Dürre in Äthiopien Später Regen

Äthiopien durchleidet die schwerste Dürre seit 50 Jahren. Zwar hat es nun angefangen zu regnen, aber die Folgen der Trockenheit werden lange nachwirken. Das liegt auch an Fehlern der Regierung.

Jens Grossmann / Welthungerhilfe

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Ein Jahr lang haben die Nomaden in Afar auf den Regen gewartet, jetzt endlich werden aus dem Dürregebiet im Nordosten Äthiopiens kräftige Niederschläge gemeldet. Es regnet und regnet. Die ausgetrockneten Zisternen und Stauseen füllen sich, Menschen und Tiere haben wieder Trinkwasser, und auf den frisch bestellten Äckern sprießen die Getreidesaaten.

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Heft 19/2016
37671 Höxter, Saatweg 6: Das Grauen von nebenan

Ist die schlimmste Dürre in Äthiopien seit einem halben Jahrhundert damit vorbei? "Nein", sagt Ighale Utban. Der 36-jährige Hirte vom Volk der Afar hat durch die extreme Trockenheit seine Existenzgrundlage verloren (siehe Bericht im SPIEGEL). "Der Regen hilft, aber er kommt viel zu spät, und meine Tiere bringt er auch nicht zurück", sagt Utban. Vor drei Jahren war er noch stolzer Besitzer von 100 Ziegen, dann sind 50 verdurstet, schließlich blieben nur noch fünf übrig. Das ist viel zu wenig: Eine Nomadenfamilie braucht mindestens 15 Ziegen zum Überleben.

Ighale Utban
Jens Grossmann / Welthungerhilfe

Ighale Utban

In den Wüsten und Halbwüsten Afars sind infolge der Dürre bislang 440.000 Ziegen und Schafe, 105.000 Rinder, 15.000 Kamele und 4500 Esel verendet. Nun mangelt es den Nomaden an Fleisch und Milch, ihren wichtigsten Nahrungsmitteln. Und es fehlen die Lasttiere, auf die sie während ihrer beschwerlichen Wanderschaften angewiesen sind.

Eine vergessene Dauerkrise

"Gerade jetzt müssen wir verstärkt ran - mit Geld, mit konkreter Hilfe für den Wiederaufbau der Viehbestände, mit einer lauten Stimme", fordert Till Wahnbaeck, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Welthungerhilfe. Die humanitäre Organisation aus Bonn betreibt in Äthiopien seit 1972 zahlreiche Projekte zur Ernährungssicherung.

Till Wahnbaeck
Welthungerhilfe

Till Wahnbaeck

Wahnbaeck hat vor zwei Wochen Afar besucht, um sich ein Bild von der Notlage zu machen. "Dies ist eine vergessene Krise, weil sie weit weg von uns stattfindet und uns nicht so direkt bedroht wie die Flüchtlingskrise", bilanziert er. Für die Menschen in Äthiopien aber sei der Ausnahmezustand zum Normalfall geworden, seit Jahren folgten eine Mangelernte und eine Dürre der nächsten, und zwischen den Krisen gebe es keine Erholung mehr.

Die äthiopischen Kleinbauern und Hirten sind nach den jüngsten Niederschlägen zwar erleichtert, aber die desaströsen Folgen der Dürre werden noch lange nachwirken. Die Getreidespeicher sind leer, das Viehfutter ist aufgebraucht. Und mancherorts regnet es mittlerweile so kräftig, dass die Felder überschwemmt werden und Straßen sich in Schlammpfade verwandeln. Das erschwert den Transport von Hilfsgütern in abgelegene Dörfer.

Immerhin können die Ackerbauern im Tiefland jetzt Mais und Hirse anbauen, sie dürfen auf eine bessere Ernte als im Vorjahr hoffen. Damals fiel Belg, die kleine Regenzeit, aus. Entscheidend wird aber die nächste Aussaat der Hauptnahrungsmittel Teff und Weizen im Juni und Juli. Wenn dann Kiremt, die große Regenzeit, noch einmal ausbleiben sollte, könnte sich die Versorgungskrise weiter zuspitzen.

Jedes vierte Kind ist unterernährt

Durch die periodischen Dürren, die Äthiopien seit acht Jahren heimsuchen, sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 20 Millionen Menschen vom Hunger bedroht - ein Fünftel der 102 Millionen Einwohner. Jedes vierte Kind ist schon heute unterernährt. Agrarexperten sprechen von einem strukturellen Nahrungsmitteldefizit, also von Versorgungslücken, die durch die unproduktive Landwirtschaft und das schnelle Bevölkerungswachstum von 2,5 Prozent pro Jahr entstehen.

Nach amtlichen Angaben ist die landwirtschaftliche Produktivität in jüngster Zeit um jährlich 6,6 Prozent gestiegen, doch das ist eine Wunschstatistik, die nach Informationen von SPIEGEL ONLINE von der Regierung kräftig nach oben korrigiert wurde. Die Wirklichkeit im Hinterland sieht ganz anders aus: Millionen von Subsistenzbauern erzeugen gerade so viel, dass es zum Eigenverbrauch reicht. Es fehlt ihnen an Fachwissen, an Kapital, Maschinen, Kunstdünger, hochwertigem Saatgut und am Zugang zu Märkten. Sie bewirtschaften seit Jahrhunderten extrem magere Böden, die dem Staat gehören; es gibt folglich kaum Anreize, die Erträge zu steigern.

DER SPIEGEL

Kein Zweifel, Äthiopien ist in diesen Tagen auf den Beistand der internationalen Gemeinschaft angewiesen. Aber für die Zukunft des Landes ist die Regierung in Addis Abeba selbst verantwortlich. Niemand kann ihr die dringlichen Reformen abnehmen. Dazu gehören eine weitsichtige Bildungs- und Gesundheitspolitik; eine durchdachte Familienplanung, um die Zahl der Geburten zu reduzieren. Und die überfällige Modernisierung der Landwirtschaft: Äthiopien muss die "grüne Revolution" nachholen.

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hansulrich47 11.05.2016
1. Der vorletzte Satz ist wichtig!!!
Eine durchdachte Familienplanung. Leider steht im Artikel kein Wort darüber, wieviele Menschen früher in der Region gelebt haben. Vermutlich erheblich weniger. Dieses aride Land kann schlicht nur wenige Menschen ernähren. Es hilft auf Dauer eben nicht, immer tiefere Brunnen zu bohren. Die Grenzen des Wachstums erlauben es schlicht nicht auf unserer Erde planlos Kinder in die Welt zu setzen. Die Vorhersage für Afrika ist eine Verdopplung der Bevölkerung in wenigen Jahren von 500 Millionen auf 1 Milliarde. Hungersnöte sind so programmiert. Und Massenwanderungen in Richtung Europa auch. Mich irritiert, dass dies kein "Entwicklungspolitiker" offen als Problem anspricht. Nur Geburtenkontrolle wird Wohlstand für wenige bringen, unbegrenztes weiteres Wachstum dagegen Armut und Hunger für fast alle! Unsere Überschüsse dort hinschicken löst das grundsätzliche Problem nicht!
uweschmitz 11.05.2016
2. das Problem ist der Mensch
sein wir doch mal ehrlich! der Mensch ist das Problem, es gibt einfach zu viele! Es wird uns eingeredet: besser Produktivität heißt mehr Verpflegung, aber irgendwann kann unser Kosmos nicht mehr aufnehmen. Warum immer mehr und mehr? die Lösung stand ganz zum Schluß, fast verlegen! Bildung und vor allem Familienplanung!
von winkelried 11.05.2016
3. Unfähige Regierung
In Äthiopien ist in den letzten 50 Jahren 98 Prozent des Waldes abgeholzt wurden. Die Bevölkerung hat sich vervierfacht. Die Herden überweiden alles. Die Regierung ist autokratisch. Ist doch kein Wunder dass da eine Dürre herrscht? Immerhin konnte die Geburtenrate langsam gesenkt werden.
FrankBennesch 11.05.2016
4. So ist das nun mal
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten etwa 11 Millionen Menschen in Äthiopien, bis 1960 hat sich die Bevölkerung auf etwa 22 Millionen Menschen verdoppelt, um 1987 lebten etwa 44 Millionen Menschen im Land und für das Jahr 2010 wurden 80 Millionen geschätzt. https://de.wikipedia.org/wiki/Äthiopien Wo soll das Land herkommen um die Bevölkerung zu ernähren. Das ist leider fast überall so, bei Staaten, die auch Wüsten bzw. Halbwüsten haben. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, da kann das zur Katastrophe werden, wenn der Regen aus bleibt. Durch Platz schaffen von Ackerfläche etc., wurde auch der Wald gerodet, der als Wasserspeicher fungieren soll, sowie durch Brunnen ein absenken des Grundwasserspiegels. Solche Länder haben dann Probleme ihre eigene Bevölkerung zu ernähren. Mann sieht ja noch die Auswirkungen von der Bronzezeit/Eisenzeit um den Mittelmeerraum, die Natur hat sich bis heute nicht mehr erholt - und das ist schon ein paar Tage her. Also, was sollen Spenden bringen außer kurzfristige Linderung.
peter_freiburg 11.05.2016
5. Vermehrung
Die Menschheit vermehrt sich in manchen Regionen viel zu schnell. DAS ist das größte Problem der Menschheit. Nicht Klimawandel, nicht Kriege oder Konflikte. Wie will man die alle adäquat ernähren, versorgen etc.? Darf man als Politiker aber nicht sagen...
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