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11. Januar 2014, 07:40 Uhr

Spott im Netz

Power Rangers sollen Kairo schützen

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Ägyptens Armee inszeniert sich als Garant der Sicherheit und lässt ihre besten Männer aufmarschieren. Auf Facebook veröffentlicht sie Fotos dazu, mit sonderbaren roten Figuren. Wer sind die mysteriösen Krieger im Superhelden-Outfit?

Kairo - Es ist nicht mehr so leicht, bei Neuigkeiten aus Ägypten zwischen Wahrheit und Satire zu unterscheiden. Derzeit erhebt die ägyptische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beliebte Stoffpuppe "Abla Fahita" wegen Terrorverdachts. Und nun schickt Ägyptens Armee offenbar ihre besten Männer in den Kampf gegen den Terrorismus: die Power Rangers, Superhelden aus einer Kinderserie.

Am Freitag hat Ägyptens Armeesprecher auf seiner offiziellen Facebook-Seite neue Fotos veröffentlicht, von denen zwei für Verwunderung sorgen: Sie zeigen zwischen den tarnfarbenen Soldaten 20 Männer in dicken knallroten Schutzanzügen. Die Männer in Rot wirken ein wenig unbeweglich, ihre Uniform umhüllt sie wie ein Panzer, lässt sie wie Muskelprotze aussehen. Ihre Arme halten sie leicht angewinkelt seitlich am Körper wie Actionfiguren im Kinderzimmer.

Wer sind die roten Männer? Ägyptens Armeeführung glaubt offenbar, dass die Fotos keine Erklärung brauchen. Unter jedem der 20 Bilder steht immer nur dieselbe Beschreibung: Die Armee bereitet sich darauf vor, die Sicherheit beim kommenden Verfassungsreferendum zu gewährleisten.

"Sind das die Ninjas, Iron Man, die Power Rangers?"

Ägyptens Netzgemeinde ist in Aufruhr. "Wer sind die in den roten Anzügen? Sind das die Ninjas?", spottet gleich der erste Kommentar unter dem Foto. "Das ist Iron Man!", schreibt ein zweiter.

Ägyptens Armee liebt heroische Inszenierungen. Sie stellt sich als Garant von Sicherheit und Ordnung dar. Besonders Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi wird von den ägyptischen Medien geradezu als Übermensch dargestellt, männlich, mutig, stark, unfehlbar, unübertrefflich.

Derart absurd sind manchmal die Beschreibungen, dass ihn Spötter schon als Ägyptens Chuck Norris bezeichnen - mit den entsprechenden Witzen wie: "Das einzige Mal, als Sisi einen Fehler gemacht hat, war, als er dachte, dass er einen Fehler gemacht hat."

Vor der Abstimmung wird neue Gewalt befürchtet

Die Sorge um die Sicherheit ist berechtigt. Ägypten ist weiterhin zutiefst gespalten. Immer wieder kommt es zu Anschlägen. Kommende Woche soll am 14. und 15. Januar in einer Volksabstimmung eine neue Verfassung abgesegnet werden.

Doch im Namen des Kampfes gegen den Terrorismus scheint Kairo alles recht. Kritische Stimmen werden ausgeschaltet, egal ob von islamistischer oder säkularer Seite. Immer absurdere Vorwürfe werden gegen Kritiker vorgebracht.

Man ist inzwischen viel von offizieller Seite gewöhnt. Das erklärt auch den Spott einiger Ägypter im Netz. Inzwischen dürfte es sie wohl auch nicht überraschen, wenn die Armee als nächstes tatsächlich behauptet, Superhelden in ihren Reihen zu haben.

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