Äthiopien Tödliche Massenpanik auf religiösem Festival

Bei einem religiösen Ritual ist es in Äthiopien zu einer Massenpanik gekommen. Mit Tränengas und Warnschüssen waren Polizisten gegen Regierungskritiker vorgegangen. Laut Augenzeugen starben Dutzende Menschen.

Tumulte beim Festival in der Region Oromia
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Tumulte beim Festival in der Region Oromia


Auf einem religiösen Festival in Äthiopien sind offenbar viele Menschen bei einer Massenpanik ums Leben gekommen. Sicherheitskräfte hatten versucht, regierungskritische Proteste auf der Veranstaltung in der Region Oromia zu stoppen - mit Tränengas und Warnschüssen. Daraufhin brach Panik unter den Besuchern aus, viele Menschen stürzten übereinander in einen Graben.

Wie viele Menschen dabei verletzt wurden oder starben, ist noch unklar. Vertreter der Opposition sprachen von mindestens 50 Todesopfern. Die Regierung gab zunächst keine Zahlen bekannt, sprach aber von mehreren Verletzten und Toten.

Verletzte warten auf Hilfe
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Verletzte warten auf Hilfe

Tausende Menschen waren zu dem jährlichen Festival in die Stadt Debre Zeyit gekommen, 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Addis Abeba. Laut Berichten von Augenzeugen hatten Demonstranten auf einer Kundgebung "Wir brauchen Frieden" und "Wir brauchen Gerechtigkeit" skandiert. Auch hätten sie Steine und Flaschen in Richtung der Sicherheitskräfte geworfen. Zudem sollen die Regierungskritiker Flaggen einer Rebellengruppe geschwenkt haben, die bei der Regierung als terroristisch gilt.

Äthiopien erlebt seit Ende vergangenen Jahres die stärksten regierungskritischen Proteste seit zehn Jahren. Sie begannen im November in der Region Oromia und weiteten sich in den vergangenen Monaten auf die Region Amhara aus. Ursprünglich richteten sich die Demonstrationen gegen eine geplante Ausweitung der Stadtgrenzen von Addis Abeba, mittlerweile aber auch zunehmend gegen die Regierung.

Sicherheitskräfte auf dem Festival
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Sicherheitskräfte auf dem Festival

Immer wieder schlagen Sicherheitskräfte die Proteste nieder. Noch im August kamen Dutzende Regierungskritiker bei Protesten in der Region ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Nach Schätzungen von Menschenrechtsaktivisten wurden seit Ende 2015 Hunderte Menschen getötet.

Bei den Wahlen im Jahr 2015 hatten die Oppositionsparteien ihren einzigen Sitz im Parlament verloren. Sie werfen der Regierung vor, die Ergebnisse manipuliert zu haben. Äthiopien am Horn von Afrika gilt als einer der ärmsten Länder der Welt. Dort leben etwa hundert Millionen Menschen.

che/Reuters/AFP



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