Fotostrecke

Afghanistan-Wahl: Raketen und Gewehre

Foto: MANAN VATSYAYANA/ AFP

Afghanistan Anschläge überschatten Präsidentenwahl

In Afghanistan haben Aufständische am Wahltag die Stadt Baghlan gestürmt und die Öffnung der Wahllokale verhindert. 22 Terroristen wurden nach Polizeiangaben getötet, es kam zu heftigen Kämpfen. Aus Kabul und anderen Landesteilen wurden weitere Schießereien gemeldet.

Kabul - Das afghanische Verteidigungsministerium spricht von einer "normalen" Lage im Land, dennoch werden aus vielen Landesteilen Schießereien und Anschläge gemeldet. Im Norden des Landes stürmten Aufständische die Stadt Baghlan, um die Öffnung der Wahllokale zu verhindern. Bei heftigen Kämpfen seien bis zu 22 Terroristen getötet worden, erklärte der Geheimdienstchef der Region SPIEGEL ONLINE.

Wie die Lage in Baghlan, etwa eine Autostunde südlich von Kunduz, zurzeit ist, sei kaum einzuschätzen. Der Geheimdienstvertreter sagte, die Aufständischen seien aus mehreren Richtungen in die Stadt vorgedrungen und hätten Teile der Stadt unter ihrer Kontrolle. Bei den Kämpfen wurde auch der Polizeichef von Baghlan getötet. Während die Polizei berichtete, die Angreifer seien zurückgeschlagen worden, schilderten Augenzeugen anhaltende Kämpfe.

Die Stadt Kunduz, wo die Bundeswehr ein Feldlager unterhält, war bereits am Morgen mit Raketen beschossen worden, dabei gab es auch Verletzte.

Die Gewalt im Norden passt sich ein in das Gesamtbild. Zwar wurde die Abstimmung von der Gewalt der Taliban nicht verhindert, doch in vielen Teilen des Landes massiv gestört. Aus dem Süden kamen Berichte über massiven Raketenbeschuss der Städte, der die Wähler von der Stimmabgabe gehindert hätte. Genaue Angaben waren nur schwer zu bekommen, da sich kaum Beobachter und Journalisten in der Region aufhalten.

In Kabul lieferten sich Polizisten und drei mutmaßliche Taliban-Kämpfer bereits am frühen Morgen heftige Schusswechsel. Die Extremisten hätten Selbstmordanschläge geplant, hieß es aus Polizeikreisen. Sie hätten ein Gebäude im Osten der Hauptstadt besetzt. Die Taliban bestätigten, drei Kämpfer seien in die Kämpfe verwickelt. Dies sei Teil des Plans, die Wahl zu stören.

In Kunduz, wo die Bundeswehr ein Feldlager mit derzeit rund 900 Soldaten betreibt, kam es am Morgen zu heftigen Angriffen. Insgesamt schlugen in der Stadt sieben Raketen ein, hieß es von der Bundeswehr, dabei soll es auch Verletzte gegeben haben. Eine Rakete hat demnach ein Wahllokal getroffen, weitere schlugen in der Nähe eines Krankenhauses ein.

Nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission soll die Wahl bislang dennoch relativ unproblematisch verlaufen. "Gott sei Dank wagen sich die Menschen im Land mutig auf die Straße und wählen mit viel Enthusiasmus", sagte Kommissionschef Asisullah Ludin am Donnerstag in Kabul. "Wir haben bislang keine außergewöhnlichen Probleme." Manche der mehr als 6500 Wahlzentren hätten aber wegen der angespannten Sicherheitslage nicht öffnen können.

Der deutsche Afghanistan-Experte Thomas Ruttig, der die Wahl in der südostafghanischen Provinz Paktia beobachtet, sprach von einem "sehr gemischten Bild". Der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network sagte: "Ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Ich bin mit einiger Angst rausgefahren, die sich aber nicht bewahrheitet hat." In der Provinzhauptstadt Gardes sei die Wahlbeteiligung gut gewesen, bis es dort zu einem Selbstmordanschlag in der Nähe eines Wahllokales gekommen sei, bei dem der Attentäter ums Leben kam.

In Distrikten nahe Gardes sei die Wahlbeteiligung bislang niedrig, sagte Ruttig, dort sei es ruhig. Entferntere Distrikte in Paktia seien aber mit Raketen beschossen worden. In einem Distrikt blockierten die Taliban Straßen, um die Menschen nicht zu den Wahllokalen zu lassen. In einem weiteren Distrikt hätten die Wahllokale nach einer Stunde bereits wieder geschlossen.

Die Präsidentschafts- und die Provinzwahl finden unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt. Rund 300.000 einheimische und ausländische Sicherheitskräfte sind im Dienst. 17 Millionen Wahlberechtigte sind zur Stimmabgabe aufgerufen.

Als Favorit für die zweite Präsidentschaftswahl seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban vor acht Jahren gilt Amtsinhaber Hamid Karzai. Allerdings könnte ihn sein härtester Konkurrent, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah, diesmal in eine Stichwahl zwingen.

hen/mgb/AFP/AP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.