Afghanistan Bombenanschlag auf Ministerium - viele Tote

Attentat auf das Informationsministerium im afghanischen Kabul: Bei einer Bombenexplosion wurden nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs mindestens fünf Menschen getötet, die genauen Zahlen sind noch nicht bekannt.


Kabul - Auf das afghanische Informationsministerium in Kabul ist am Donnerstag nach Polizeiangaben ein Bombenanschlag verübt worden. Die Explosion habe große Schäden am Gebäude angerichtet.

Fünf Menschen wurden dabei nach Angaben des stellvertretenden Polizeichefs von Kabul, Alischah Ahmadsai, getötet. Fünf weitere Menschen seien verletzt worden, sagte Ahmadsai. Die Zahl könne aber noch steigen. Ein Selbstmordattentäter soll versucht haben, in das Ministerium einzudringen. Als er von der Polizei gestoppt wurde, zündete er seine Bombe in der Eingangshalle.

Das Ministerium liegt im Zentrum von Kabul, ganz nah an dem im Frühjahr bereits attackierten Serena-Hotel. Die Straße vor dem Gebäude wird Tag und Nacht von der Polizei abgesperrt, vor dem Einlass muss man eine Sicherheitskontrolle passieren.

Die Bombe explodierte nach Angaben eines Ministeriumsmitarbeiters im Innern des Gebäudes. In dem Gebäude finden mehrmals pro Woche Pressekonferenzen der verschiedenen Ministerien statt; auch die des Sprechers von Präsident Hamid Karzai, bei der viele internationale Journalisten anwesend sind.

Am Donnerstag war jedoch keine solche Pressekonferenz geplant. Ein Mitarbeiter des Ministeriums vermutete kurz nach dem Anschlag, dass der Attentäter in die oberen Stockwerke des Ministeriums vordringen wollte, um möglicherweise den Minister zu töten.

Ein Augenzeuge sprach gegenüber SPIEGEL ONLINE kurz nach dem Anschlag von schrecklichen Szenen in der Eingangshalle. "Überall ist Blut und Glassplitter liegen herum", sagte Abdul Khadr, der in der Behörde arbeitet. Khadr berichtete von Dutzenden von Verletzten und schätzte die Zahl der Todesopfer auf mehr als zehn.

Das Attentat bestätigt Befürchtungen, dass die Gewalt in Afghanistan mehr und mehr auch auf die bisher als relativ sicher geltende Hauptstadt Kabul übergreift. Trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen - die Polizei hat mittlerweile überall in der Stadt Kontrollpunkte eingerichtet - gelingt es Gegnern der Karzai-Regierung jedoch in den letzten Wochen immer wieder, Anschläge auch in Kabul zu verüben.

mgb/cht/AP/dpa/AFP



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