Afghanistan Anschlag vor Nato-Hauptquartier in Kabul - mehrere Tote

Taliban-Angriff im Hochsicherheitsgebiet: Ein Selbstmordattentäter hat vor dem Nato-Hauptquartier in Kabul mindestens sieben Menschen mit in den Tod gerissen und Dutzende verletzt. Kurz vor den Wahlen haben Polizei und Geheimdienste die Sicherheit nicht mehr unter Kontrolle.

Von und Shoib Najafizada


Kabul - Mindestens sieben Tote und 91 Verletzte - das ist nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministerium die blutige Bilanz eines Selbstmordanschlags in Kabul fünf Tage vor den Wahlen in Afghanistan. Der Täter habe sich in einem Auto in die Luft gesprengt.

Ziel sei neben dem Isaf-Quartier auch die nahe gelegene US-Botschaft gewesen, sagte ein Taliban-Sprecher am Telefon zu SPIEGEL ONLINE. Seinen Worten nach sprengte sich der Täter in einem Toyota in die Luft. Der Taliban-Sprecher sagte, die Bombe habe mehrere ausländische Soldaten getötet. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht. Ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums befürchtet, dass die Opferzahl noch steigt.

Die Attacke ereignete sich in unmittelbarer Nähe des Nato-Hauptquartiers in einer Seitenstraße, die weitgehend für den normalen Verkehr gesperrt ist. Die Zone von Kabul, in der auch die US-Botschaft und der Präsidentenpalast liegen, gilt als Hochsicherheitszone, die nur nach Passieren von Dutzenden Checkpoints zugänglich ist. Auch die deutsche Botschaft liegt nur wenige Autominuten vom Ort des Anschlags entfernt. Die Explosion war so heftig, dass sie in ganz Kabul zu hören war.

Wie das afghanische Verteidigungsministerium mitteilte, waren unter den Verwundeten auch die Parlamentarierin Hawa Alam Nuristani und vier afghanische Soldaten. Die meisten erlitten demnach leichte Verletzung durch herumfliegende Glassplitter.

"Ich dachte, ein Flugzeug sei abgestürzt", sagte Augenzeuge Ahmed Farhad SPIEGEL ONLINE per Telefon. Der Ladenbesitzer sah einen riesigen Feuerball, dann wurde er von herumfliegenden Metallteilen umgeworfen. "Überall war Rauch, ich war taub von dem Knall", sagte er kurz nach dem Anschlag. Am Tatort wurden seinen Aussagen nach Dutzende Jeeps von ausländischen Truppen und Sicherheitsunternehmen beschädigt. Farhad sah auf der Straße mindestens zwei Leichen. Die Armee sperrte das Gelände umgehend ab.

Die Attacke in der Hochsicherheitszone ist für die Behörden peinlich, denn sie zeigt, wie fragil selbst in der Hauptstadt Kabul die Situation vor den Wahlen ist. Hunderte Polizisten, Soldaten und Geheimdienstler, das wurde deutlich, können die Sicherheit der Metropole nicht gewährleisten. Erst vor wenigen Tagen waren in Kabul auch wieder Raketen eingeschlagen. Afghanistan wählt am kommenden Donnerstag einen neuen Präsidenten.

Die Taliban hatten in den vergangenen Tagen ihre Drohungen massiv hochgefahren. In Interviews drohten die Sprecher der Truppe jedem Wähler und jedem, der beim Urnengang helfe, mit dem Tod. Im Süden des Landes verteilten sie Flugblätter. In drastischen Worten drohten sie darin, jedem Wähler den Finger, der nach der Stimmabgabe mit einer wasserfesten Tinte markiert wird, abzuschneiden.

Dass die Taliban auch in Kabul zuschlagen können, überrascht weder die internationalen Truppen noch die Sicherheitsexperten. Seit langem gehen vor allem die Geheimdienste davon aus, dass die Taliban auch in Kabul über ein logistisches Netzwerk mit Verstecken für Sprengstoff und Selbstmordattentäter verfügen. "Es ist nur die Frage, ob und wann sie angreifen wollen", sagte ein westlicher Geheimdienstmitarbeiter noch vor einigen Tagen.

Etwa 100.000 ausländische Soldaten und 200.000 afghanischen Sicherheitskräfte sollen die Wahlen in der nächsten Woche schützen.

mit Material von dpa, Reuters und AFP



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