SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

17. Juni 2014, 16:19 Uhr

Arbeit in Krisenregionen

Ärzte ohne Grenzen kritisieren Gewalt gegen Helfer

Humanitäre Helfer werden in Krisenregionen immer häufiger Opfer von Gewalttaten, melden die Ärzte ohne Grenzen. Die Organisation gibt dafür der Politik eine Mitschuld.

Berlin - Helfer in Krisenregionen werden nach Einschätzung der Organisation Ärzte ohne Grenzen immer häufiger Opfer schwerer Übergriffe. Sie würden nicht mehr als unabhängig wahrgenommen, sagte der Geschäftsführer der Organisation, Frank Dörner. "Auch deutsche Politiker haben humanitäre Hilfe immer wieder mit politischen und militärischen Zielen vermischt", so Dörner.

Anlässlich der Vorstellung des Jahresberichts 2013 seiner Organisation appellierte er an die Bundesregierung und andere westliche Staaten, die Arbeit von Helfern zu respektieren und sie nicht für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Besonders gravierend ist die Lage laut Ärzte ohne Grenzen in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan und in Syrien. Dörner berichtete von Entführungen und gezielten Angriffen. Patienten, Krankenhäuser und Helfer würden dabei gleichermaßen in Mitleidenschaft gezogen. Allein in der Zentralafrikanischen Republik ereigneten sich den Angaben zufolge in diesem Jahr Dutzende Sicherheitsvorfälle und seit Ende 2012 mehr als 30 bewaffnete Überfälle. Das sei "absolut inakzeptabel", sagte Dörner.

Für die betroffene Bevölkerung habe die verschlechterte Sicherheitslage Folgen: Ärzte ohne Grenzen habe im Sommer 2013 etwa ein Hilfsprogramm in Somalia beenden müssen - nach mehr als 20 Jahren, weil die Sicherheit der Helfer nicht mehr gewährleistet werden konnte. "Dutzende Kliniken, OP-Säle und andere medizinische Einrichtungen konnten die Arbeit nicht fortsetzen", berichtete Dörner.

Ärzte ohne Grenzen - die deutsche Sektion der Organisation Médecins Sans Frontières - hat laut Jahresbericht 2013 mehr als 82 Millionen Euro an Spenden eingenommen und damit knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr. Demnach zeigte sich eine große Spendenbereitschaft, nachdem der Taifun Haiyan auf den Philippinen große Zerstörung angerichtet hatte. Noch immer sind Einsatzkräfte auf der besonders betroffenen Insel Leyte im Einsatz. Insgesamt ist die deutsche Sektion in 37 Ländern aktiv, mehr als die Hälfte davon liegt in Afrika. Am stärksten unterstützt die Organisation die Demokratische Republik Kongo.

kes/dpa

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung