SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

03. Dezember 2001, 17:51 Uhr

Afghanistan

B-52 bombardieren Kandahar

Die Amerikaner haben in Afghanistan ihre massiven Angriffe gegen die Taliban-Hochburg Kandahar fortgesetzt. Jetzt kommen auch Fernbomber vom Typ B-52 zum Einsatz.

US-Angriffe in Afghanistan: B-52-Bomber
AFP

US-Angriffe in Afghanistan: B-52-Bomber

Chaman - Die B-52-Bomber flogen mehrere Angriffe über dem Süden Afghanistans. "Das sind sehr schwere Bombenangriffe", sagte ein aus der Gegend um Kandahar geflüchteter Mann. Die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, in der Nacht und bis in den Morgen hinein habe es schwere Luftangriffe auf die Region gegeben. Dabei seien mindestens zwei Bewohner einer bei Kandahar gelegenen Ortschaft getötet worden.

Kandahar ist der Hauptsitz der Taliban-Bewegung und liegt in dem letzten zusammenhängenden Gebiet, das von ihr gehalten wird. US-Außenminister Colin Powell sagte, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Taliban besiegt und Osama Bin Laden gefunden seien.

Die US-Armee baute am Montag außerdem ihre bei Kandahar errichtete Basis aus und brachte weitere gepanzerte Fahrzeuge und Panzerabwehrwaffen auf das Flugfeld. Sie würden zum Schutz der Basis eingesetzt werden, sagte ein Sprecher. Die USA haben das Flugfeld vor acht Tagen besetzt, von dort aus jedoch offenbar noch nicht in die Kämpfe eingegriffen.

Die im Osten gelandete Spezialeinheit der US-Armee soll nach Angaben von AIP aus 20 Elitesoldaten bestehen. Die USA halten es für möglich, dass sich Bin Laden in der bei Dschalalabad gelegenen Festung Tora Bora versteckt. Bei Luftangriffen auf die Gegend seien seit Sonntag 58 Menschen getötet worden, meldete AIP weiter. Für Angaben aus dem Kampfgebiet gibt es keine unabhängigen Bestätigungen.

Stammesverbände der Paschtunen aus der Region griffen weiter den Flughafen von Kandahar an. Ein Sprecher sagte, es gebe noch immer heftige Gefechte mit arabischen und tschetschenischen Gefolgsleuten von Bin Laden.

Ein hochrangiger Überläufer der Taliban bekräftigte in einem Interview mit Reuters, dass Taliban-Chef Mullah Mohammed Omar sich nicht ergeben werde, sondern bis zum letzten Atemzug kämpfen wolle. "Eines ist klar: Er weiß, dass die Amerikaner ihn töten werden, ob mit oder ohne Kampf", sagte Hadschi Mullah Chaksar, der in der Taliban-Regierung stellvertretender Innenminister war.

Auch in der Grenzregion der Provinz Kandahar mit Pakistan gab es Vorstöße und Vorbereitungen auf Kämpfe. Die Straße von Kandahar an die Grenze sei von Taliban-Gegnern blockiert, sagte ein Lastwagenfahrer nach seiner Ankunft im pakistanischen Grenzort Chaman.

Im Chaman gegenüberliegenden Spin Boldak führte der Kommandeur eines der Stammesverbände eigenen Angaben zufolge Verhandlungen über die Aufgabe der Grenzstadt durch die Taliban. Ein anderer Kommandeur hatte seine Verhandlungen in der vergangenen Woche abgebrochen. Die Taliban-Gegner versuchen sich durch territoriale Erfolge Einfluss auf die spätere Machtverteilung im Land zu sichern.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung