Ärger über kritischen Artikel Obama bestellt General McChrystal zum Rapport

In einem Magazin rechnete der General mit der Obama-Regierung ab, das hat nun Konsequenzen: Der US-Präsident hat den Afghanistan-Kommandeur McChrystal eilig ins Weiße Haus beordert. Der General hat sich zwar inzwischen entschuldigt - aber keines der Schmäh-Zitate dementiert.

US-General McChrystal: Abrechnung mit der Regierung
REUTERS

US-General McChrystal: Abrechnung mit der Regierung


Washington - Die "Rolling Stone"-Affäre um General Stanley McChrystal eskaliert. Das US-Magazin hatte ein Porträt über McChrystal veröffentlicht, in dem der General und seine Vertrauten mit teils verächtlichen Worten über Mitglieder der US-Regierung herziehen und deren Afghanistan-Politik heftig kritisieren.

Präsident Obama sei darüber "wütend", berichtete die "New York Times" unter Berufung auf Regierungskreise. McChrystal sei umgehend aus Kabul nach Washington zurückbeordert worden. Dort solle er Obama und anderen Regierungsmitgliedern am Mittwoch bei einem persönlichen Treffen die Aussagen erklären, mit denen er in dem Artikel zitiert wurde.

Das US-Magazin hatte den General als einsamen Kämpfer dargestellt, der sich von den Entscheidern in Washington alleingelassen fühlt. Garniert wurde der Artikel mit beleidigenden Aussagen über Vizepräsident Joe Biden und Kritik an Obama.

Den Präsidenten stellten Vertraute von McChrystal als schlecht informiert und wenig interessiert am Afghanistan-Einsatz dar. Besonders darüber sei Obama aufgebracht, hieß es in Regierungskreisen.

Zitate aus vermeintlich intimen Runden

Inzwischen hat sich McChrystal für die Darstellung in dem Porträt entschuldigt. Er habe stets nach den Prinzipien der persönlichen Ehre und Integrität gehandelt, sagte er. "Was sich in diesem Artikel widerspiegelt, wird diesen Grundsätzen nicht gerecht." Der General dementierte jedoch keines der ihm zugeschriebenen Zitate.

Der 55-Jährige übernahm erst im Juni vergangenen Jahres den Oberbefehl über die westlichen Truppen in Afghanistan. Seinen Vorgänger, General David McKiernan, hatte die Regierung gefeuert, weil sie mit seiner Strategie nicht zufrieden war.

Auch McChrystals Schicksal hängt von Obama ab. An dem Treffen am Mittwoch soll auch Vizepräsident Biden teilnehmen. Über ihn hatten sich laut "Rolling Stone" McChrystal und einer seiner Mitarbeiter mit einem Wortspiel lustig gemacht. Demnach sagte der General: "Joe Biden, wer ist das?" Sein Berater ätzte: "Sagten Sie Bite Me (auf deutsch: Leck mich)?" Biden gilt als Gegner von McChrystals offensiver Militärstrategie in Afghanistan.

Den nationalen US-Sicherheitsberater James L. Jones soll ein Vertrauter des Generals als "Clown" verunglimpft haben. Auch der amerikanische Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, und der US-Sondergesandte Richard C. Holbrooke wurden kritisiert.

Der "Rolling Stone"-Journalist scheint Zugang zum engsten Zirkel um den General bekommen zu haben. Viele der Zitate seien wohl in vermeintlich unbeobachteten Situationen, etwa in Bars und Restaurants, gefallen, mutmaßten Kommentatoren.

Nicht nur in der Politik scheint der Ärger über McChrystals Äußerungen groß zu sein. Auch der oberste US-Militär meldete sich bei dem General. Admiral Mike Mullen habe McChrystal in einem Telefonat seine "tiefe Enttäuschung" über den Artikel und die Aussagen darin vermittelt, sagte ein Sprecher.

Die Nato stellte sich in einer ersten Stellungnahme hinter McChrystal. "Der Artikel im 'Rolling Stone' ist bedauerlich, aber es ist nur ein Artikel", sagte ein Sprecher in Brüssel.

mmq/dpa/AP

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Seite 1
Willie, 22.06.2010
1. -
Zitat von sysopIn einem Magazin rechnete der General mit der Obama-Regierung ab, das hat nun Konsequenzen: Der US-Präsident hat den Afghanistan-Kommandeur McChrystal eilig ins Weiße Haus beordert. Der General hat sich zwar inzwischen entschuldigt - aber keines der Schmäh-Zitate dementiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,702150,00.html
Wer ein guter General sein will, der muss auch zeigen, dass er Gedanken ueber andere -insbesondere seine ihm vorgesetzen Politiker- fuer sich behalten kann. Das ist Teil der soldatischen Disziplin, die auch der General von jedem unter seinem Kommando ihn selbst betreffend abverlangt. Er ist damit durch seine lange Soldatenkarriere bestens vertraut. Dass er das nach Anfangsfehlern noch immer nicht in den Griff bekommt, zeigt dass er fuer den Job der falsche Mann ist. Naechste Station: Ruhestand. Genau wie seinerzeit die Primadonna McArthur.
wander, 22.06.2010
2. langweilig
Gibt es nicht noch andere gewalttätige Entwicklungsländer, in denen Generäle plötzlich das demokratische Recht der Meinungsfreiheit entdecken?
Rolf Schmid 22.06.2010
3. Die Sprache der Warrior!
Zitat von sysopIn einem Magazin rechnete der General mit der Obama-Regierung ab, das hat nun Konsequenzen: Der US-Präsident hat den Afghanistan-Kommandeur McChrystal eilig ins Weiße Haus beordert. Der General hat sich zwar inzwischen entschuldigt - aber keines der Schmäh-Zitate dementiert. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,702150,00.html
Nicht wundern - höchstens ängstigen! Denn in einem Land, das der Macht nicht nur des "grossen Geldes" ausgeliefert, sondern auch der militärischen Überlegenheit derart verbunden ist wie die USA, MUSS ein General so denken! Dass er es auch öffentlich ausspricht, verhilft ihm bei den vielen Feinden Obamas garantiert zu einem besonders hohen Orden. Und, nach einem vermutlich nur relativ kurzen Zwischenstop bei einer US-Waffenschmiede, in der nächsten, wieder konservativen Regierung, zum Amt des nächsten US-Kriegsministers! Selbstverständlich muss OBAMA diesen Hardliner entlassen -wenn er sich denn getraut-, aber welchem anderen seiner für Kriege und Überfälle auf andere Länder trainierten Generale sollte er das Oberkommando in einem von allem Anfang erlogenen Krieg wie dem in Afghanistan UND Pakistan übertragen, ohne mit denselben Kommentaren rechnen zu müssen? Die USA haben sich offensichtlich inzwischen nicht nur tot-spekuliert, sondern auch tot-gerüstet und tot-"gekriegt" - und höchstens ein wirklich Grosser Krieg könnte diese Fehl-Investitionen noch irgendwie amortisieren! Die dieser Tage den Suezkanal passierende kleine Armada amerikanischer Kriegsschiffe -auch ein israelisches war dabei- könnte bereits Teil der Kriegsvorbereitung sein! Der unaufhaltsame Niedergang dieser USA und ihrer - ebenfalls bankrotten - europäischen Satelliten würde sich dadurch nur noch geringfügig beschleunigen!
RealityCheck 22.06.2010
4. Frustrierte Armeefuehrung
Es ist noch in Erinnerung, welche Opposition die Surge (Truppenaufstockung) im Irak hervorrief. George Bush setzte sie durch und sie wurde ein voller Erfolg. McChrystal, Petraeus und andere Truppenführer verlangten von Obama 60.000 Mann zusätzlich für Afghanistan. Nach 8 Monaten des Hin und Her bewilligte er 30.000, mit der gleichzeitigen Ankündigung eines Totalabzugs innerhalb von Jahresfrist. Diese Ankündigung kommt einer de facto Kapitulation gleich. Die Frustration der Truppenführung angesichts eines Oberbefehlshabers, der nicht gewinnen will, ist verständlich. In Afghanistan wurde ein staatlich geschütztes Organisationszentrums für einen weltweiten Djihad beseitigt. Das wird in Zukunft durch Einzelaktionen von aussen erfolgen müssen, ähnlich den Operationen in Waziristan.
Willie, 22.06.2010
5. -
Zitat von Rolf SchmidNicht wundern - höchstens ängstigen! Denn in einem Land, das der Macht nicht nur des "grossen Geldes" ausgeliefert, sondern auch der militärischen Überlegenheit derart verbunden ist wie die USA, MUSS ein General so denken! Dass er es auch öffentlich ausspricht, verhilft ihm bei den vielen Feinden Obamas garantiert zu einem besonders hohen Orden. Und, nach einem vermutlich nur relativ kurzen Zwischenstop bei einer US-Waffenschmiede, in der nächsten, wieder konservativen Regierung, zum Amt des nächsten US-Kriegsministers! Selbstverständlich muss OBAMA diesen Hardliner entlassen -wenn er sich denn getraut-, aber welchem anderen seiner für Kriege und Überfälle auf andere Länder trainierten Generale sollte er das Oberkommando in einem von allem Anfang erlogenen Krieg wie dem in Afghanistan UND Pakistan übertragen, ohne mit denselben Kommentaren rechnen zu müssen? Die USA haben sich offensichtlich inzwischen nicht nur tot-spekuliert, sondern auch tot-gerüstet und tot-"gekriegt" - und höchstens ein wirklich Grosser Krieg könnte diese Fehl-Investitionen noch irgendwie amortisieren! Die dieser Tage den Suezkanal passierende kleine Armada amerikanischer Kriegsschiffe -auch ein israelisches war dabei- könnte bereits Teil der Kriegsvorbereitung sein! Der unaufhaltsame Niedergang dieser USA und ihrer - ebenfalls bankrotten - europäischen Satelliten würde sich dadurch nur noch geringfügig beschleunigen!
Quatsch. Die haben ueberhaupt keine zu vergeben. Auch das stimmt nicht. Erstens haben die USA keinen Kriegsminister, sondern einen Secretary of Defense, zweitens schaffen es ganz selten Generale dorthin. Ich kennen keinen, sie? Muessten sie ja eigentlich, wenn sie hier solche Behauptungen loslassen. Die USA haben mehr Generale als Deutschland Oberste.;-) Es scheint sie haben sich tot argumentiert. Dem vorstehenden Unsinn nach zu urteilen.;-) Dann muessten sie sich ja drueber freuen -nicht aengstigen.;-)
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