Überfall in Pakistan Militante köpfen sieben Soldaten

Der Vorfall belastet die nachbarschaftlichen Beziehungen: Mehr als hundert Militante aus Afghanistan griffen auf pakistanischem Gebiet einen Grenzposten an. Sie töteten 13 Soldaten, sieben schlugen sie den Kopf ab. Islamabad macht Kabul für den Terror verantwortlich.

Pakistanische Soldaten an der Grenze zu Afghanistan: Kaum kontrollierbares Gebiet
AP

Pakistanische Soldaten an der Grenze zu Afghanistan: Kaum kontrollierbares Gebiet

Von , Islamabad


Die pakistanischen Soldaten waren machtlos gegen die Angreifer. Aufständische schossen zunächst zwei Raketen auf die Militärs, dann eröffneten sie das Gewehrfeuer, bestätigte das Armeehauptquartier am Dienstag. "Mehr als hundert Militante sind von Afghanistan aus in pakistanisches Hoheitsgebiet eingedrungen und haben auf uns geschossen", sagte ein Sprecher. Demnach hätten sie die Grenze im Schutz der Dunkelheit überschritten und seien später auf eine Patrouille gestoßen.

Bei den Gefechten seien zunächst sechs Soldaten getötet worden. Elf weitere seien verschleppt worden, von sieben habe man später die Leichen gefunden. "Sie wurden geköpft", sagte der Offizier. "Von den anderen vier fehlt noch jede Spur." Die pakistanischen Truppen töteten in dem Gefecht 14 Terroristen. Der Vorfall ereignete sich in dem Distrikt Lower Dir, direkt an der Grenze zu Afghanistan, in den Tripaman-Höhen.

Es muss ein Überraschungsangriff gewesen sein, denn das Militär verlor plötzlich den Kontakt zu der Einheit und meldete sie später auch bei der afghanischen Polizei als vermisst.

Vorwürfe gegen Afghanistan

Der neue pakistanische Premierminister Raja Pervez Ashraf erklärte, er würde, "so Gott will", bei Afghanistans Präsident Hamid Karzai persönlich protestieren. Das Außenministerium bestellte den stellvertretenden afghanischen Botschafter ein. Der Armeesprecher sagte, man habe sich auch bei den afghanischen Militärs beschwert. Ein Offizier sagte, die Streitkräfte im Nachbarland würden "wenig bis nichts gegen die Terroristen tun, die sich auf afghanischem Gebiet verstecken". Sie könnten dort "in aller Ruhe Anschläge in Pakistan planen".

In der Region ist es bereits öfter zu Zusammenstößen zwischen Militanten und Soldaten gekommen. Pakistan wirft Afghanistan regelmäßig vor, nicht energisch genug gegen Terroristen vorzugehen. Islamabad begegnet damit afghanischer und US-amerikanischer Kritik, wonach sich die meisten Extremisten auf pakistanischem Gebiet verstecken würden. Insbesondere den Stammesgebieten, die zwar offiziell von der Regierung in Islamabad verwaltet werden, in denen der pakistanische Staat aber keine Macht hat, gelten als Rückzugsgebiet von Islamisten. Die USA führen hier einen Luftkrieg per Drohnen.

Grenze kaum kontrollierbar

Die pakistanischen Taliban verbreiteten die Nachricht, dass sie den Angriff auf die Soldaten zu verantworten hätten. Ob ihre Kämpfer von Afghanistan aus kamen, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Die Behauptung, es seien auch 14 Militante getötet worden, sei aber "falsch".

Die afghanische Polizei bezweifelte, dass es sich um einen Angriff von Militanten aus Afghanistan handelte. Ein Beamter sagte auf Nachfrage, es sei "theoretisch möglich", dass eine so große Gruppe unbemerkt in Pakistan eingedrungen sei. "Die Grenze ist lang, eine hundertprozentige Kontrolle daher nicht möglich", sagte er. "Aber warum sollten ausgerechnet afghanische Militante verantwortlich sein für den Angriff? Genauso gut können das pakistanische Angreifer gewesen sein. Die haben ja eine Menge Terroristen dort."

Eine unabhängige Überprüfung der Angaben des Militärs und der Taliban war nicht möglich. Die Region ist für Ausländer kaum zugänglich. Lokale Reporter berichteten zwar von Schüssen und Explosionen, die sie gehört hätten, konnten aber die einzelnen Angaben nicht bestätigen.

Der Vorfall zeigt, wie schwierig das Verhältnis zwischen den Nachbarstaaten ist. Afghanistan erkennt bis heute die von den britischen Kolonialherren im Jahr 1893 festgelegte, knapp 2700 Kilometer lange Grenze nicht an. Sie führt mitten durch das von Paschtunen bewohnte Gebiet, viele Familien haben Angehörige beiderseits dieser Grenze. Über lange Strecken führt sie durch schroffes Gebirge und ist kaum zu kontrollieren. Immer wieder drohten pakistanische Politiker damit, die Grenze zu verminen, sollte der Terror nicht aufhören.

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