Afghanistan Britische Soldaten sollen Kinder missbraucht haben

Schon wieder ein Vorwurf gegen die internationalen Truppen in Afghanistan: Zwei britische Soldaten sollen einen Jungen und ein Mädchen missbraucht und ihre Tat gefilmt haben. Präsident Karzai ist empört, die britische Militärpolizei ermittelt.


London - Erst in der vergangenen Woche sorgte ein Video für Empörung, auf dem US-Soldaten angeblich auf Leichen von Taliban-Kämpfern urinieren. Jetzt droht den internationalen Truppen am Hindukusch ein neuer Skandal: Zwei britische Soldaten der "Mercian Battle Group" sollen zwei afghanische Kinder bei zwei Vorfällen aufgefordert haben, sie durch ihre Kleidung hindurch zu berühren.

Nach Angaben der britischen Zeitung "Sun" wurde der Vorfall von ihnen auch gefilmt und anderen Soldaten gezeigt. Die beiden Kinder, ein Junge und ein Mädchen, seien etwa zehn Jahre alt gewesen.

Der afghanische Präsident Hamid Karzai reagierte umgehend auf die Berichte. Sie seien "sehr beunruhigend". Er forderte die Regierung in London auf, eine Untersuchung der "unmoralischen Tat" einzuleiten und Schuldige zu bestrafen.

In einer Mitteilung des Präsidentenpalastes heißt es, Karzai sei "angewidert über den Anstieg jüngster Ereignisse unmoralischer Natur unter ausländischen Soldaten". Solche Taten unterminierten das Vertrauen und die Kooperation der Afghanen mit den ausländischen Truppen.

Das britische Verteidigungsministerium teilte am Mittwoch mit, die Militärpolizei habe Ermittlungen eingeleitet. Beide Soldaten seien wegen "unangemessenem Verhaltens" festgenommen worden und würden jetzt befragt. Außerdem seien Computer beschlagnahmt worden.

"Wir nehmen solche Vorwürfe sehr ernst", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Großbritanniens Premier David Cameron sei "zutiefst schockiert" gewesen, als er über die Vorwürfe hörte, berichtet die "Sun".

Die Nato-geführte Schutztruppe Isaf bestätigte am Mittwochabend, dass die britische Militärpolizei "Vorwürfe über unangemessenes Verhalten" von zwei Soldaten während ihres Einsatzes in Afghanistan untersuche. "Vorwürfe dieser Art werden sehr ernst genommen." Der deutsche Isaf-Sprecher Carsten Jacobson sagte in der Mitteilung, man erwarte von Soldaten aller Truppenstellernationen, dass sie die höchsten militärischen Maßstäbe einhielten.

Nach der mutmaßlichen Schändung getöteter Taliban-Kämpfer durch amerikanische Marine-Infanteristen hatte Verteidigungsminister Leon Panetta eine Bestrafung der Schuldigen zugesichert. Die vier Soldaten müssen sich laut US-Medienberichten vermutlich wegen Verletzung der Genfer Konvention verantworten.

Karzai hatte die USA aufgefordert, die Täter so schwer wie möglich zu bestrafen. Er hatte die Tat "zutiefst unmenschlich" genannt. Auch die Isaf hatte die mutmaßliche Schändung getöteter Taliban-Kämpfer verurteilt.

als/dapd/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.