Afghanische Sicherheitskräfte US-Agenten sollen Unterwanderung durch Taliban stoppen

Eine Gruppe von 80 US-Agenten soll die afghanischen Sicherheitskräfte nach gefährlichen Mitarbeitern durchforsten. Es gibt allen Grund für verstärkte Sicherheitsüberprüfungen. Afghanistans Geheimdienst befürchtet, dass längst zahlreiche Taliban-Anhänger eingesickert sind.

Vereidigung von afghanischen Polizisten: US-Hilfe für Sicherheitsüberprüfungen
AFP

Vereidigung von afghanischen Polizisten: US-Hilfe für Sicherheitsüberprüfungen


Kabul - Die Gefahr lauert oft in den eigenen Reihen. Nach einer Schätzung des afghanischen Geheimdienstes NDS, die dem SPIEGEL vorliegt, gibt es innerhalb der Afghanischen Nationalarmee und der Polizei 130 bis 150 sogenannte Schläfer. Diese könnten jederzeit für Angriffe auch gegen die internationalen Truppen aktiviert werden, heißt es. Selbst innerhalb der Feldlager seien deswegen blutige Angriffe zu fürchten.

Um sich gegen diese Art der Unterwanderung zu schützen, wollen die USA nun etwa 80 Spezialisten nach Afghanistan schicken. Die "New York Times" berichtet von der Spionageabwehr-Offensive und beruft sich dabei auf US-Militärvertreter. Einige der Agenten seien bereits vor Ort. Die anderen würden in Kürze folgen, sagte David Simons, Sprecher der Nato-Ausbildungsmission für die afghanischen Truppen. Nach dem Bericht der Zeitung arbeiten bereits 200 afghanische Mitarbeiter an Sicherheitsüberprüfungen mit. Bis zum Ende des Jahres solle ihre Zahl verdoppelt werden.

Die Spezialisten sollen neue Rekruten überprüfen sowie aus den Akten der bereits aktiven Sicherheitskräfte mögliche Verdächtige herausfiltern. Es gehe um Menschen, die zugänglich für die Annäherungsversuche der Extremisten sein könnten - aus persönlichen und finanziellen Gründen oder auf Grund von Erpressung. Das Reservoir an möglichen Unterstützern scheint in jedem Fall groß: Bis zu sieben Prozent aller afghanischen Soldaten und Polizisten sympathisieren nach NDS-Schätzungen mit dem Gedankengut der Taliban.

Seit März 2009 hat es mindestens 19 Angriffe gegeben, bei denen Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte ihre Waffen gegen Kollegen gerichtet haben. Dabei starben neben zahlreichen Angreifern weitere 57 Menschen. Die Nato erklärt, dass längst nicht alle Anschlagsfälle auf eine Taliban-Infiltration zurückgingen. Oft seien auch zwischenmenschliche Probleme, Stress und Müdigkeit der Auslöser für Bluttaten gewesen, sagte Truppensprecher Simons der "New York Times". Die Gefahr durch eine Unterwanderung sei aber durchaus real.

Mai war der blutigste Monat in Afghanistan seit vier Jahren

Die Fallzahlen in den vergangenen Monaten legen jedenfalls einen beunruhigenden Trend nahe. Erschwert wird die Situation durch illegal verkaufte Uniformen, die von Attentätern als Verkleidungen genutzt werden. Für die internationalen Truppen in Afghanistan ist Stabilität bei den einheimischen Sicherheitskräften essentiell. Armee und Polizei sollen im Jahr 2014 rund 395.000 Mann stark sein. Nur mit ihrer Hilfe lassen sich die Exit-Strategien der internationalen Partner, darunter Deutschland, auch tatsächlich umsetzen.

Dass die Sicherheitslage im Land allerdings weiter verschlechtert, beweisen aktuelle Zahlen der Uno. Demnach war der Mai der blutigste Monat für die afghanische Zivilbevölkerung seit mindestens 2007. Es habe mindestens 368 zivile Todesopfer und 593 Verletzte gegeben, erklärten Uno-Vertreter in Kabul. Das sei die höchste Zahl seit Beginn der monatlichen Statistiken. Man befürchte außerdem, dass sich die Lage im Sommer weiter verschlechtere. Zu dieser Jahreszeit werde traditionell mehr gekämpft.

Auf das Konto von regierungsfeindlichen Milizen gingen den Statistiken zufolge 301 zivile Todesopfer. Regierungstruppen seien für den Tod von 45 Zivilisten verantwortlich. In 22 Fällen, vor allem bei Schusswechseln zwischen beiden Seiten, könne man keine eindeutige Zuordnung treffen.

chs

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Seite 1
firem 11.06.2011
1. Seit Jahren geht das so
Junge Männer lassen sich von den Streitkräften anwerben, ausbilden und bezahlen. Ausgebildet entdecken sie ihr moslemisches Erbe und dass sie die Drecksarbeit für die Besatzer machen sollen. Also desertieren sie und werden Soldaten der neuen Volksmuhadschidin. Kaizar oder wie diese Marionette der USA heisst, hat bis heute nur überlebt, weil er sich von einer US-Leibgarde bewachen und nicht mehr im Lande blicken lässt. Sie sind verhasst, die Besatzer. Wie Besatzer in jedem Land der Welt gehasst werden. Mit einer Ausnahme. Die devoten Deutschen akzeptieren jeden Herren, egal woher. Sie sind die geborenen Untertanen.
Atheist_Crusader 11.06.2011
2. ...
Amerikanische Agenten werden nicht viel finden. Die können Akten lesen, aber keine Gesichter, keine Gesten. Für die Verrätersuche nimmt man Einheimische; die wissen, wie man in den Leuten liest. Natürlich bräuchte man dazu erstmal Einheimische, denen man 100% vertrauen kann. Ein einziger Doppelagent in einem Verrätersuchprogramm macht das Ganze schon ziemlich nutzlos. Aghanistan ist letztendlich ein Stammeskrieg. Dafür braucht man Stammeskrieger.
südd. 11.06.2011
3. Keine Zukunft
Zitat von sysopEine Gruppe von 80 US-Agenten soll die afghanischen Sicherheitskräfte nach gefährlichen Mitarbeitern durchforsten. Es gibt allen Grund für verstärkte Sicherheitsüberprüfungen. Afghanistans Geheimdienst befürchtet, dass längst zahlreiche Taliban-Anhänger eingesickert sind. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,768048,00.html
In ein zwei Jahren ziehen wir aus diesem gastlichen Land ab, es wird wieder sein wie vorher. Die gebauten Schulen werden wie auch die Straßen und Brunnen zerfallen und die einzelnen Stämme und Clans führen wieder gegen einander Krieg. Der Islam und das Stammeswesen sind in diesem Teil der Erde eine unheilige Allianz eingegangen. Der Versuch dies zu ändern durch Ausbildung und besetzten von hohen Stellen durch Reformkräfte ist kläglich gescheitert, wie dieses Beispiel an der Armee zeigt
leberknecht 11.06.2011
4. Das stimmt!
Zitat von firemJunge Männer lassen sich von den Streitkräften anwerben, ausbilden und bezahlen. Ausgebildet entdecken sie ihr moslemisches Erbe und dass sie die Drecksarbeit für die Besatzer machen sollen. Also desertieren sie und werden Soldaten der neuen Volksmuhadschidin. Kaizar oder wie diese Marionette der USA heisst, hat bis heute nur überlebt, weil er sich von einer US-Leibgarde bewachen und nicht mehr im Lande blicken lässt. Sie sind verhasst, die Besatzer. Wie Besatzer in jedem Land der Welt gehasst werden. Mit einer Ausnahme. Die devoten Deutschen akzeptieren jeden Herren, egal woher. Sie sind die geborenen Untertanen.
Das ist wohl ein bißchen komisch ? Als wäre das ganze Land nicht schon von CIA oder DNA unterwandert! Merke ganz einfach: Wenn Militär in Uniform(Truppen) da sind, ist der Geheimdienst schon lange da. Das war schon immer! Wie bei uns in Deutschland! Militär ist da (sogar bewaffnet mit Atomwaffen) und die Schlapphüte ebenfalls! zu firem: wie akzeptieren? Das ist richtig ! Damals waren die Russen unsere Freunde , heute sind es die Amis!
kb26919 11.06.2011
5. Das ist noetig
aber schaffen werden die US Agenten es nicht denn allzu viele Afghaner sympathisieren mit den Taliban oder werden durch Druck des eignen Clan dazu gezwungen mit zu machen. Ausserdem glaube ich nicht dass die Amerikaner Gedanken lesen koennen.
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