Afghanistan CIA-Attentäter war Doppelagent für al-Qaida

Es klingt wie ein Spionagethriller: Der Selbstmordattentäter, der in der vergangenen Woche bei einem Anschlag in Afghanistan sieben CIA-Agenten tötete, arbeitete offenbar für den jordanischen Geheimdienst - und für al-Qaida. Der Doppelagent soll die Jordanier und die USA ein Jahr lang genarrt haben.
Häuser in der afghanischen Provinz Khost: Tödlicher Anschlag in CIA-Camp

Häuser in der afghanischen Provinz Khost: Tödlicher Anschlag in CIA-Camp

Foto: ZOHRA BENSEMRA/ REUTERS

Berlin - Es ist eine nahezu unglaubliche Geschichte. Der jordanische Arzt, der am vergangenen Mittwoch in der afghanischen Stadt Khost ein Selbstmordattent verübte und sieben CIA-Mitarbeiter tötete, saß nach übereinstimmenden Berichten mehrerer US-Medien noch vor über einem Jahr als Qaida-Sympathisant in seiner Heimat in Haft. Dann kam er frei, weil Jordaniens Behörden ihm glaubten, dass er die Seiten gewechselt hatte - und wurde vom Geheimdienst des Landes als Agent losgeschickt, berichten der Fernsehsender MSNBC, die "New York Times" und die Nachrichtenagentur AP mit Verweis auf westliche Geheimdienstinsider.

Humam Khalil Abu-Mulal al-Balawi, 36, sollte den Berichten zufolge al-Qaida infiltrieren, genauer: Qaida-Vizechef Aiman al-Sawahiri finden und treffen. Doch was ein genialer Schachzug zur Infiltration des Terrornetzwerks in Afghanistan und Pakistan hätte sein können, wurde für die westlichen Geheimdienste und die Jordanier zum Albtraum. Denn al-Balawi arbeitete laut den Informationen als Doppelagent.

In der vergangenen Woche rief er den Berichten zufolge seinen jordanischen Führungsagenten Sharif Ali bin Zeid an, einen entfernter Verwandter des Königs. Er habe eine wichtige Nachricht über al-Sawahiri zu übermitteln und müsse sich zu diesem Zweck mit dem CIA-Team in Khost treffen. Die Jordanier kooperieren mit dem US-Geheimdienst. So kam das gewünschte Treffen offenbar zustande.

Das Resultat: Einer der schlimmsten Verluste der CIA in ihrer Geschichte durch eine einzelne Operation. Sieben Agenten kamen ums Leben, als al-Balawi am vergangenen Mittwoch seinen Sprengstoffgürtel zündete, darunter einige, die offenbar eigens für das Treffen eingeflogen waren.

Auch sein Führungsoffizier Sharif Ali bin Zeid wurde nach einer Mitteilung der jordanischen Nachrichtenagentur Petra am vergangenen Mittwoch getötet - ob bei al-Balawis Anschlag und unter welchen Umständen genau, dazu verbreitete sie keinerlei Details. AP berichtet allerdings mit Verweis auf einen früheren US-Geheimdienstmitarbeiter, er sei sehr wohl bei dem Attentat gestorben.

Generell gibt es keine offizielle Stellungnahme der Regierungen zu den Berichten über den Doppelagenten. Ursprünglich hatte es sogar geheißen, ein Mitglied der afghanischen Armee habe den Anschlag begangen.

Jordanien

Gerade das Königreich hat kein Interesse daran, dass das Ausmaß seiner Kooperation mit den USA weiter thematisiert wird. Laut einem Informanten der "New York Times" in der US-Regierung haben die Jordanier einen so guten Ruf, dass al-Balawi vor dem Treffen mit den westlichen Agenten nicht kontrolliert wurde. Jetzt seien sie wegen des Attentats in tiefer Verlegenheit.

Taliban

Afghanistan

Laut MSNBC bestätigte ein -Sprecher, dass al-Balawi die Jordanier und die USA ein Jahr lang in die Irre geführt habe. Die "New York Times" und AP zitieren Informanten, dass er vor seiner Verhaftung in Jordanien ein überaus aktiver Teilnehmer an Dschihadisten-Foren im Internet war. Er sei eine einflussreiche Stimme im Netz der Extremisten gewesen und habe zum Kampf gegen die westlichen Armeen in und im Irak aufgerufen.

Der "Washington Post" zufolge hatte die CIA-Basis in Khost eine entscheidende Rolle für die Drohnenangriffe, mit denen der US-Auslandsgeheimdienst Terroristen in Afghanistan und Pakistan zu töten versucht. Die Leichen der sieben getöteten CIA-Mitarbeiter wurden am Montag in die USA überführt.

Jordanien nahm schon am Samstag Abschied von Führungsoffizier Sharif Ali bin Zeid - Fotos zeigen König Abdullah II. vor seinem Sarg.

yas/plö