismail von der Wahl auszuschliessen. Wäre denn im Deutschland des Jahres 1949 Ernst Kaltenbrunner, so man ihn nicht schon 1946 zurecht gehenkt hätte, zur Wahl zugelassen worden?
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