Muslimbruder Mursi Ägyptens künftiger Präsident dementiert Israel-Aussagen

Stellt er den Friedensvertrag mit Israel nun in Frage oder nicht? Ägyptens künftiges Staatsoberhaupt Mohammed Mursi soll sich in einem Interview mit der iranischen Agentur Fars für eine Allianz mit Teheran ausgesprochen haben. Aus dem Präsidentenpalast heißt es nun, das Gespräch habe es nie gegeben.

Gewählter Präsident Mursi: "Das, was veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage"
REUTERS

Gewählter Präsident Mursi: "Das, was veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage"


Kairo/Teheran - Verwirrung um ein angebliches Interview des neuen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi: Die iranische Nachrichtenagentur Fars hatte berichtet, dass der islamistische Politiker eine Annäherung an Iran suche und den Friedensvertrag mit Israel überprüfen wolle. Mursi ließ den Bericht nun dementieren. "Der Präsident hat dieser Agentur kein Interview gegeben, und das, was veröffentlicht wurde, entbehrt jeder Grundlage", sagte sein Sprecher der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena.

Fars teilte dagegen mit, das Gespräch mit Mursi sei am Sonntag geführt worden - und zwar wenige Stunden, bevor er zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt worden sei. Die regimenahe Nachrichtenagentur veröffentlichte auch einen Audiolink zu der angeblichen Aufnahme des Gesprächs auf Arabisch.

Die Ausweitung der ägyptisch-iranischen Beziehungen werde "ein wirksames strategisches Gleichgewicht in der Region" herstellen, soll Mursi darin gesagt haben. Auch der Friedensvertrag mit Israel müsse "revidiert" werden. Mursi soll sich auch für das Rückkehrrecht der Palästinenser ausgesprochen haben, die in den Nahostkriegen fliehen mussten oder vertrieben wurden.

Der 60-jährige Kandidat der konservativ-religiösen Muslimbruderschaft hatte sich in der Stichwahl um die Präsidentschaft gegen den Ex-Ministerpräsidenten Ahmed Schafik durchgesetzt. Das Ergebnis war am Sonntag verkündet worden. Mursi soll nach den Ankündigungen des herrschenden Militärrats, am 30. Juni in sein Amt eingeführt werden. Er tritt die Nachfolge des im Februar 2011 gestürzten langjährigen Machthabers Husni Mubarak an.

Teheran hatte Mursis Wahlsieg begrüßt. Präsident Mahmud Ahmadinedschad sagte, er wünsche verstärkte bilaterale Beziehungen. Iran hatte die diplomatischen Beziehungen zu Ägypten abgebrochen, um gegen den Friedensvertrag mit Israel zu protestieren. Seit 15 Jahren strebt Teheran eine Aufwertung der Beziehungen an, stieß jedoch bei Mubarak auf taube Ohren. Unter dem Ex-Machthaber war das Verhältnis der Führung in Kairo zu Iran eher frostig.

Israel fürchtete nach Bekanntwerden von Mursis Aussagen eine Verschlechterung des Verhältnisses zu Ägypten. Engere Beziehungen zwischen Kairo und Teheran wären für Israel eine strategische Katastrophe.

In seiner ersten Ansprache am späten Sonntagabend als gewählter Präsident hatte Mursi erklärt: "Wir werden uns um sehr ausgewogene Beziehungen zu allen internationalen Faktoren bemühen." Bestehende Verträge, darunter den Friedensvertrag mit Israel, werde Ägypten aber einhalten.

heb/AFP/dpa

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Seite 1
bayrischcreme 26.06.2012
1. optional
toll, gleich mal ne ausgewachsene Lüge in den ersten Amtstagen.
h.hass 26.06.2012
2.
Wenn eine Partei eine Wahl gewinnt, die "Muslimbrüderschaft" heißt, braucht man kein Hellseher zu sein, um zu wissen, wohin die Reise geht: Wer kein Muslim und kein Mann ist, hat schlechte Karten. Ist nur eine Frage der Zeit, bis die Scharia eingeführt wird und Moralhüter unverschleierte Frauen von den Straßen fischen. Dummerweise werden dann kaum noch westliche Touristen Lust haben, Geld ins Land zu bringen. Ohne Tourismus dürfte das Land dann aber wirtschaftlich endgültig zusammenbrechen.
xRGBx 26.06.2012
3.
Zitat von h.hassWenn eine Partei eine Wahl gewinnt, die "Muslimbrüderschaft" heißt, braucht man kein Hellseher zu sein, um zu wissen, wohin die Reise geht: Wer kein Muslim und kein Mann ist, hat schlechte Karten. Ist nur eine Frage der Zeit, bis die Scharia eingeführt wird und Moralhüter unverschleierte Frauen von den Straßen fischen. Dummerweise werden dann kaum noch westliche Touristen Lust haben, Geld ins Land zu bringen. Ohne Tourismus dürfte das Land dann aber wirtschaftlich endgültig zusammenbrechen.
Die Doppelmoral ist auch dem strengsten Moslem nicht fremd, wenn's ums Geld geht. Dann sind die Stände und Pyramiden halt shariafreie Zonen.
Hermes75 26.06.2012
4.
Zitat von bayrischcremetoll, gleich mal ne ausgewachsene Lüge in den ersten Amtstagen.
Wer lügt hier? Waren Sie dabei? Halten Sie ein isoliertes Regime in Teheran, das verzweifelt nach Verbündeten sucht, für glaubwürdiger als den gewählten Präsidenten Ägyptens?
Hermes75 26.06.2012
5.
Zitat von h.hassWenn eine Partei eine Wahl gewinnt, die "Muslimbrüderschaft" heißt, braucht man kein Hellseher zu sein, um zu wissen, wohin die Reise geht: Wer kein Muslim und kein Mann ist, hat schlechte Karten. Ist nur eine Frage der Zeit, bis die Scharia eingeführt wird und Moralhüter unverschleierte Frauen von den Straßen fischen. Dummerweise werden dann kaum noch westliche Touristen Lust haben, Geld ins Land zu bringen. Ohne Tourismus dürfte das Land dann aber wirtschaftlich endgültig zusammenbrechen.
Der erste Bundeskanzler der BRD war Katholik und Mitglied der CDU und unter ihm hatte auch schlechte Karten wer kein Christ und kein Mann war... Schauen Sie sich mal an welche Gesetze in den 50er und 60er Jahren in Deutschland hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Männern und Frauen gegolten haben.
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