Reaktion auf US-Abzug Bundeswehr soll Afghanistan schneller verlassen

Die Bundeswehr muss ihre Afghanistan-Mission erneut umplanen. Schon Ende 2016 sollen die deutschen Truppen nach Hause geholt werden - ein Jahr früher als geplant. Damit würde sich das Verteidigungsministerium dem Fahrplan der Amerikaner anpassen.
Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Isaf-Mission endet Dezember 2014

Bundeswehrsoldat in Afghanistan: Isaf-Mission endet Dezember 2014

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Berlin - Erst kürzlich war bekannt geworden, dass die US-Regierung den Abzug ihrer Truppen aus Afghanistan beschleunigen will - nun könnten die Deutschen nachziehen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE peilt die Bundeswehr an, dass ihre Teilnahme an der Ausbildungsmission "Resolute Support" ähnlich wie bei den US-Truppen Ende 2016 und damit ein Jahr früher als bisher angedacht enden soll. Final entschieden ist das aber noch nicht, hieß es im Verteidigungsministerium.

Generalinspekteur Volker Wieker unterrichtete Fachpolitiker im Bundestag am Mittwoch, dass die Bundeswehr ihre Mission an den US-Fahrplan anpassen werde. "Wir werden uns da anschließen", so Wieker. Laut dem Vier-Sterne-General wird sich die Bundeswehr deswegen im Jahr 2015 noch im Norden des Landes bei der Ausbildung der Afghanen engagieren. Ab 2016 soll sich die Mission parallel zu den US-Plänen auf Kabul konzentrieren, ein Jahr später endet das deutsche Afghanistan-Engagement wohl endgültig.

Für die Bundeswehr, die im Norden Afghanistans noch das riesige Feldlager in Masar-e-Scharif mit rund 2200 Soldaten betreibt, bedeutet die Entscheidung der USA eine deutliche Beschleunigung der eigenen Pläne. Ursprünglich hatte man sich darauf eingestellt, noch mindestens zwei Jahre auch im Norden bei der Ausbildung aktiv zu bleiben und erst 2017 zunächst nach Kabul zu gehen und dann langsam komplett abzuziehen.

Die Entscheidung über die Zukunft des Afghanistan-Einsatzes aus Washington hatte die Nato in der vergangenen Woche überrascht. Seit Monaten warteten die Militärs auf einen Fingerzeig aus Washington. Schließlich bilden die US-Truppen und deren Logistik wie Flugzeuge und Helikopter seit jeher das Rückgrat des Afghanistan-Einsatzes und werden dies auch bei der Trainingsmission ab 2015 tun. Zwischenzeitlich gab es sogar Zweifel, ob die Mission überhaupt zustande kommt, da Präsident Karzai sich weigerte, ein formales Truppenabkommen zu unterzeichnen.

"Ohne die Amerikaner geht in Afghanistan nichts"

Barack Obama kündigte konkret an, dass die USA für das kommende Jahr 9800 Soldaten in Afghanistan belassen wollen. 8000 davon werden für die Trainingsmission "Resolute Support" tätig sein. Im Jahr 2016 werde diese Zahl jedoch bereits um die Hälfte reduziert. Ab 2017 dann sollen nur noch einige Hundert US-Soldaten in Afghanistan verbleiben, so Obama. Diese werden allerdings nur den Schutz der riesigen US-Botschaft übernehmen und die Suche nach Terroristen fortsetzen.

Mit der US-Entscheidung war für die Führung der Nato recht schnell klar, dass die mit rund 12.000 Mann geplante Trainingsmission der Allianz und einiger anderer Partner im Dezember 2016 endet. "Ohne die Amerikaner geht in Afghanistan nichts", sagte ein ranghoher Nato-Militär SPIEGEL ONLINE, "wenn sie gehen, müssen wir auch raus". Offiziell wollte sich Nato-Generalsekretär Rasmussen noch nicht zum Ende von "RSM" äußern, intern aber war in Brüssel einhellig von einem Ende der Trainingsmission im Dezember 2016 die Rede.

Mit der Trainingsmission "RSM" will die Nato die mühsam erreichten Erfolge beim Aufbau der afghanischen Armee und Polizei sichern. Die ausländischen Soldaten sollen allerdings keine Kampfmissionen mehr ausführen. Stattdessen sollen sie die Afghanen weiter trainieren und kontrollieren, dass die milliardenschwere Militärhilfe aus dem Westen nicht versickert. Die ursprüngliche Afghanistan-Mission der Schutztruppe Isaf endet im Dezember 2014. Für die Zeit danach hat Berlin 600 bis 800 Mann für die Trainingsaufgaben angeboten.