Afghanistan Cheney überlebt Anschlag auf US-Basis unverletzt

Blutiger Angriff auf den US-Stützpunkt Bagram in Afghanistan: Ein Selbstmordattentäter hat vor der Militärbasis einen Sprengsatz gezündet, während sich US-Vizepräsident Cheney gerade zu einem Besuch auf dem Gelände aufhielt. Zahlreiche Menschen starben, der Politiker blieb unverletzt.

Kabul - Bei der heftigen Explosion vor dem US-Militärstützpunkt in der afghanischen Stadt Bagram, rund 60 Kilometer nördlich von Kabul, wurden nach Angaben von afghanischen Sicherheitskräften insgesamt 19 Menschen getötet. Das US-Militär teilte zunächst nur mit, dass mehrere ausländische Soldaten verletzt wurden. Lokale Sicherheitskräfte hatten erklärt, dass drei Soldaten verletzt worden seien, bei denen es sich vermutlich um Amerikaner handelt.

Der Vorfall an der US-Basis ereignete sich gegen 10 Uhr vormittags Ortszeit während eines Besuch des US-Vizepräsidenten Dick Cheney im größten Lager der US-Armee in Afghanistan. Das Militär gab kurze Zeit nach der Detonation Entwarnung: "Dem Vize-Präsidenten geht es gut", sagte ein amerikanischer Militärsprecher. Er sei auch nicht gefährdet gewesen.

Cheney hatte auf der Militärbasis übernachtet, nachdem geplante Gespräche mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai wegen schlechten Wetters verschoben worden waren. Stattdessen frühstückte er am Morgen mit US-Soldaten in Bagram. Mitreisende Journalisten berichteten, dass sie von der Explosion nichts mitbekommen hätten. Erst etwas später seien sie von US-Militärs über einen Alarm informiert worden. Rund 90 Minuten nach der Explosion verließ Cheney das Lager, um das Treffen mit Karsai nachzuholen.

Taliban bekennen sich zum Anschlag

Der Anschlag fand nach Angaben von afghanischen Sicherheitskräften in einer der Sicherheitsschleusen vor dem eigentlichen Eingang der größten US-Miltärbasis statt. Die riesige Militäranlage im Norden Kabuls ist von insgesamt drei Sicherheitsringen umgeben: Die erste wird von afghanischen Soldaten bewacht, die beiden folgenden von US-Soldaten. In den Schleusen werden alle Fahrzeuge und Personen intensiv kontrolliert, jeder Lastwagen wird durchsucht.

Lokale Sicherheitskräfte berichteten SPIEGEL ONLINE, der Anschlag habe sich an der äußersten Schleuse ereignet. Hier nehmen afghanische Sicherheitskräfte einen ersten Check aller Fahrzeuge vor. Nur wer eine Genehmigung hat, darf die Schleuse passieren und wird dann an weiteren Check-Points erneut durchsucht. Die Maßnahmen machen eine Fahrt nach Bagram extrem aufwändig - die Kontrollen dauern meist mehr als eine Stunde. Gerade am Morgen stauen sich vor der Basis Dutzende von Lastwagen.

Schon kurz nach dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamistischen Taliban zu der Tat. Der Rebellensprecher Kari Mohammad Yousif Ahmadi sagte der Deutschen Presse Agentur (dpa) per Telefon, der Selbstmordattentäter habe Abdul Rahim geheißen und stamme aus der ostafghanischen Provinz Logar. Mehr als 20 Menschen seien getötet worden, die Mehrheit der Opfer seien US-Soldaten. Die Angaben der selbsternannten Sprecher waren in der Vergangenheit jedoch wenig verlässlich.

Nach ersten Angaben lokaler Reporter in Kabul detonierte der Sprengsatz in einem Container. Andere Quellen sprachen von einem Selbstmordanschlag, der Täter habe in einem Auto gesessen, als er seinen Sprengsatz zündete. Auch die Angaben über die Zahl der Toten variierte nach dem Anschlag. So sprachen afghanische Polizisten in Kabul zuerst von 18 Toten, dann von 19 Opfern.

Höchste Sicherheit bei Politikerbesuchen

Der Vizepräsident selbst war die Nacht über in einer der Hochsicherheitszonen des Lagers Bagram untergebracht, die noch einmal mit einem weiteren Schutzring umgeben ist. Vor Besuchen von Offiziellen wird dieser Bereich grundsätzlich erneut komplett untersucht und mit Sprengstoffhunden abgesucht.

Ob das Attentat mit dem Besuch des Vizepräsidenten zusammenhängt, steht bisher noch nicht fest. Erst gestern, kurz nach seiner Abreise aus Pakistan, hatte das Weiße Haus die Reise Cheneys nach Afghanistan bekannt gegeben. Grundsätzlich gilt für die Besuche von US-Offiziellen die höchste Sicherheitsstufe, normalerweise bewegen sich die Politiker ausschließlich in Hubschraubern durch das Land und werden von einer ganzen Heerschar von Sicherheitskräften bewacht.

Dass Cheney überhaupt eine Nacht in Afghanistan verbracht hat, ist ungewöhnlich - normalerweise bleiben Politiker meist nur einen Tag in Afghanistan und fliegen vor dem Einbruch der Dunkelheit wieder ab. Vermutlich war die Übernachtung spontan wegen des verschobenen Treffens mit Karsai beschlossen worden.

Selbstmordanschläge in Afghanistan haben im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen. Die radikal-islamischen Taliban haben in den letzten Wochen eine neue Frühjahrsoffensive angekündigt, die nach Angaben der Rebellen unmittelbar bevorsteht. Dabei sollen laut Mitteilungen von Kommandeuren vermehrt Selbstmordattentäter zum Einsatz kommen. Die Nato, im Land mit der Schutztruppe Isaf aktiv, will die Taliban-Offensive vereiteln.

mgb/phw/AFP/reuters/AP/dpa

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