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10. März 2015, 01:40 Uhr

Kampf gegen IS

Ägyptens Präsident fühlt sich von USA im Stich gelassen

Sein Land brauche mehr Waffen: Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi beklagt in einem Fernsehinterview fehlende Unterstützung der USA im Kampf gegen die IS-Miliz.

Washington - Der ägyptische Staatschef Abdel Fattah el-Sisi hat ungewöhnlich offene Kritik an der Rolle der USA im Nahen Osten geübt - und sich zugleich eine stärkere militärische Unterstützung der USA im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewünscht.

"Die Vereinigten Staaten müssen verstehen, dass wir im Kampf gegen den Terrorismus dringend Waffen und Ausrüstung brauchen", sagte Sisi in einem Interview des US-Fernsehsenders Fox News. "Die Ägypter hätten gerne das Gefühl, dass die USA in diesem Kampf an ihrer Seite stehen."

Auf die Frage, was er von der Führungsrolle der USA in der Region halte, schwieg er zunächst, dann sagte er: "Schwierige Frage."

Im Kampf gegen den Terrorismus forderten die Menschen in Ägypten "eine starke Reaktion von fähigen Staaten". Viele hätten den Eindruck, dass Amerika Kairo nicht ausreichend unterstütze. Die gesamte Region sei massiv vom Terrorismus bedroht. Dieser sei noch nicht zurückgedrängt, im Gegenteil: Er breite sich weiter aus.

Die arabischen Staaten sollten sich zum Kampf gegen den IS zusammenschließen, forderte Sisi. Zusammen mit Saudi-Arabien, den Emiraten und Jordanien könne Ägypten "mit Unterstützung der USA eine Menge tun".

Die USA sind seit Jahrzehnten enge Verbündete Kairos und unterstützen das Land mit massiver Militärhilfe. Feldmarschall Sisi hatte sich als Armeechef an die Macht geputscht. Er steht wegen seines harten Vorgehens gegen Muslimbrüder, Demonstranten und Journalisten in der Kritik.

US-Außenminister John Kerry wird Sisi am Donnerstag in Kairo treffen.

vet/dpa/Reuters

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