Afghanistan Bis zu 90 Zivilisten bei US-Luftangriff getötet

Wütende Proteste: Der Tod von bis zu 90 Zivilisten bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition hat in Afghanistan zu großer Empörung geführt. Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte das Vorgehen der ausländischen Truppen.


Kabul - Die Regierung und Menschenrechtsorganisationen entsandten Untersuchungskommissionen. Hunderte Einwohner des angegriffenen Dorfes Asis Abad in der westlichen Provinz Herat protestierten und warfen Steine auf afghanische Soldaten. Unterdessen kamen bei zwei Anschlägen der radikalislamischen Taliban im Süden des Landes 14 Zivilisten ums Leben, darunter eine Frau und zwei Kinder.

Politiker der Provinz Herat hätten am Samstagmorgen bei einem Besuch des abgelegenen Dorfes im Distrikt Shindand etwa 90 Leichen gezählt, sagte Polizeisprecher Abdul Rauf Ahmadi. Das afghanische Innenministerium hatte am Freitag von 50 Kindern, 19 Frauen und acht Männern, die bei dem Angriff getötet worden seien, berichtet.

Nach Angaben Ahmadis griffen mehrere Hundert aufgebrachte Dorfbewohner afghanische Soldaten an, die den Angehörigen der Opfer Hilfe bringen sollten. Als die Angegriffenen zurückgeschossen hätten, seien drei Demonstranten verletzt worden. Daraufhin seien die Soldaten wieder abgerückt.

Die US-geführten Koalitionstruppen erklärten, die Vorwürfe würden "sehr ernst genommen". Der Uno-Koordinator für Afghanistan, Kai Eide, sagte, eine gründliche Untersuchung des Vorfalls sei unbedingt notwendig. Die Vereinten Nationen hätten mehrfach deutlich gemacht, dass "zivile Opfer inakzeptabel" seien: "Sie untergraben das Vertrauen und die Zuversicht des afghanischen Volkes."

Präsident Karsai weiter: "Alle unsere Anstrengungen, zivile Opfer zu vermeiden, haben keine positiven Ergebnisse gebracht, und unsere unschuldigen Landsleute werden immer noch bei Anti-Terrorismus-Operationen getötet." Er kündigte an, die Regierung werde in Kürze einen Maßnahmenkatalog bekannt geben, um künftig den Tod von Zivilisten möglichst zu vermeiden.

Zivile Opfer bei Operationen ausländischer Soldaten in Afghanistan sorgen für zunehmenden Unmut in der Bevölkerung. Die Regierung von Karsai und die Uno haben die internationalen Truppen bereits mehrfach zu größerer Vorsicht aufgerufen. Erst Mitte Juli waren bei einem US-Luftangriff auf eine Hochzeitsgesellschaft in der ostafghanischen Provinz Nangarhar 47 Zivilisten getötet worden.

Bei den beiden Taliban-Anschlägen kamen 14 Zivilisten ums Leben. Im Shah Walikot-Distrikt der Provinz Kandahar seien zehn Zivilisten gestorben, darunter die Frau und die beiden Kinder, als am Samstagmorgen eine Bombe am Straßenrand explodierte, hieß es nach Polizeiangaben. Bei einem weiteren Bombenanschlag in der Provinz Khost seien vier Zivilisten getötet und sieben verletzt worden, hieß es weiter.

In der Provinz Helmand starben unterdessen bei bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Taliban und Koalitionstruppen 17 Taliban-Kämpfer, wie ein Polizeisprecher am Samstag bekanntgab.

Insgesamt wurden bei Kämpfen in diesem Jahr nach afghanischen Militärangaben bereits rund 3000 Menschen getötet. Davon sollen etwa tausend Zivilisten gewesen sein.

jdl/dpa



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