Spannungen in Addis Abeba Gewaltsame Proteste in Äthiopiens Hauptstadt

Nach ethnischer Gewalt durch die Oromo-Volksgruppe haben in Äthiopiens Hauptstadt Tausende für mehr Sicherheit demonstriert. Am Wochenende waren 23 Menschen bei Übergriffen gestorben.

Äthiopische Soldaten und Protestierende in Addis Abeba
AP

Äthiopische Soldaten und Protestierende in Addis Abeba


Am Rande der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sind am Wochenende mindestens 23 Menschen getötet worden. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, wurden bei den Gewalttaten ethnische Minderheiten attackiert. Jugendliche Banden, die der Volksgruppe der Oromo angehören, sollen demnach Angehörige anderer Ethnien angegriffen haben.

Gegen die Gewaltwelle protestierten in der Hauptstadt Addis Abeba Tausende Menschen. Auslöser der Gewalt war möglicherweise, dass die Führung und viele Kämpfer der oppositionellen Oromo-Befreiungsfront am vergangenen Samstag aus dem Exil zurückkehrten.

Bei den Montagprotesten seien mindestens fünf weitere Menschen getötet worden, sagte Äthiopiens Polizeichef Zeynu Jemal dem staatlichen Sender Fana. Sie hätten versucht, Polizisten ihre Waffen wegzunehmen.

Rückschlag für Regierungschef Abiy

Die Gewaltausbrüche sind vor allem für Ministerpräsident Abiy Ahmed ein Rückschlag. Er gehört selbst den Oromo an und ist der erste Ministerpräsident mit diesem ethnischen Hintergrund, die die größte Volksgruppe in Äthiopien stellen. Er will das Land reformieren und versöhnen und strich die Oromo-Befreiungsfront von der Terrorliste. Die Oromo beklagen seit Jahren von anderen, kleineren ethnischen Gruppen marginalisiert und diskriminiert zu werden.

Die Demonstranten zogen am Montag durch Addis Abeba und riefen unter anderem Regierungschef Abiy Ahmed dazu auf, die Bürger der Hauptstadt künftig besser zu schützen.

Im Vielvölkerstaat Äthiopien leben mehr als 80 Volksgruppen, und es gibt immer wieder Konflikte über Land und Ressourcen. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Demonstrationen in Oromia, die vom Staat teils brutal niedergeschlagen wurden. Die Proteste führten im Februar zum Rücktritt des damaligen Regierungschefs Hailemariam Desalegn.

höh/dpa/Reuters



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