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Afghanistan: Sondereinheit für Hausdurchsuchungen

Foto: Musadeq Sadeq/ AP

Ersatz für abziehende US-Truppen Afghanistan bildet Soldatinnen für Sondereinheiten aus

Während die USA über Frauen an der Front streiten, trainiert die afghanische Armee bereits Soldatinnen für den Einsatz in Spezialeinheiten. Sie sollen bei Einsätzen gegen Aufständische helfen - und eine Lücke füllen, die der US-Abzug 2014 lassen wird.

Kabul - Die Rolle der Frau in Afghanistan ist um einen Widerspruch reicher: Noch immer ist das Land eine männerdominierte, ultrakonservative Stammesgesellschaft. In der afghanischen Armee hingegen dienen Frauen Seite an Seite mit ihren männlichen Kollegen. In Zukunft sollen Soldatinnen sogar in Spezialeinsatzkräften der Armee Dienst tun und bei nächtlichen Einsätzen gegen Rebellen helfen.

"Wenn Männer diese Aufgaben übernehmen können", fragt Lena Abdali, "warum dann nicht auch Frauen?" Die 23-Jährige war eine der ersten Frauen, die der Spezialeinheit beitrat. Sie trägt das traditionelle Kopftuch - unter einem Helm, dazu Militäruniform und Splitterschutzweste.

Seit 2011 rekrutiert die Armee Soldatinnen für ihre Sondereinheiten. Sie werden vor allem für Hausdurchsuchungen trainiert: Die nächtlichen Einsätze gegen mutmaßliche Aufständische sind in der Bevölkerung verhasst, weil sie die Privatsphäre und kulturelle Gepflogenheiten verletzen. Vor allem gilt es als Tabu, dass männliche Soldaten afghanische Frauen durchsuchen. Diese Aufgabe sollen in Zukunft die weiblichen Einsatzkräfte übernehmen. Wird ein Haus gestürmt, bringen die Soldatinnen Frauen und Kinder aus der Gefahrenzone und befragen und durchsuchen sie anschließend.

US-Präsident Barack Obama will binnen eines Jahres rund die Hälfte der etwa 66.000 amerikanischen Soldaten aus Afghanistan abziehen. Für die junge afghanische Armee bedeutet das: Sie muss mehr Verantwortung für die fragile Sicherheit des Landes übernehmen. Die weiblichen Einsatzkräfte sollen dabei helfen.

Bisher sind von den 195.000 afghanischen Soldaten nur 1000 weiblich. Armeeangehörige wie Lena Abdali müssen sich für ihren Job an der Seite männlicher Kollegen rechtfertigen - oder ihren Beruf sogar verheimlichen. Nur wenige ihrer Verwandten wissen über Abdalis Arbeit in der Sondereinheit Bescheid. Die junge Frau ist dennoch überzeugt, dass sich ihr Einsatz lohnt: "Wenn ich nicht hingehe und mein Leben für die Frauen und die Kultur Afghanistans in Gefahr bringe, wer soll es dann tun?"

Lob bekommen die Soldatinnen von ihrem Vorgesetzten. "Wir hatten jede Menge Probleme, als wir noch keine Soldatinnen in unseren Einheiten hatten", sagt Jalaluddin Yaftaly, Kommandeur der Spezialkräfte. "Weibliche Einsatzkräfte sind ziemlich nützlich."

Auch in den USA wird derzeit diskutiert, ob Frauen an der Front dienen sollen. Denn in der US-Armee dienen zwar bereits 200.000 Soldatinnen, doch von der Teilnahme am direkten Kampfgeschehen sind sie ausgeschlossen. Verteidigungsminister Leon Panetta will das ändern, bis 2016 sollen "alle Geschlechterbarrieren im US-Militär fallen". Frauen sollen dann auch in Elite-Kommandos eingesetzt werden dürfen.

nwi/AP
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