Ägypten Polizei verhaftet führenden Muslimbruder Irian

Die ägyptische Regierung verschärft ihren Kampf gegen die Muslimbrüder. Mit Issam al-Irian ist nun ein weiteres prominentes Führungsmitglied festgenommen worden. Der islamistische Politiker war im Sommer abgetaucht.


Kairo/Istanbul - Fast die komplette Führungsriege der ägyptischen Muslimbruderschaft ist nun im Gefängnis: In der Nacht zum Mittwoch hat die Polizei auch den prominenten Politiker Issam al-Irian verhaftet.

Er war stellvertretender Chef der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, die von den Muslimbrüdern nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak 2011 gegründet worden war. Der islamistische Politiker war im Sommer abgetaucht, nachdem ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war. Die Partei wurde im September verboten.

Die Regierung wirft der Organisation Anstiftung zu Gewalt und Terrorismus vor. Die Armee hatte am 3. Juli den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi nach Massenprotesten abgesetzt. In den darauffolgenden Wochen kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis. Mehrmals eröffneten die ägyptischen Sicherheitskräfte das Feuer auf die Anhänger Mursis. Dabei wurden Hunderte Menschen getötet.

Den meisten seither verhafteten Mitgliedern der Muslimbruderschaft wirft die Staatsanwaltschaft vor, sie hätten zur Tötung von Andersdenkenden bei Demonstrationen aufgerufen. In der kommenden Woche soll in Kairo ein Prozess gegen Ex-Präsident Mursi beginnen.

In einem weiteren Verfahren - gegen die Führungsriege der Muslimbrüder - haben sich die Richter zurückgezogen. Sie führten "Gewissensgründe" an. Beobachter vermuten Befangenheit.

Ägypten ist gespalten - die Lager stehen sich verfeindet gegenüber. Auch die alte Muslimbrüder-Führung, zu der Irian gerechnet wird, trug in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Polarisierung in Ägypten bei. Im Amt verhielten sie sich weiter wie eine Untergrundorganisation, nicht wie eine Regierungspartei. Ihr rücksichtsloser und undurchsichtiger Stil hat dafür gesorgt, dass viele Ägypter sich empört abwendeten. Gegenüber SPIEGEL ONLINE wollte Irian bei einem Gespräch im Juli Fehler jedoch nicht eingestehen. Allerdings schien er sich bereits darauf eingestellt zu haben, dass es für die Islamisten unter der neuen Militärführung schwierig werden würde. "Die Muslimbruderschaft ist das Leben im Untergrund gewohnt", sagte er dazu.

kgp/dpa/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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maria-egypt 30.10.2013
1. Korrektur: Nicht die Partei...
Sorry, nur zur Korrektur: Nicht die Partei "Freiheit und Gerechtigkeit" wurdeim September verboten, sondern die erst im Maerz 2013 als NGO (Non Governmental Organisation) registrierte "Muslimbruderschaft" (die seit 1952 ja bereits verboten war, dieses Verbot war de jure und de facto nie offiziell aufgehoben worden), deren politischer Arm die obengenannte Partei ist. Inzwischen wird allerdings gerichtlich geprueft, ob die Partei ebenfalls verboten werden soll.
Geraldo Azevedo 30.10.2013
2. Ds wird nicht der letzte gewesen sein
Gerade erst hat der Innenminister Ägyptens, übrigens noch von Mursi ins Amt gebracht, erklärt dass Gewalt gegen die Terroristen, so werden die Muslimbrüder seit Mursis Sturz bezeichnet, gerechtfertigt ist und alle Muslimbrüder inhaftiert werden sollten. Das wären dann so eine Million Menschen. Tatsächlich finden tagtäglich Verhaftungen statt. Der prominente Satiriker Bassam Youssef hat diese Woche in einem Zeitungsartikel die neuen Regierenden als intoleranter als ihre Vorgänger bezeichnet. Die Anklage gegen ihn unter Mursi wegen Beleidigung des Präsidenten, , von übereifrigen Muslimbrüdern angestrengt, hatte Muris zurückziehen lassen. Mal schauen, was aus den vielen Anzeigen passiert, die bereits gegen ihn wegen Beleidigung der Armee erstattet wurden.
Worldwatch 31.10.2013
3. Was abe rnoch mehr interessiert ist die Frage
Was will eigentlich die neue Machtfuehrung in Zukunft machen? Bzw., wie soll sich Aegypten weiterentwickeln?
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