Afghanistan Dutzende Zivilisten sterben bei Nato-Luftangriff

Die Nato hat in der nordafghanischen Provinz Kunduz nach eigenen Angaben Stellungen der Taliban bombardiert. Dabei kamen mindestens 30 Zivilisten ums Leben.


Bei einem Luftangriff auf die Taliban in der nordafghanischen Provinz Kunduz sind nach offiziellen Angaben auch 30 Zivilisten getötet worden. Unter den Opfern seien Kinder und Frauen, teilte ein Sprecher des Gouverneurspalastes mit. 26 Menschen seien verwundet worden. In sozialen Medien kursierten Bilder toter Kinder.

Ein Sprecher der Nato-Mission "Resolute Support" (RS) bestätigte, dass in der Region Luftangriffe geflogen worden seien. Die Angriffe seien erfolgt, um afghanische Streitkräfte am Boden zu schützen, die bei einem Einsatz unter Feuer geraten seien. "Wir nehmen alle Beschuldigungen zu zivilen Opfern sehr ernst", hieß es weiter. Da dies eine afghanische Operation gewesen sei, werde die Nato mit ihrem Partner gemeinsam den Vorfall untersuchen.

Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums sagte, dass auch afghanische Hubschrauber an dem Lufteinsatz beteiligt gewesen seien - "aber nur für den Nachschub und den Transport von Truppen". Das Schießen habe die Nato übernommen, alle zivilen Opfer gingen aber sicherlich auf das Konto der Taliban. Die Islamisten hätten sich in Häusern von Zivilisten versteckt.

Bereits rund 700 Nato-Luftangriffe in diesem Jahr

Nach offiziellen Angaben wurden bei dem Einsatz auch mindestens 14 Talibankämpfer getötet. Die Zahlen gehen aber auseinander. Übereinstimmenden Berichten zufolge starb auch der Operationsleiter der Taliban für Kunduz, Mullah Taki.

In der Nacht waren in Kunduz auch zwei US-Soldaten getötet sowie zwei weitere verletzt worden. In einer Nato-Stellungnahme vom Morgen hieß es, die Männer seien Teil der RS-Mission gewesen, die afghanische Streitkräfte ausbildet. Laut dem Sender Tolo TV starben auch zwei afghanische Spezialkräfte.

Nato-Luftangriffe werden üblicherweise von den US-Streitkräften durchgeführt. Die USA haben in Afghanistan in diesem Jahr etwa 700 Luftangriffe auf Stellungen der Taliban sowie der Terrormiliz "Islamischer Staat" geflogen.

Erst Ende September waren bei einem US-Drohnenangriff in der Ostprovinz Nangarhar mindestens 15 Zivilisten ums Leben gekommen. Im Juni starben bei einem Luftangriff auf ein Talibangefängnis in Kunduz mindestens sieben Zivilisten. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ein US-Helikopter eine Klinik der Organisation Ärzte ohne Grenzen für eine Talibanstellung gehalten und fast eine Stunde lang beschossen. Mehr als 40 Menschen starben, darunter Ärzte und Patienten.

brk/dpa

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