Terror auf Sinai-Halbinsel Ägyptens Armee startet Rachefeldzug gegen Attentäter

Der Konflikt zwischen Terroristen und der ägyptischen Armee auf der Halbinsel Sinai wird schärfer. Schon wieder haben mutmaßliche Islamisten Sicherheitskräfte attackiert. Die Armee schlägt mit Raketen und Hubschraubern zurück, 20 Menschen sollen getötet worden sein.
Terror auf Sinai-Halbinsel: Ägyptens Armee startet Rachefeldzug gegen Attentäter

Terror auf Sinai-Halbinsel: Ägyptens Armee startet Rachefeldzug gegen Attentäter

Foto: STR 00201005016080/ AP

Arisch - Die Lage auf der Halbinsel Sinai spitzt sich zu: Wieder haben mutmaßliche militante Islamisten ägyptische Sicherheitskräfte beschossen, dieses Mal in Arisch im Norden. Die Streitkräfte verfolgten die Angreifer mit Kampfflugzeugen und schossen Raketen ab, wie ägyptische Medien berichteten. Auch Bodentruppen sollen im Einsatz sein.

Bis zu 20 Menschen sollen dabei in der Grenzregion zu Israel getötet worden sein, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Diese berief sich auf einen nicht namentlich genannten Armee-Kommandanten. Der Soldat sprach von 20 getöteten "Terroristen" im Dorf Tuma. "Wir haben die drei gepanzerten Fahrzeuge der Terroristen zerstört." Die Gefechte in dem Ort dauerten noch an. Dutzende Menschen sollen verletzt worden sein.

Es sei das erste Mal seit dem Krieg gegen Israel 1973 gewesen, dass die ägyptischen Streitkräfte in dem Gebiet Raketen eingesetzt hätten, berichtete die Nachrichtenagentur dapd.

Erst am Sonntag hatten unbekannte Bewaffnete auf der Halbinsel Sinai 16 ägyptische Soldaten in der Nähe des palästinensischen Gaza-Streifens getötet. Anschließend waren mehrere Angreifer mit einem erbeuteten gepanzerten Fahrzeug nach Israel eingedrungen, wo sie vom israelischen Militär getötet wurden. Hinter den Anschlägen werden militante Islamisten vermutet.

Der Vorfall belastete das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Ägypten und Israel weiter. Jerusalem fordert von Kairo, die Grenze zum Gaza-Streifen energischer zu bewachen. Seit dem Sturz des Machthabers Husni Mubarak im vorigen Jahr klagt Israel über zu laxe ägyptische Sicherheitsvorkehrungen.

Beinahe zeitgleiche Attacke

Sicherheitskräfte berichteten, dieses Mal seien mehrere Kontrollpunkte der ägyptischen Armee und Polizei in Arisch beinahe zeitgleich aus vorbeifahrenden Autos beschossen worden. Auch eine von der Armee kontrollierte Fabrik wurde angegriffen. Mindestens ein Zivilist und ein Polizist seien dabei verletzt worden. Dapd meldete sechs Verletzte: ein Offizier, zwei Soldaten, zwei Polizisten und eine Zivilperson.

Nach Berichten von Augenzeugen hatten Bewaffnete in den Geländewagen, von denen die Kennzeichen entfernt worden waren, das Feuer aus automatischen Waffen eröffnet. Die Sicherheitskräfte schossen zurück, woraufhin die Angreifer mit hoher Geschwindigkeit davonfuhren.

USA wollen Terrorabwehr mit Ägypten ausbauen

Der islamistische Staatspräsident Mohammed Mursi blieb am Dienstag dem Staatsbegräbnis der getöteten ägyptischen Soldaten fern - aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Ministerpräsident Hischam Kandil wurde von einem aufgebrachten Mob an der Teilnahme gehindert.

Die USA kündigten eine engere Zusammenarbeit mit Kairo bei der Terrorabwehr an. In einem Telefonat mit dem ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil sicherte Außenministerin Hillary Clinton die Unterstützung der USA zu, die Sicherheitslage zu verbessern. Gewaltsamer Extremismus stelle eine Gefahr für Ägypten, die Nachbarn Ägyptens und auch für Amerikaner dar, sagte Außenamtssprecher Patrick Ventrell. Die USA seien der Sicherheit Israels verpflichtet.

heb/Reuters/dpa/dapd
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