Terror in Kabul Autobomben-Anschlag vor Ausländerhotel

Bei einem Terroranschlag nahe einer schwer gesicherten Ausländerunterkunft sind in Kabul mindestens vier Menschen getötet worden. Nach SPIEGEL-Informationen wurden auch zwei deutsche Polizisten durch herumfliegende Splitter verletzt.

Verletzter nach Anschlag in Kabul
JAWAD JALALI/EPA-EFE/REX

Verletzter nach Anschlag in Kabul

Von und


In Kabul haben erneut Terroristen mitten in der Hauptstadt zugeschlagen. In einem mit Sprengstoff beladenen Auto näherte sich am Nachmittag ein Selbstmordattentäter dem schwer gesicherten "Green Village" an der Jalalabad Road, einem gleich durch mehrere Mauern abgeschirmten Wohnviertel für Ausländer, dann zündete er die Bombe.

Die Detonation war in der ganzen Stadt zu hören, gleich danach stieg eine schwarze Rauchsäule über dem Stadtzentrum in den Himmel. Es war eine traurige Erinnerung, dass die afghanische Hauptstadt alles andere als sicher ist.

Viele Kinder unter den Verletzten

Die Bilanz der Attacke ist deprimierend. Vier Afghanen, drei davon Polizisten, wurden durch die Detonation getötet, ein weiterer Zivilist kam ebenfalls ums Leben. Ein paar Stunden nach der Attacke meldete das Innenministerium, dass bis 90 Menschen, darunter sehr viele Kinder, durch die Autobombe zum Teil schwer verletzt worden sind.

Die Attacke, so jedenfalls die erste Analyse, galt dem "Green Village". In dem schwer gesicherten Komplex, umgeben von hohen Mauern und nur durch mehrere Sicherheitsschleusen zu erreichen, wohnen die wenigen in Kabul verbliebenen Ausländer, Beamte der EU, der UN oder auch der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Deutsche Polizisten durch Glassplitter verletzt

Nach SPIEGEL-Informationen wurden durch die Druckwelle am Montagnachmittag auch zwei deutsche Polizisten verletzt, es handelt sich um einen Bundespolizisten und einen Polizeibeamten aus Nordrhein-Westfalen.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden die beiden Deutschen durch herumfliegende Glassplitter an der Hand und am Auge verletzt, es soll es sich aber um leichte Blessuren handeln.

Nach ersten Angaben befanden sich die deutschen Polizisten, die im Zug eines Ausbildungsprojekt die afghanischen Sicherheitskräfte unterstützen, beim Abendessen in dem gesicherten Komplex als die Bombe explodierte. Aus Sicherheitsgründen sind die deutschen Teilnehmer an der Polizeimission seit geraumer Zeit im "Green Village" untergebracht.

Keine Hinweise zu den Tätern

Bilder aus dem "Green Village" zeigen, wie heftig die Explosion auch innerhalb des Wohnviertels war, das mehr einem Militärlager als einem Hotel gleicht. So zersprangen in den Cafes und Restaurants viele Glasscheiben, laut Zeugenaussagen wurden die Bewohner umgehend in extra gesicherte Bunker gebracht.

Der Vorfall vom Montag zeigt erneut, wie gefährlich jede Art von Hilfsmission in Afghanistan derzeit ist. Egal ob bei der Armee- oder der Polizeiausbildung müssen ausländische Soldaten oder Polizisten wesentlich mehr Zeit für die Eigensicherung als für das eigentliche Training aufbringen.

Wer hinter dem Anschlag steckt, ist bisher unklar. Die Terror-Guerilla der Taliban, sonst sehr schnell mit Bekennerschreiben oder Twitter-Nachrichten über ihre Angriffe, schwiegen bis zum Abend.



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.