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Unterzeichung in Kabul: Regelung zu Nachteinsätzen in Afghanistan

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Trotz US-Aufklärung Afghanische Soldaten verweigern Nachteinsätze

Bei Nachtangriffen in Afghanistan sterben häufig auch Zivilisten. Nun wehrt sich das lokale Militär offenbar gegen diese Art der Kriegsführung. Immer öfter lassen die Einheiten die nächtlichen Attacken ausfallen - auch gegen den Rat der US-Armee.

Kabul - Bisher liefen viele Angriffe der afghanischen Armee auf Ziele im eigenen Land so ab: Aufklärer der US-Einheiten wiesen an, wann und wo eine Zielperson angegriffen werden kann - und die Afghanen schlugen los. Nun zeichnet sich offenbar ein Wandel ab.

In den vergangenen zwei Monaten haben sich Einheiten der lokalen Streitkräfte rund ein Dutzend Mal gegen Nachteinsätze entschieden, obwohl ihnen von ihren US-Kollegen ausdrücklich zum Angriff geraten wurden.

Wie die "Washington Post" unter Berufung auf afghanische Offizielle berichtet, habe dabei vor allem die Befürchtung über mögliche zivile Opfer eine Rolle gespielt. "Die Amerikaner sagten: 'Das ist ein wichtiges Ziel, die Aktion muss durchgeführt werden'. Aber meine Leute haben dann nur auf die vielen Frauen und Kinder in der Nähe des Ziels hingewiesen", zitiert das Blatt General Sher Mohammad Karimi, einen hohen Funktionär der afghanischen Militärs.

Dies sei in 14 bis 16 Fällen seit Anfang März geschehen, so Karimi. Mit ihrem selbstbewussten Vorgehen befolgen die Streitkräfte eine Anweisung von Präsident Hamid Karzai. "Wenn irgendwelche Zweifel an den US-Aufklärungsberichten besteht, sollten keine Aktionen durchgeführt werden", hatte dieser Offiziellen im Innenministerium erklärt.

Auch die USA bestätigen, wenn auch nicht offiziell, den neuen Kurs in dem umkämpften Land: "Die Afghanen haben das letzte Wort, ob es einen Angriff gibt oder nicht. So läuft das jetzt", zitiert die "Washington Post" einen anonymen US-Offiziellen.

Dabei berufen sich die afghanischen Streitkräfte auf ein Abkommen von Anfang April. Das Papier legt fest, dass alle nächtlichen Razzien ab sofort unter afghanischer Führung stehen. Die Regierung in Kabul nannte die Regelung "einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Souveränität des Landes".

Die Nachteinsätze westlicher Spezialkräfte beim Kampf gegen die Aufständischen, bei denen auf der Suche nach feindlichen Kämpfern etwa Häuser durchsucht werden, sind bei der afghanischen Bevölkerung äußerst unbeliebt und sorgen immer wieder für schwere Verstimmungen zwischen der Regierung in Kabul und dem Westen.

Weitere Übergaben für die nächsten Monate geplant

Schon bald sollen weitere Kompetenzen von den US-Kräften an die afghanische Armee übergehen. So werden noch im Sommer zahlreiche Regionen unter die lokale Aufsicht gestellt. Ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zu mehr Souveränität ist für September geplant: Dann soll das Gefängnis auf dem US-Stützpunkt Bagram an die afghanischen Behörden übergeben werden. Dort sind rund 3000 Gefangene inhaftiert.

All diese Maßnahmen zielen auf eine Regelung zwischen den USA und Afghanistan für die militärische Zusammenarbeit nach 2014 ab. Bis dahin soll die Nato-geführte Isaf-Truppe ihren Kampfeinsatz in dem Land beendet haben, die meisten der derzeit rund 130.000 Isaf-Soldaten sollen abgezogen werden. Die USA planen laut Regierungsvertretern, nach 2014 noch rund 15.000 US-Soldaten in Afghanistan zu belassen, unter anderem für die Ausbildung der afghanischen Armee und für den Kampf gegen den Terrorismus.

jok