Ägyptens Vize Suleiman Der stille starke Mann

Geheimdienstchef Omar Suleiman ist der neue Vizepräsident Ägyptens - und ein enger Vertrauter von Husni Mubarak: Seine Entscheidung, eine gepanzerte Limousine einfliegen zu lassen, rettete dem Staatschef einst das Leben. Israel und die USA schätzen den General als Vermittler im Nahost-Konflikt.

Omar Suleiman (Archiv): Ägyptens neuer Vizepräsident
REUTERS

Omar Suleiman (Archiv): Ägyptens neuer Vizepräsident


Kairo - Es ist eine historische Entscheidung. Zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt 1981 hat Ägyptens Staatschef Husni Mubarak einen Vizepräsidenten bestimmt. Während auf den Straßen Kairos Zehntausende Demonstranten gegen das alte Regime protestierten, fiel die Wahl auf: Omar Suleiman - den Chef des Geheimdienstes Mukhabarat.

Wer ist der neue starke Mann Ägyptens? Bislang agierte Suleiman gerne im Hintergrund. Zu seinem Geburtsdatum gibt es unterschiedlich Angaben, je nach Quelle variiert es zwischen 1935 oder 1936. Feststeht: Suleiman kam in der ländlichen Provinz Kena in Oberägypten zur Welt, einer ärmlichen Region. Im Alter von 19 Jahren begann er seine Ausbildung an der Militärschule in Kairo, anschließend lernte er an einer Militärakademie in Moskau, 1967 und 1973 kämpfte er in den Nahostkriegen gegen Israel.

Suleiman machte sich als exzellenter Stratege einen Namen, er studierte zusätzlich Politikwissenschaft in Kairo. Er gilt als diskret, ruhig und beherrscht. Mit der Karriere im Militär ging für den General auch der gesellschaftliche Aufstieg einher. In den achtziger Jahren wechselte er zum militärischen Geheimdienst, 1993 wurde er dann zum Chef des zivilen Geheimdienstes ernannt.

In der Rolle als oberster Agent trat er auch öffentlich auf - das hatte keiner seiner Vorgänger getan. Mehr als sein typisches Lächeln hatte er für die Fernsehkameras aber selten übrig. Die Rolle des diskreten Schattenmannes spielte er lieber - und wurde so zu Mubaraks Mann für heikle Aufträge. Suleiman spielte eine wichtige Rolle in den Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern, beide Seiten zeigten sich mit dem Mann aus Ägypten zufrieden. Als 2006 zwischen Fatah und Hamas ein Konflikt ausbrach, baten die Palästinenser Suleiman, zu vermitteln. Auch in Washington wird er geschätzt.

Attentat in Addis Abeba

So galt der General schon seit geraumer Zeit als möglicher Nachfolger des Präsidenten. Die USA und Israel betrachten ihn als "Wunschpartner", da er auch den islamistischen Terror in seiner Heimat bekämpfte. Laut einem Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" heißt es im ägyptischen Präsidentenpalast, Suleiman ziehe nicht nur politische Fäden, sondern Seile. Mubarak und Suleiman treffen demnach täglich zusammen.

Das tiefe Vertrauen des Präsidenten errang Suleiman im Juni 1995: Damals nahm Mubarak an einem Afrika-Gipfel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba teil. Islamische Fanatiker waren ihm dorthin gefolgt und eröffneten auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Feuer auf die Präsidenten-Limousine. Mubarak blieb unverletzt - denn Suleiman hatte kurzfristig noch einen gepanzerten Mercedes aus Ägypten einfliegen lassen.

Nun wartet der wohl schwerste Auftrag auf Suleiman: Er soll für Mubarak retten, was noch zu retten ist. Derzeit erscheint es jedoch fast unvorstellbar, dass die Proteste nachlassen und der Präsident sich bis zu den Wahlen im September im Amt halten kann. Omar Suleiman mag das freundlich lächelnde Gesicht der Regierung sein. Für die Menschen auf der Straße bleibt er dennoch ein Gesicht des Regimes. "Er ist genau wie Mubarak, einen Wandel gibt es nicht", sagte ein Demonstrant kurz nach der Ernennung des neuen Vizepräsidenten vor dem Innenministerium.

hur/dpa/Reuters



insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wika 29.01.2011
1. Fragezeichen in den Augen…
Und wie soll man solches nun bewerten, dass nach 30 Jahren auch mal ein Vize vorgestellt wird? Ausgerechnet den Geheimdienstchef zum Vize zu machen dürfte wohl eher keine vertrauensbildende Maßnahme sein oder sollte es mir entgangen sein dass der Geheimdienst in Ägypten "Volkes Liebling" ist. Oder geht es darum das Militär vermehrt hinter den Präsidenten zu bringen, damit dieser nicht soviel leiden muss. Das Volk ist ja eigentlich auch egal und im Zweifel wird dann ein Ernährungsprogramm mit "Blauen Bohnen" durch das Militär aufgelegt. Will damit sagen, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass das Volk wegen dieser Ernennung in Begeisterung ausbricht.
joga_bonito 29.01.2011
2. Marionette
Das ist eine westliche Puppe wie Mubarak. Für dumm hält der westen die Ägypter eigentlich? Dieser Verbrecher ist dafür Verantwortlich das millionen von unschuldige Ägyter aus pol. Grüden in Kerkern vegetieren.
neuesausderanstalt 29.01.2011
3. Mag zwar sein -
dass Israel und die USA diesen "starken" Mann schätzen - aber wie sieht es bei den Ägyptern aus ?? Es soll augenscheinlich ein Günstling Mubaraks installiert werden - und ein weiter so.
Steinhauer 29.01.2011
4. Israel und die USA schätzen den General......
Zitat von sysopGeheimdienstchef Omar Suleiman ist der neue Vizepräsident Ägyptens - und ein enger Vertrauter von Husni Mubarak: Seine Entscheidung, eine gepanzerte Limousine einfliegen zu lassen, rettete dem Staatschef einst das Leben. Israel und die USA schätzen den General als Vermittler im Nahost-Konflikt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,742451,00.html
Israel und die USA schätzen den General.... Das sagt alles. Das kann doch nicht Euer Ernst Sein. Ist das alles Demokratie- und Freiheitverständnis der freien Welt? Wie weit können wir sinken? Das ägyptische Volk braucht unsere Solidarität mehr denn je. lassen wir es nicht fallen. Ein moralischer Appell, jenseits der wirtschaftlichen Interessen.
saba, 29.01.2011
5. ... klar, die Alternative ist immer besser
Zitat von SteinhauerIsrael und die USA schätzen den General.... Das sagt alles. Das kann doch nicht Euer Ernst Sein. Ist das alles Demokratie- und Freiheitverständnis der freien Welt? Wie weit können wir sinken? Das ägyptische Volk braucht unsere Solidarität mehr denn je. lassen wir es nicht fallen. Ein moralischer Appell, jenseits der wirtschaftlichen Interessen.
Ja, iss ja gut, feinfein: Aber erinnern wir uns doch mal. Der Westen hat schon mal einem Ajatholla in den Sattel geholfen ... und lustiger ist es im Iran seither sicher nicht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.