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Fotostrecke: Dürre in Äthiopien

Foto: Jens Grossmann / Welthungerhilfe

Dürre in Äthiopien Später Regen

Äthiopien durchleidet die schwerste Dürre seit 50 Jahren. Zwar hat es nun angefangen zu regnen, aber die Folgen der Trockenheit werden lange nachwirken. Das liegt auch an Fehlern der Regierung.

Ein Jahr lang haben die Nomaden in Afar auf den Regen gewartet, jetzt endlich werden aus dem Dürregebiet im Nordosten Äthiopiens kräftige Niederschläge gemeldet. Es regnet und regnet. Die ausgetrockneten Zisternen und Stauseen füllen sich, Menschen und Tiere haben wieder Trinkwasser, und auf den frisch bestellten Äckern sprießen die Getreidesaaten.

Ist die schlimmste Dürre in Äthiopien seit einem halben Jahrhundert damit vorbei? "Nein", sagt Ighale Utban. Der 36-jährige Hirte vom Volk der Afar hat durch die extreme Trockenheit seine Existenzgrundlage verloren (siehe Bericht im SPIEGEL). "Der Regen hilft, aber er kommt viel zu spät, und meine Tiere bringt er auch nicht zurück", sagt Utban. Vor drei Jahren war er noch stolzer Besitzer von 100 Ziegen, dann sind 50 verdurstet, schließlich blieben nur noch fünf übrig. Das ist viel zu wenig: Eine Nomadenfamilie braucht mindestens 15 Ziegen zum Überleben.

Ighale Utban

Ighale Utban

Foto: Jens Grossmann / Welthungerhilfe

In den Wüsten und Halbwüsten Afars sind infolge der Dürre bislang 440.000 Ziegen und Schafe, 105.000 Rinder, 15.000 Kamele und 4500 Esel verendet. Nun mangelt es den Nomaden an Fleisch und Milch, ihren wichtigsten Nahrungsmitteln. Und es fehlen die Lasttiere, auf die sie während ihrer beschwerlichen Wanderschaften angewiesen sind.

Eine vergessene Dauerkrise

"Gerade jetzt müssen wir verstärkt ran - mit Geld , mit konkreter Hilfe für den Wiederaufbau der Viehbestände, mit einer lauten Stimme", fordert Till Wahnbaeck, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe. Die humanitäre Organisation aus Bonn betreibt in Äthiopien seit 1972 zahlreiche Projekte zur Ernährungssicherung.

Wahnbaeck hat vor zwei Wochen Afar besucht, um sich ein Bild von der Notlage zu machen. "Dies ist eine vergessene Krise, weil sie weit weg von uns stattfindet und uns nicht so direkt bedroht wie die Flüchtlingskrise", bilanziert er. Für die Menschen in Äthiopien aber sei der Ausnahmezustand zum Normalfall geworden, seit Jahren folgten eine Mangelernte und eine Dürre der nächsten, und zwischen den Krisen gebe es keine Erholung mehr.

Die äthiopischen Kleinbauern und Hirten sind nach den jüngsten Niederschlägen zwar erleichtert, aber die desaströsen Folgen der Dürre werden noch lange nachwirken. Die Getreidespeicher sind leer, das Viehfutter ist aufgebraucht. Und mancherorts regnet es mittlerweile so kräftig, dass die Felder überschwemmt werden und Straßen sich in Schlammpfade verwandeln. Das erschwert den Transport von Hilfsgütern in abgelegene Dörfer.

Immerhin können die Ackerbauern im Tiefland jetzt Mais und Hirse anbauen, sie dürfen auf eine bessere Ernte als im Vorjahr hoffen. Damals fiel Belg, die kleine Regenzeit, aus. Entscheidend wird aber die nächste Aussaat der Hauptnahrungsmittel Teff und Weizen im Juni und Juli. Wenn dann Kiremt, die große Regenzeit, noch einmal ausbleiben sollte, könnte sich die Versorgungskrise weiter zuspitzen.

Jedes vierte Kind ist unterernährt

Durch die periodischen Dürren, die Äthiopien seit acht Jahren heimsuchen, sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 20 Millionen Menschen vom Hunger bedroht - ein Fünftel der 102 Millionen Einwohner. Jedes vierte Kind ist schon heute unterernährt. Agrarexperten sprechen von einem strukturellen Nahrungsmitteldefizit, also von Versorgungslücken, die durch die unproduktive Landwirtschaft und das schnelle Bevölkerungswachstum von 2,5 Prozent pro Jahr entstehen.

Nach amtlichen Angaben ist die landwirtschaftliche Produktivität in jüngster Zeit um jährlich 6,6 Prozent gestiegen, doch das ist eine Wunschstatistik, die nach Informationen von SPIEGEL ONLINE von der Regierung kräftig nach oben korrigiert wurde. Die Wirklichkeit im Hinterland sieht ganz anders aus: Millionen von Subsistenzbauern erzeugen gerade so viel, dass es zum Eigenverbrauch reicht. Es fehlt ihnen an Fachwissen, an Kapital, Maschinen, Kunstdünger, hochwertigem Saatgut und am Zugang zu Märkten. Sie bewirtschaften seit Jahrhunderten extrem magere Böden, die dem Staat gehören; es gibt folglich kaum Anreize, die Erträge zu steigern.

SPIEGEL TV

Kein Zweifel, Äthiopien ist in diesen Tagen auf den Beistand der internationalen Gemeinschaft angewiesen. Aber für die Zukunft des Landes ist die Regierung in Addis Abeba selbst verantwortlich. Niemand kann ihr die dringlichen Reformen abnehmen. Dazu gehören eine weitsichtige Bildungs- und Gesundheitspolitik; eine durchdachte Familienplanung, um die Zahl der Geburten zu reduzieren. Und die überfällige Modernisierung der Landwirtschaft: Äthiopien muss die "grüne Revolution" nachholen.

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