Affären Lobbyist Abramoff muss jahrelang ins Gefängnis

Der in einen Korruptionsskandal verwickelte US-Lobbyist Jack Abramoff ist zu fünf Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte gestanden, mit gefälschten Dokumenten Kredite für den Kauf von Casino-Schiffen bekommen zu haben.


Miami - Ein Gericht im US-Bundesstaat Florida befand den Angeklagten des Betruges im Zusammenhang mit dem Kauf von Casino-Schiffen für schuldig. Der 47-Jährige hatte sich bereits im Januar in diesem Fall schuldig bekannt.

Abramoff: Kredite für Casino-Schiffe
AP

Abramoff: Kredite für Casino-Schiffe

Abramoff gab zu, mit gefälschten Dokumenten Kredite von rund 60 Millionen Dollar (rund 50 Millionen Euro) erschlichen zu haben. Mit dem Geld kaufte er sich nach eigenen Angaben eine Flotte von Casino-Schiffen in Florida. Durch sein Geständnis erreichte Abramoff eine deutliche Minderung seiner Strafe. Sonst hätten ihm bis zu 30 Jahre gedroht.

Abramoff bleibt vorerst auf freiem Fuß, weil er den Ermittlern zusagte, über die Bestechung von Politikern umfassend auszusagen. Abramoff und sein Geschäftspartner Adam Kidan wurden jedoch dazu verurteilt, aus den zwielichtigen Geschäften in Florida 21,7 Millionen Dollar zurückzuerstatten. Weitere Verfahren gegen Abramoff sind noch anhängig.

Abramoff steht auch im Mittelpunkt einer Bestechungsaffäre, die in der Hauptstadt Washington für Wirbel sorgt. Der einstige Netzwerker soll hochrangige Mitglieder der Partei von Präsident George W. Bush, den Republikanern, bestochen haben. Der Fall könnte sich daher zum Stolperstein für die Partei bei den Kongresswahlen im November entwickeln.

Abramoff hat in einem Interview der Zeitschrift "Vanity Fair" erklärt, dass er mit vielen hochrangigen Republikanern eng zusammengearbeitet habe. Wenn sie dies abstritten, würden sie lügen, sagte er. Dem Wahlkampfkomitee der Demokraten im Kongress zufolge zahlte Abramoff Abgeordneten der Republikaner mehr als 120.000 Dollar.

Vor dem Hintergrund der zahlreichen Skandalberichte über die Bestechungspraktiken Abramoffs beschloss der US-Senat eine Serie von Maßnahmen gegen exzessives Lobbying. Ex-Senatoren, die sich als Lobbyisten verdingen, sollen künftig nicht mehr das Recht haben, während der Beratungen über Gesetzesvorlagen den Plenarsaal zu betreten, vor allem nicht kurz vor Abstimmungen. Für Dienstreisen und Einladungen zu Geschäftsessen gelten künftig strengere Vorschriften. Zahlreiche Politiker in Washington müssen befürchten, dass sie bei den Wahlen im November ihre Ämter einbüßen, weil sie bei den Wählern als korrupt gelten.

als/AFP/Reuters



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