Kampf gegen IS Ägyptens Präsident fühlt sich von USA im Stich gelassen

Sein Land brauche mehr Waffen: Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi beklagt in einem Fernsehinterview fehlende Unterstützung der USA im Kampf gegen die IS-Miliz.

Wünscht sich mehr Hilfe der USA: Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi (r.)
REUTERS

Wünscht sich mehr Hilfe der USA: Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi (r.)


Washington - Der ägyptische Staatschef Abdel Fattah el-Sisi hat ungewöhnlich offene Kritik an der Rolle der USA im Nahen Osten geübt - und sich zugleich eine stärkere militärische Unterstützung der USA im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewünscht.

"Die Vereinigten Staaten müssen verstehen, dass wir im Kampf gegen den Terrorismus dringend Waffen und Ausrüstung brauchen", sagte Sisi in einem Interview des US-Fernsehsenders Fox News. "Die Ägypter hätten gerne das Gefühl, dass die USA in diesem Kampf an ihrer Seite stehen."

Auf die Frage, was er von der Führungsrolle der USA in der Region halte, schwieg er zunächst, dann sagte er: "Schwierige Frage."

Im Kampf gegen den Terrorismus forderten die Menschen in Ägypten "eine starke Reaktion von fähigen Staaten". Viele hätten den Eindruck, dass Amerika Kairo nicht ausreichend unterstütze. Die gesamte Region sei massiv vom Terrorismus bedroht. Dieser sei noch nicht zurückgedrängt, im Gegenteil: Er breite sich weiter aus.

Die arabischen Staaten sollten sich zum Kampf gegen den IS zusammenschließen, forderte Sisi. Zusammen mit Saudi-Arabien, den Emiraten und Jordanien könne Ägypten "mit Unterstützung der USA eine Menge tun".

Die USA sind seit Jahrzehnten enge Verbündete Kairos und unterstützen das Land mit massiver Militärhilfe. Feldmarschall Sisi hatte sich als Armeechef an die Macht geputscht. Er steht wegen seines harten Vorgehens gegen Muslimbrüder, Demonstranten und Journalisten in der Kritik.

US-Außenminister John Kerry wird Sisi am Donnerstag in Kairo treffen.

vet/dpa/Reuters



insgesamt 15 Beiträge
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JDR 10.03.2015
1.
Nun, verstehen kann man den Präsidenten der Republik Ägypten schon. Er hat einen Staat, der zwei Mal bedroht war, in das gleiche Chaos zu kippen, wie seine Nachbarn, aufgerichtet und stabilisiert. Besonders viel Respekt hat man ihm dafür bisher nicht entgegengebracht, obwohl Ägypten ein Eckstein jeglicher Nahostpolitik ist. Die sunnitische Koalition, welche sich dort andeutet, könnte eine Riesenchacne für die Vereinigten Staaten von Amerika sein. Erscheint Washington aber schwach, wird sie die Fähigkeiten der dortigen Administration, sich durchzusetzen, weiter schwächen. Ägypten braucht Waffen. Ebenso dringend jedoch braucht es wirtschaftliche Kooperation, die es dem Land erlaubt, sich eigenständig zu entwickeln und spezifische Geheimdienstzusammenarbeit bei der Lösung der Sinaisituation. Das Bild von der Schwäche der Vereinigten Staaten von Amerika in der arabischen Welt ist falsch. Aber es liegt an Washington, dieses Bild zu ändern. John Kerry vermag das. Dennoch: Bei allen neuen Ideen und Vorstellungen, welche - nicht ohne Grund - entwickelt wurden, stellt sich die Frage, wann man bereit ist, die Ergebnisse der Nahostpolitik zu betrachten und möglicherweise ein paar alte Methoden zurückzuholen, die funktioniert haben.
t dog 10.03.2015
2. Sisi
wird im Westen gefeiert. Aber davon mal abgesehen. Wieso bestellt er nicht in Deutschland was er braucht? Wir können als zweitgrösster Waffenexporteuer der Welt sicher alles verkaufen, was er für seinen Libyenkrieg benötigt.
ecbert 10.03.2015
3. Aufgabe der muslimischen Staaten !
Die USA sind gut beraten sich weitgehend aus dem Kampf gegen den IS herauszuhalten. Sonst sind sie ganz schnell wieder der "Buhmann". Hier sind ganz allein alle muslemischen Staaten gefordert weil die Bekämpfung von "Glaubensbrüdern" und die Regelung der damit verbundenen Probleme zuerst ihre Aufgabe ist. Erst wenn sich die Bedrohung auf andere Staaten ausweitet sind auch christlich geprägte Staaten gefordert.
Inselbewohner, 10.03.2015
4. Man kann nicht alles haben
Herr Sisi hat sich an die Macht geputscht, sicher mit Unterstützung zumindest Duldung der USA. Auch hält er nicht viel von einer freien Presse aber sollte man nicht inbetracht ziehen, dass es die einzige Möglichkeit ist so ein Land stabil zu regieren? Meines Wissens nach ist Ägypten das einzige Land was konzequent gegen die Moslem Brüderschaft, eine Vorstufe zur IS, mit Härte vorgeht. Ich finde auch seine Idee gut wenn die betroffenen Länder ihre Kräfte bündeln und sich gemeinsam gegen den IS stellen. Das erfordert Waffen und eine gemeinsame Strategie inclusive der Logistik. Ich weis, jetzt heulen wieder die Menschenrechtler auf weil dort Menschen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt werden "nur" weil sie Moslem Brüder sind. Vielleicht würden sich ihre Ansichten ändern wenn sie selber mal von einem Attentat betroffen wären. Manchmal hilft nur noch den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Im Kampf gegen den IS sollten wir jeden unterstützen der sich beteiligen will. Gruß HP
playintime 10.03.2015
5. von USA im Stich gelassen?
Mit den USA war das schon immer so. Erst Unruhen stiften zweks "Regime Change", dann aber die erwartete Hilfe den "Aufständigen" verweigern, was in den meisten Fällen auch besser so gewesen.
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