Schlag gegen Mursi-Anhänger Zwei Tote und hundert Festnahmen in Ägypten

Die Anhänger des gestürzten Ex-Staatspräsidenten Mursi wollten in Ägypten auf die Straße gehen - doch die Regierung ließ hundert Verdächtige vorher festnehmen. Zudem wurden zwei Soldaten erschossen.
Regierungsnahe Demonstranten in Kairo: Hundert politische Gegner festgenommen

Regierungsnahe Demonstranten in Kairo: Hundert politische Gegner festgenommen

Foto: Amr Nabil/ AP/dpa

Kairo - Ägypten bereitete sich gerade auf Kundgebungen gegen die Regierung von Präsident Abd al-Fattah al-Sisi vor, als in dem nordafrikanischen Land zwei Soldaten erschossen wurden. Einer starb, als Unbekannte das Feuer auf eine Patrouille eröffneten, wie das Staatsfernsehen berichtete. Der zweite Soldat wurde demnach durch Schüsse in Al-Kalubija nördlich der Hauptstadt getötet.

Die Regierung hatte zuvor landesweit scharfe Sicherheitsvorkehrungen angeordnet, um für Freitag angekündigte Demonstrationen der fundamentalistischen Dschabat Salafia ("Salafistische Front") zu unterbinden. Dabei nahmen ägyptische Sicherheitskräfte seit Donnerstagabend mehr als hundert Menschen aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft fest. Das Innenministerium begründete die Festnahmen damit, die Verdächtigen hätten "gewalttätige Demonstrationen" organisieren wollen.

15.000 Festnahmen in anderthalb Jahren

Die Proteste sollten nach den Freitagsgebeten starten und sich gegen die Entmachtung des inhaftierten Ex-Präsidenten Mohammed Mursi im Juli 2013 richten. Die vom Militär getragene Staatsführung hat seit dem Sturz Mursis mindestens 15.000 Muslimbrüder und Sympathisanten festnehmen lassen, bei blutigen Auseinandersetzungen wurden mehr als 1400 islamistische Demonstranten getötet.

Die in Ägypten als Terrororganisation eingestufte und verbotene Muslimbruderschaft, zu der Mursi gehört, unterstützte den Protesttag. Im August war auch der politische Ableger der Muslimbruderschaft verboten worden, gegen den inhaftierten Mursi selbst laufen mehrere Gerichtsverfahren - ihm droht die Todesstrafe.

Seit dem Verbot haben sich Teile der Organisation weiter radikalisiert und greifen Polizei und Militär vermehrt mit Terroranschlägen an - vor allem auf der Halbinsel Sinai, der Hochburg der radikalen Islamisten.

mxw/AFP/dpa
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