Nach Anschlag auf Christen Ägyptische Luftwaffe greift in Libyen an

Die ägyptische Luftwaffe hat nach eigenen Angaben Terrorcamps im Nachbarland Libyen bombardiert. Der Angriff ist offenbar die Reaktion auf einen Anschlag, bei dem viele koptische Christen getötet wurden.
Ägyptens Präsident Fattah el-Sisi

Ägyptens Präsident Fattah el-Sisi

Foto: HANDOUT/ REUTERS

Nach dem Anschlag auf koptische Christen hat die ägyptische Luftwaffe Ziele im Nachbarland Libyen angegriffen. Gegen Sonnenuntergang seien Camps in der Stadt Derna im Osten des Landes bombardiert worden, hieß es am Freitag aus ägyptischen Militärkreisen.

Ostlibysche Sicherheitskräfte beteiligten sich nach eigenen Angaben an den Angriffen.

Ägyptens Präsident Fatah al-Sisi sagte im Fernsehen, der Anschlag werde nicht ungesühnt bleiben. "Wir greifen derzeit die Camps an, in denen die Terroristen ausgebildet wurden."

Bei dem Anschlag wurden 28 Menschen getötet, darunter viele Kinder. Unter den Verletzten sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums unter anderem zwei Kleinkinder im Alter von zwei Jahren.

Die Gruppe der Gläubigen befand sich auf dem Weg ins Kloster St. Samuel im Süden des Landes. Augenzeugen berichteten, maskierte Männer hätten die zwei Busse und einen Lastwagen gestoppt und das Feuer eröffnet. Dem Innenministerium zufolge benutzen die Angreifer drei Allradfahrzeuge. Bislang hätten die Schützen nicht identifiziert werden können.

Koptische Christen machen rund zehn Prozent der 92 Millionen Ägypter aus. Damit sind sie die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Sie waren in den vergangenen Monaten häufiger Opfer von Attentaten. Etwa 70 kamen seit Dezember durch Bombenanschläge gegen Kirchen in den Städten Kairo, Alexandria und Tanta ums Leben. Allein im April wurden bei Anschlägen auf zwei koptische Kirchen mindestens 44 Menschen getötet. Zu den Taten bekannte sich die Extremistenmiliz "Islamischer Staat".

Den Anschlag am Freitag reklamierte zunächst niemand für sich.

wal/Reuters
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