Ärztliche Hilfsorganisation Roter-Halbmond-Chef in Syrien erschossen

Die Gewalt in Syrien hat ein weiteres ziviles Opfer gekostet: Der Präsident der syrisch-arabischen Hilfsorganisation Roter Halbmond wurde erschossen, teilte das Internationale Rote Kreuz mit. Die Hintergründe für den Tod des humanitären Helfers sind noch unklar.

Roter-Halbmond-Mitarbeiter während einer Übung in Damaskus (Archivbild)
REUTERS

Roter-Halbmond-Mitarbeiter während einer Übung in Damaskus (Archivbild)


Genf - Er arbeitete für eine internationale Hilfsorganisation, kümmerte sich als Chef der syrisch-arabischen Roten-Halbmond-Bewegung um die medizinische Versorgung in Syrien. Jetzt ist Abdulrazak Jbero tot, erschossen im Auto auf dem Weg von Damaskus in die Stadt Idlib. Das Internationale Rote Kreuz bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge den Tod des Kollegen.

"Wir haben vor wenigen Minuten von dem Tod von Abdulrazak Jbero erfahren. Die Umstände sind noch unklar", sagte Beatrice Megevand-Roggo, Vorsitzende des Internationalen Roten Kreuzes für den Nahen und Mittleren Osten. Der mangelnde Respekt für medizinische Hilfe sei ein großes Problem in Syrien. Jbero war Syrer und bekleidete als Erster das Amt des Präsidenten für die Organisation in seinem Land.

Syrische Oppositionsvertreter machten in einer Mitteilung staatliche Sicherheitskräfte für den Tod Jberos verantwortlich. Die staatliche Nachrichtenagentur berichtete hingegen, eine "bewaffnete terroristische Gruppe" habe ihn ermordet. Demnach traf ihn eine Kugel am Kopf, als die Gruppe das Feuer mit einem Maschinengewehr eröffnete. Jbero sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden und dort verstorben, hieß es in dem Bericht. Laut dem Internationalen Roten Kreuz war er zum Zeitpunkt seiner Tötung in einem Fahrzeug unterwegs, auf dem das Symbol des Roten Halbmonds zu erkennen war.

Bisher sind bei dem Konflikt gegen Staatschef Bashar al-Assad in Syrien nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 5400 Menschen ums Leben gekommen. Die syrische Regierung spricht von 2000 Toten - überwiegend Soldaten und Polizisten.

Bei heftigen Gefechten zwischen Regierungstruppen und abtrünnigen Soldaten in Syrien sind am Mittwoch nach Angaben von Aktivisten mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen, darunter eine Mutter und ihr fünf Jahre altes Kind. Regierungssoldaten hätten Bezirke im Zentrum des Landes gestürmt und mit Mörsern geschossen, hieß es. Zudem seien dort Scharfschützen stationiert worden.

Syrische Truppen haben nach Angaben von Oppositionellen auch die Stadt Hama unter Beschuss genommen. Mindestens zwei Menschen wurden dabei von einem Heckenschützen getötet, wie die Örtlichen Koordinierungskomitees mitteilten. Die zentralsyrische Provinz Hama mit der gleichnamigen Hauptstadt gilt als eine der Hochburgen der Regierungsgegner.

Im Dezember 2011 hatte die Arabische Liga damit begonnen, schrittweise rund 160 Beobachter nach Syrien zu schicken, um die Freilassung politischer Gefangener und den Abzug des Militärs aus Protesthochburgen wie Homs, Hama, Idlib, Daraa und Deir as-Saur zu überwachen. Jetzt will die Liga Präsident Assad mit Hilfe der Vereinten Nationen zum Rücktritt bewegen. In einem Schreiben an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon bemühte sich die Liga um Unterstützung der Weltorganisation, den Machtkampf in Syrien mit politischen Mitteln zu beenden.

Syrien wies den Vorstoß der Arabischen Liga als irrelevant zurück. "Sie können nach New York oder zum Mond fliegen. Solange wir nicht ihre Tickets bezahlen müssen, interessiert uns das nicht", sagte Außenminister Walid al-Mualem im Damaskus.

Frankreich und Großbritannien arbeiten Diplomaten zufolge zusammen mit arabischen Ländern an einer neuen Syrien-Resolution, auch US-Präsident Barack Obama rief Assad zum Amtsverzicht auf. Russland wiederholte am Mittwoch jedoch sein Nein zu Sanktionen gegen den Nahost-Staat. Russland war zusätzlich in die Kritik der Westmächte geraten, weil es der Lieferung von Trainingsflugzeugen für die syrische Luftwaffe zugestimmt hat. Die Maschinen sind zur Bekämpfung von Bodenzielen geeignet.

lgr/Reuters/dpa

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alnemsi 25.01.2012
1. Das ist schlimm.
Die Mitarbeiter des Roten Halbmondes haben sich im letzten Jahrzehnt in Syrien durch ihr furchtloses Engagement zu Irakkriegszeiten, ihr deutlich verstärktes Angebot von erste Hilfe Kursen und ihre bedinungslose Hilfe für Oppositionelle wie Assadanhänger in den letzten Monaten in das Herz vieler Syrer gearbeitet. Dieser heutige Verlust wird einen wesentlichen Wendepunkt in der Einschätzung des Konflikts unter Einheimischen darstellen. Rest in Peace Abdulrazak Jbero.
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